"Kein einfaches Jahr" für Banken

25. Juni 2003, 14:22
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Branche erwartet 2003 Ergebnisrückgang - Jahresüberschuss um über 23 Prozent abgesackt - Produktivität der Mitarbeiter gestiegen

Wien - Angesichts der stotternden Konjunktur und niedriger Margen wird das Jahr 2003 für die österreichischen Banken "kein einfaches". Davon geht der seit Mai neue Bankenverbands-Präsident P.S.K.-Chef Stephan Koren aus. Entgegen den Erwartungen habe sich das wirtschaftliche Umfeld bisher nicht erholt, zudem drücke das niedrige Zinsniveau auf die Margen. Die Erträge würden daher "nicht in den Himmel wachsen", erklärte Koren bei der Vorlage des Jahresberichts.

Geringeres Ergebnis

Für das Gesamtjahr 2003 rechnen die Banken mit einem Rückgang des kumulierten Betriebsergebnisses um 3,2 Prozent, nachdem die Kreditinstitute im 1. Quartal besser verdient haben. Bis März erzielten die Mitgliedsbanken ein gegenüber dem Vorjahresquartal um 9,7 Prozent höheres Betriebsergebnis. Im Vergleich zum gesamten Kreditsektor konnten die Aktienbanken zwar die Erträge weniger stark steigern, durch restriktives Kostenmanagement seien die Betriebsaufwendungen aber deutlich gesunken. Dadurch sei die Cost-Income-Ratio (CIR) um 3 Prozentpunkte verbessert worden, sagte der scheidende Verbandspräsident, Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner.

2002 war das Betriebsergebnis der ordentlichen Mitgliedsinstitute mit 828 Mio. Euro um 1,0 Prozent unter dem Vorjahreswert zurückgeblieben. Leicht höheren Betriebserträgen (+0,6 Prozent) standen um 1,5 Prozent gestiegene Aufwendungen gegenüber, wodurch sich die CIR um 0,6 Prozentpunkte verschlechterte. Wegen geringerer Risikokosten und Wertberichtigungen auf Wertpapiere und Beteiligungen erhöhte sich das EGT jedoch moderat um 3,1 Prozent auf 505 Mio. Euro.

Jahresübersschus eingebrochen

Der Jahresüberschuss sackte um 23,3 Prozent auf 362 Mio. Euro ab. Dies sei einzig auf notwendig gewordene Bewertungsberichtigungen von Beteiligungen im außerordentlichen Ergebnis auf Grund der katastrophalen Börsenentwicklung zurückzuführen, erinnerte Elsner am Dienstagabend, denn die Steuerleistungen sei ungefähr auf Vorjahresniveau geblieben. Auch der 3,8-prozentige Rückgang des Jahresgewinnes auf 184 Mio. Euro sei - wie beim Jahresüberschuss - etwas geringer ausgefallen als ursprünglich befürchtet.

Kräftig erhöhen konnten die Banken im Vorjahr die Produktivität pro Mitarbeiter. Sie stieg - gemessen an den Betriebserträgen - um 6,6 Prozent auf 190.958 Euro je Mitarbeiter. Beschäftigt wurden von den ordentlichen Mitgliedern 12.711 Menschen (+2,2 Prozent), davon 10.850 (+0,9 Prozent) ganztags. Da die Erträge nicht in den Himmel wachsen, wie Koren meinte, würden die Institute ihre Sparbemühungen fortsetzen. Und natürlich werde es auch in Zukunft weniger Bankstellen geben, hier seien weitere Anpassungen nötig.

Geyer folgt auf Ovesny

Dem Bankenverband gehören (mit Stand Ende Mai) 57 ordentliche Mitglieder an, davon 54 Aktienbanken und 3 Bank-GesmbHs. Ferner zählt der Verband 22 außerordentliche Mitglieder (samt Repräsentanzen und Institute im Rahmen der Dienstleistungsfreiheit). Dem Jahresbericht liegen Jahresabschlüsse von 45 Instituten zu Grunde, fünf davon betreffen Sonderbanken bzw. die Bausparkasse Wüstenrot AG.

Per 1. Mai ist Stephan Koren an der Verbandsspitze Helmut Elsner nachgefolgt. Gleichzeitig wurde der neue Bawag-Chef Johann Zwettler in den Verbandsvorstand kooptiert. Dem scheidenden Verbands-Generalsekretär Franz Ovesny, der auf eigenen Wunsch Ende Juni in Pension geht, folgt Maria Geyer nach, die bereits seit 2000 seine Stellvertreterin war. Elsner stand 4 Jahre und 4 Monate an der Verbandsspitze. Ovesny gehörte dem Verband 9 Jahre und 9 Monate an; in der Bankenwelt verbrachte er fast 45 Berufsjahre, nachdem er 1959 in die Postsparkasse eingetreten und 1961 zur Creditanstalt gewechselt war, von wo er im Oktober 1993 zum Verband gegangen ist. (APA)

  • Keine guten Zeiten für die Finanz-Branche.
    foto: photodisc

    Keine guten Zeiten für die Finanz-Branche.

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