Kampf dem Dengue-Virus

25. Juni 2003, 14:12
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ExpertInnen-Treffen in Wien befasst sich mit offenen Fragen zur Erkrankung

Wien - Zahlreiche der weltweit wichtigsten Spezialisten auf dem Gebiet des Dengue-Virus - ein Verwandter der FSME-Erreger - sind derzeit im Haus der Musik in Wien versammelt, um die Grundlagenforschung voran zu treiben. Der Hintergrund: Obwohl es schon Impfstoffe gegen die potenziell lebensgefährliche Infektion in klinischen Studien gibt, sind noch längst nicht alle Fragen geklärt. Möglicherweise könnten nämlich die Vakzine sogar eine Gefahr darstellen, erklärten Experten.

Die Konferenz

"Dengue Virus: Molekulare Basis für die Infektion von Zellen", lautet übersetzt der Titel der Konferenz (25. bis 27. Juni). Gastgeber sind Univ.-Prov. Dr. Franz X. Heinz und seine Kollegen vom Institut für Virologie der Universität Wien. Sie erforschen seit Jahrzehnten die FSME-Viren, ebenfalls Angehörige der Familie der Flavi-Viren, zu denen auch das West Nile Virus, das Gelbfieber- und das Hepatitis C-Virus gehören.

Heinz: "Drei Milliarden Menschen leben weltweit in Gebieten, in denen das Dengue-Virus vorkommt. Es wird durch Moskitos übertragen. Die Zahl der Infektionen wird auf jährlich 50 bis 100 Millionen geschätzt."

Infektionsverlauf

Ein "normaler" Krankheitsverlauf ist noch relativ harmlos. Doch in manchen Fällen lösen die Dengue-Erreger auch schwere innere Blutungen (hämorrhagisches Fieber) aus, die ähnlich dramatisch wie Ebola-Erkrankungen verlaufen können.

Eine ebenso unangenehme Eigenschaft der Infektion: Wer einmal angesteckt wurde, kann trotzdem wieder durch eine der drei übrigen Virus-Varianten infiziert werden. Die bei der Erstinfektion gebildeten Antikörper zeigen den zweiten Viren dann offenbar paradoxerweise den Weg zur Infektion möglichst vieler Zellen. Das macht Zweiterkrankungen in vielen Fällen lebensbedrohend.

Die Crux mit der Impfung

Gerade diese Mechanismen sollen in Zukunft vermehrt untersucht werden. Der internationale Doyen der Dengue-Virus-Forschung Scott B. Halstead von der medizinischen Universität der US-Armee in Bethesda (US-Bundesstaat Maryland): "Es gibt mittlerweile schon mehrere Dengue-Lebendimpfstoffe (GlaxoSmithKline, AventisPasteur, Anm.), die auch in Studien mit bis zu die 500 Probanden erprobt werden. Doch es gibt auch die Befürchtung, dass bei manchen Probanden eben eine Zweit-Infektion nach der Impfung zu einem viel gefährlicheren Krankheitsverlauf führen könnte."

Mit Geldern der Rockefeller- und der Gates-Stiftung soll jetzt die Basisforschung so weit vorangetrieben werden, dass die Grundlagen für ein sicheres und funktionierendes Vakzin für Kinder erstellt werden. Halstead: "Wir kennen im Grunde die Mechanismen noch nicht genau genug, wie die Antikörper zu diesen Reaktionen beitragen." Im Grunde sollte eine Impfung ja die Produktion schützender Antikörper durch das Immunsystem hervorrurfen. Wenn sich das aber in eine negative Reaktion bei einer nachfolgenden Infektion verwandelt, ist buchstäblich etwas faul.

Durchbruch

Einen echten Durchbruch in der Erforschung der Dengue-Viren präsentiert US-Wissenschafter Steve Harrison (Stanford University/Kalifornien) bei der Konferenz in Wien. Der Wiener Virologe Univ.-Prof. Dr. Franz X. Heinz: "Steve Harrison hat durch Röntgenstruktur-Analyse die dreidimensionale Gestalt des wichtigen Oberflächenproteins E der Dengue-Viren aufgeklärt. Wir haben vor einigen Jahren in Kooperation mit ihm das E-Protein der FSME-Erreger entschlüsselt."

Dieses Oberflächenprotein ist entscheidend für die Fähigkeit der Krankheitserreger, in Zellen einzudringen. Wer hier durch Antikörper (Impfung) oder durch kleine Moleküle (Arzneimittel) hemmend eingreifen kann, hat die Chance für eine gute Prophylaxe bzw. ursächlich wirkende Medikamente geschaffen.

Importiet aus dem Tierreich

Wie viele andere Viren, welche den Menschen gefährlich werden können, stammt auch das Dengue-Virus aus dem Tierreich. Scott Halstead: "Das kam vor sehr langer Zeit von den Affen. Und weil die Viren schon so lange den Menschen als Wirtorganismus benutzen, haben sie auch die Strategien entwickelt, mit denen sie unserem Immunsystem ausweichen." (APA)

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