Auch IHS revidiert Wachstum nach unten

25. Juni 2003, 14:04
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Nach den Wifo sieht nun IHS-Chef Felderer eher schwarz: "Werden eine Prognose verkünden müssen, die schlecht aussieht"

Maria Wörth - Mit dem Wifo wird auch das Institut für Höhere Studien (IHS) seine Prognose für das reale Wirtschaftswachstum Österreichs am Freitag deutlich nach unten revidieren. IHS-Chef Bernhard Felderer sagte am Mittwoch in Reifnitz bei Maria Wörth: "Wir werden am Freitag eine Prognose verkünden müssen, die schlecht aussieht." Die konkreten Zahlen würden "zwischen 0,5 und 1 Prozent" liegen. Im März hatte das IHS noch 1,5 Prozent Wachstum vorhergesagt.

Schlecht gelaufen

Das zweite Quartal sei schlecht gelaufen, meinte Felderer vor Journalisten, und auch im dritten Quartal seien die Aussichten nicht gut. "Durch den hohen Wechselkurs des Euro sind die Exporte eingebrochen", begründete Felderer den Pessimismus, der dazu führe, dass die März-Prognose nicht mehr haltbar sei. Eine Erholung erwartet Felderer allenfalls für die letzten drei Monate dieses Jahres. Dies würde aber nicht verhindern können, dass das Wirtschaftswachstum im Jahresschnitt unter einem Prozent liegen werde.

Eine tatsächliche Stagnation, wie sie von manchen Pessimisten prophezeit werde, will Felderer nicht vorhersagen. "Das ist eine Minderheitsmeinung." Ausschließen könne man dieses Szenario allerdings auch nicht.

Wifo, OeNB: Geringeres Wachstum

Am Dienstag hatte das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo ebenfalls angekündigt, die Wachstumsprognose auf unter ein Prozent zu senken. Im März war das Wifo noch von 1,1 Prozent Wachstum ausgegangen. Allerdings, so Marcus Scheiblecker, sei der Einfluss von Währungseffekten auf die Konjunktur zu relativieren. Ein schwacher Euro wäre in Zeiten schwacher Konjunktur wohl ein notwendiger Impuls, würde aber allein kein zusätzliches Wirtschaftswachstum auslösen. Die Exporte seien in den EU-Raum, wo die meisten österreichischen Exporte hingehen, derzeit eher stagnierend.

Ähnlich die Erwartungen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), die bereits in der vergangenen Woche in ihrer Frühjahrsprognose ein "moderates Wachstum" von 0,7 Prozent verkündet hatte. Erst für die Folgejahre 2004 und 2005 erwartet die OeNB eine Beschleunigung der wirtschaftlichen Aktivität auf 1,6 bzw. 2,5 Prozent. OeNB-Gouverneur Klaus Liebscher sieht im Wechselkurs ebenfalls nicht die Hauptursache für die gedämpften Erwartungen. Die aktuelle Währungsrelation sei zwar "keine Erleichterung für die Exportwirtschaft", so Liebscher. Das Gros der Handelsbeziehungen spiele sich aber innerhalb des Euro-Raumes ab, auch mit den EU-Erweiterungsländern werde in Euro gerechnet. Außer dem Wechselkurs seien auch die allgemeine Nachfrage sowie die Kundenrelationen Ausschlag gebend. (APA)

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