Immer mehr Privatkonkurse

25. Juni 2003, 21:46
23 Postings

Kreditschutzverband weist Zunahme von über zwölf Prozent aus - Zahl der Firmenpleiten gesunken

Wien - Während die Zahl der Firmenpleiten in Österreich im ersten Halbjahr im Jahresvergleich um fast 5 Prozent auf insgesamt 2.622 Insolvenzen zurückgingen, nahmen die Privatkonkurse im selben Zeitraum um 12,4 Prozent auf 1.785 Fälle zu.

Dieser Trend, so Hans-Georg Kantner vom Kreditschutzverband von 1870 (KSV) am Mittwoch bei der Präsentation der Insolvenzstatistik für das erste Halbjahr 2003, werde sich im Gesamtjahr fortsetzen. Die Zahl der überschuldeten Haushalte in Österreich habe sich seit 1994 von 80.000 auf jetzt rund 100.000 mehr als verdoppelt. Mit einer weiteren Zunahme der Privatkonkurse sei heuer zu rechnen.

Schlechte Werte im europäischen Vergleich

Die Zahl der Firmenpleiten nahm zwar ab, allerdings nimmt Österreich bei der Insolvenzrate (Anteil der Pleiten an allen aktiven Unternehmen) in Europa hinter der Schweiz (über 3 Prozent) und Schweden (über 2 Prozent) mit 1,7 Prozent den drittschlechtesten Platz ein. Deutschland schneidet trotz Pleitenrekorden mit einer Rate von 1 Prozent deutlich besser ab.

Im Detail gingen die Gesamtinsolvenzen in Österreich um 4,6 Prozent auf 2.622 Fälle zurück. Die mangels Masse abgewiesenen Konkursanträge reduzierten sich um 8,2 Prozent auf 1.217 Fälle. Die Zahl der eröffneten Insolvenzen schrumpfte um 1,3 Prozent auf 1.405 Fälle, davon 36 Ausgleiche (plus 16,1 Prozent) und 1.369 Konkurse (minus 1,7 Prozent).

Weniger Großinsolvenzen

Auf Grund weniger Großinsolvenzen im ersten Halbjahr schrumpften die Passiva mit minus 31,1 Prozent um fast ein Drittel auf 1,139 Mrd. Euro. Rechnet man allerdings die Libro-Pleite, die die Statistik 2001 kräftig nach oben belastet hat, heraus, beträgt der Rückgang rund 15 Prozent. Die Zahl der betroffenen Dienstnehmer sank im Berichtszeitraum um 13,1 Prozent auf 11.300 Beschäftigte.

Ankerbrot nicht berücksichtigt

Nicht berücksichtigt in der vorliegenden Halbjahresbilanz ist der bevorstehende Ausgleich des Wiener Backriesen Ankerbrot, dessen Passiva auf rund 90 Mio. Euro geschätzt werden. Der drohende Ankerbrot-Ausgleich wäre nach dem Konkurs der Grundig-Gruppe mit Passiva von 154 Mio. Euro demnach die zweitgrößte Pleite im Halbjahr. Derzeit noch an zweiter Stelle liegt der Konkurs des oberösterreichischen Fruchtimporteurs Obst Huber in Wels mit 32 Mio. Euro. Gefolgt von der EMTS Austria mit 20 Mio. Euro und Kneissl in Kufstein mit 18 Mio. Euro.

300 bis 350 Insolvenzen werden jährlich vorsätzlich herbeigeführt, betonte KSV-Geschäftsführer Johannes Nejedlik. Verurteilung gebe es allerdings nur in 70 Fällen. Es gehe nicht an, dass sich drei Viertel aller Täter der strafrechtlichen Verfolgung entziehen. In vielen Fällen sei die Buchhaltung nicht vorhanden oder "wie zufällig Opfer von Feuer oder Wasser oder von beiden geworden", so Nejedlik. Aus diesem Grund fordert der KSV ein neues Formaldelikt für das Fehlen oder Vernichten der Buchhaltung. (APA)

Share if you care.