Herzstillstand nach der Samenabgabe

25. Juni 2003, 12:01
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Die Männchen von Argiope aurantia müssen auch ohne den Spinnen-typischen Kannibalismus sterben

London - Während der Paarung sterben Männchen der schwarz-gelben Gartenspinne einen plötzlichen Tod: Innerhalb weniger Sekunden nachdem sie ihren Samen in das Weibchen gegeben haben, verharren sie regungslos, die Beine unter ihrem Körper gefaltet. Nach spätestens 15 Minuten tritt der Tod durch Herzstillstand ein. Das berichten Zoologen der Concordia-Universität von Montreal (Kanada) in den "Proceedings" der Londoner Royal Society.

Die Paarung endet im Tierreich für Männchen mehrerer Arten tödlich. Beispiele für sexuellen Kannibalismus sind vor allem von Spinnen und Gottesanbeterinnen bekannt. In vielen Fällen versuchen die Männchen, den undankbaren Weibchen zu entkommen. Nur bei wenigen Arten lässt sich das Männchen wehrlos verspeisen.

Todesprogramm

Die Forscher Matthias Foellmer und Daphne Fairbairn zeigen an der schwarz-gelben Gartenspinne (Argiope aurantia) erstmals, dass Männchen auch ohne die "Mithilfe" ihrer Weibchen bei der Paarung sterben. Der plötzliche Tod ist genetisch programmiert und wird bei den Spinnen durch die Paarung ausgelöst.

Die nur sieben Millimeter großen Männchen legen ihre Spermien mit Hilfe ihrer Tastorgane in den Befruchtungsgang der vier Mal größeren Weibchen. Das Tastorgan schwillt im Weibchen an, dadurch bleibt das tote Männchen im Weibchen hängen und versperrt Konkurrenten den Zugang. Nur in wenigen Fällen gelingt es einem Nebenbuhler, das Weibchen von dem toten Gatten zu befreien. Erst nach etwa 20 Minuten entfernt das Weibchen den Verblichenen dann selbst. (APA/dpa)

Vgl. "Proceedings" der Londoner Royal Society (DOI: 10.1098/rsbl.2003.0042)
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    Eine weibliche Argiope

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