IKG: Rund 30 Kündigungen werden bis Monatsende ausgesprochen

25. Juni 2003, 11:44
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Beschluss des Kultusvorstands fiel in der Nacht auf Mittwoch - Sparmaßnahmen werden mit 1. Jänner 2004 wirksam

Wien - Die Würfel sind gefallen: bis Monatsende wird rund 30 Mitarbeitern der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien die Kündigung ausgesprochen. Das hat der Kultusvorstand in der Nacht auf Mittwoch in einer neuerlichen Marathonsitzung beschlossen, wie IKG-Generalsekretär Avshalom Hodik am Mittwoch Vormittag bestätigte. Seit Bekanntwerden der prekären finanziellen Situation der Gemeinde habe sich Präsident Ariel Muzicant um Unterstützung der öffentlichen Hand bemüht. "Aber auf Regierungsseite hat sich nichts bewegt." Nun müsse sichergestellt werden, dass es im Budget 2004 keinen Abgang gebe. Dazu brauche es ein Abschlanken der jährlich zur Verfügung stehenden Mittel um rund 2,5 Mio. Euro.

Wieso die Situation nun so virulent geworden sei? Da die Gemeinde nach 1945 das von den Nationalsozialisten zerstörte bzw. entzogene Gemeindevermögen nicht entschädigt erhalten habe und - anders als in Deutschland - die Strukturen aus Eigenem wieder aufbauen und erhalten musste, habe man dafür sukzessive Liegenschaften, die sich im Besitz der Gemeinde befanden, verkauft, so Hodik. Das rüttle aber a la longue "am Kern der materiellen Existenz". Daher sei man in den achtziger Jahren dazu übergegangen, die jährlichen Defizite durch Kredite abzudecken. Doch nun sei das Entgegenkommen der Banken erschöpft. Für 2004 wären von keiner Bank mehr neue Mittel zu bekommen, das habe sich dieses Frühjahr herauskristallisiert "und das war schon ein schwerer Schock".

Ein ausgeglichenes Budget 2004 bedeute, dass alle in den kommenden Tagen ausgesprochenen Kündigungen "mit 1. Jänner 2004 schlagend werden". Die genaue Zahl der vor der Kündigung stehenden Mitarbeiter wollte Hodik am Mittwoch noch nicht nennen, da die Betroffenen noch nicht informiert seien. Beim Arbeitsmarktservice (AMS) habe man aber "bis zu 35 Personen" angemeldet "und es werden nicht viel weniger sein", so der IKG-Generalsekretär. Kürzungen wird es aber nicht nur im Personalbereich, sondern auch etwa bei Subventionen für Vereine geben, oder bei den Stipendien, die es auch Kindern aus finanziell nicht so gut gestellten Familien derzeit ermöglichen, eine der jüdischen Schulen zu besuchen.

Der einzige Bereich, in dem es keine Einschnitte geben wird, ist der Sozialbereich. Das psychosoziale Zentrum Esra etwa wird weiter arbeiten wie bisher. In allen anderen Bereichen muss aber gespart werden: von der Administration über die Sicherheit bis hin zu den religiösen Leistungen. Was die Gottesdienste im Stadttempel anbelange, werde es zwar zu keiner zahlenmäßigen Verringerung kommen, stellte Hodik klar. Gespart würde hier beispielsweise im Bereich von Kantorenleistung und Chor.

Noch sei dieses Sparpaket rückgängig zu machen, so Hodik, da die Maßnahmen ja so ausgerichtet seien, dass sie eben mit Jahresbeginn 2004 greifen. Es gebe also noch "die Möglichkeit, das Steuer herumzureißen". Muzicant sei zwar auf Grund der bisherigen Verhandlungen und Gespräche "nicht sehr optimistisch". Er, Hodik, könne es sich aber nicht vorstellen. "dass die öffentliche Hand den Zerfall einer solchen Einrichtung zulässt". Und dass sich bis Ende des Jahres doch noch etwas bewege, "das ist der Hoffnungsfaden für die Mitarbeiter". "Das Arbeitsklima in der IKG derzeit ist jedenfalls ein sehr tristes", betonte der IKG-Generalsekretär. (APA)

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