Bush ruft Taylor zum Rücktritt auf

27. Juni 2003, 09:55
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Demonstranten in Monrovia fordern verzweifelt Eingreifen der USA: Kinderleichen vor Botschaft gelegt - Erneut rund 300 Tote

Monrovia - Bei den jüngsten Kämpfen in Liberia zwischen Regierungstruppen und Rebellen sind nach Regierungsangaben etwa 300 Zivilisten getötet worden. Gesundheitsminister Peter Coleman sagte am Donnerstag in dem von Staatspräsident Charles Taylor kontrollierten Rundfunksender Kiss, die Zahl beziehe sich auf die seit drei Tagen andauernden Kämpfe in und um die Hauptstadt Monrovia. Viele der Opfer seien durch Geschoss-Splitter und Raketen getötet worden.

Der Minister warnte vor einer humanitären Katastrophe in dem westafrikanischen Land. Die Krankenhäuser seien dem Ansturm der Verletzten nicht mehr gewachsen, und es gebe keine Medikamente. Wenn in den kommenden 24 bis 48 Stunden keine Hilfe von außerhalb käme, werde die Zahl der Toten sprunghaft ansteigen. Die Zahl der Verletzten wird auf 1000 geschätzt. In Monrovia kam es unterdessen zu Plünderungen.

Protest mit Kinder-Leichen vor US-Botschaft

Angesichts der blutigen Kämpfe in Liberia haben Demonstranten in Monrovia mit Nachdruck ein Eingreifen der USA gefordert. Die wütende Menge legte am Donnerstag vor der schwer bewachten US-Botschaft Leichen von Kindern nieder, die in einem amerikanischen Diplomatenviertel vergeblich Zuflucht gesucht hatten. Das von den USA evakuierte Gelände war am Mittwoch von drei Raketen getroffen worden, dabei kamen nach Augenzeugenberichten 18 Menschen ums Leben.

Bush fordert Rücktritt Taylors

US-Präsident George W. Bush hatte den liberianischen Präsidenten Charles Taylor am Donnerstag überraschend zum Rücktritt aufgerufen. In seiner Rede vor einer afrikanisch-amerikanischen Handelsgruppe äußerte Bush sich jedoch nicht zu Forderungen nach einer US-Intervention, die zuvor auch Großbritannien erhoben hatte. Der US-Präsident will im kommenden Monat nach Afrika reisen.

Rücktrittsforderung

Die Regierung und die beiden Rebellengruppen des Landes, Vereinigte Liberianer für Versöhnung und Demokratie (LURD) und die Bewegung für die Demokratie in Liberia (MODEL), hatten am 17. Juni in Ghana ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet. Es sieht die Bildung einer Übergangsregierung ohne Beteiligung Taylors vor. Der Staatschef, der als Chef einer Rebellenbewegung einst selbst die Regierung bekämpft hatte, kündigte anschließend aber an, bis zum Ende seiner Amtszeit im Jänner auf seinem Posten bleiben zu wollen. Daraufhin flammten die Kämpfe wieder auf. Ziel der Rebellen ist der Sturz von Präsident Taylor, der 1989 Liberia mit einem Putsch gegen den damaligen Präsidenten Samuel Doe in den Bürgerkrieg stürzte. (APA/AP)

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    Liberia: Die Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen eskalieren. London fordert eine internationalen Militäreinsatz unter US-Führung.

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    US-Präsident Bush hat den liberianischen Präsidenten Charles Taylor zum Rücktritt aufgefordert, äußerte sich jedoch nicht zur Forderung nach einer US-Intervention.

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