Lobbyarbeit nach Wiener Kutscherart

24. Juni 2003, 20:35
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Ein Telefonprotokoll - ungekürzt

Wien - Ort: Chronikredaktion des STANDARD. Zeit: Montag, 23. Juni 2003, gegen 13 Uhr. Das Telefon läutet.

Fiaker (männlich, schwerer Dialekt, zur Verständlichkeit ins Deutsche transkribiert, Anm.) Habe die Ehre. Ich bin einer der Fiaker vom Stephansplatz. Einer der Kollegen legt seinen Pferden seit drei Tagen zur Probe Poohbags an. Die Ross' schwitzen und sind wund. Schicken Sie einen Fotografen. Das ist Quälerei.

STANDARD: Aber dafür werden die Menschen dann nicht mehr mit dem Geruch und dem Dreck belästigt.

Fiaker: Hat Ihnen wer ins Hirn geschissen?

STANDARD: Nein, der Geruch von Pferdeäpfeln in den Gassen reicht. Aber theoretisch müssen Sie doch auch jetzt schon die Rossäpfel einsammeln, oder?

Fiaker: Das interessiert keine Sau. Diese Verordnung kann sich der Häupl (Bürgermeister von Wien, Anm.), der rote Judas, in den Arsch stecken und ganz weit raufschieben.

STANDARD: Na, da wird er sich aber freuen.

Fiaker: Und Sie sind ja auch so ein rotes Scheißblatt. Ich hätte mir gleich denken können, dass wir bei Ihnen an der falschen Adresse sind. Aber vielleicht schau ich einmal so bei Ihnen vorbei. Wir wissen ja, wo sie sind.

STANDARD: Soll das eine Drohung sein?

Fiaker: Sie haben mich schon verstanden, Sie Arschloch.

(legt auf)

(Thomas Rottenberg/DER STANDARD, Printausgabe, 25.6.2003)

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