Wiens Spitäler auf Diät gesetzt

24. Juni 2003, 19:49
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Aufwand für die Gesundheit wird höher, Rücklagen wurden aufgelöst. Die Opposition sieht 2004/05 ein Finanzdebakel drohen

Wien - Ob dem Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) in ein, zwei Jahren ein Finanzdebakel droht, ist auch eine Frage der Perspektive. Und zwar jener, mit der der erste Jahresabschlussbericht, den der KAV seit seiner Ausgliederung per Jänner 2001 erstellen musste, gelesen wird.

Johannes Hahn (VP-Gesundheitssprecher) glaubt, dass bis 2004/05 alle Finanzrücklagen aufgebraucht sind, damit jeweilige Jahresverluste (2001: 101 Mio. Euro) abgedeckt werden können. FP-Pendant Karin Landauer sieht ganz schwarz: "Der KAV ist 2004 konkursreif."

Ausblick auf 2003 wenig rosig

So dramatisch kann die Finanzlage nicht werden, denn schließlich steht die Stadt Wien samt Steuergeld hinter den 15 Spitälern und zehn Pflegeheimen - vertraglich abgesichert zunächst bis 2005 durch Jahreszuschüsse. Im KAV werden 2,2 Mrd. Euro pro Jahr verwaltet. Allerdings geht aus dem - dem STANDARD vorliegenden - Prüfbericht des Verbunds an den Gemeinderat hervor, dass der Ausblick auf 2003 wenig rosig gesehen wird. Es sei ein "Rücklagenverbrauch zur Ausfinanzierung des KAV erforderlich. Ohne Setzung von Maßnahmen, ist (...) mit den gegebenen Zuschüssen keine Ausgabendeckung möglich."

Stichwort Rationalisierung

Zur finanziellen Situation erklärt KAV-Generaldirektor Eugen Hauke, "ich habe keine Sorge, dass wir Pleite gehen, aber ausruhen können wir uns nicht". "Rationalisierung" ist sein Stichwort dazu. Auch Finanzchef Erich Seyer spricht davon, dass Angebote der Gesundheitsversorgung weiter konzentriert werden müssten, um Kosten zu sparen. Auch aus Verkäufen (wie jener der Kinderklinik Glanzing) sei Geld zu lukrieren.

Hauke und Seyer bestätigen, dass Rücklagen in Höhe von 46 Mio. Euro aufgelöst wurden. Direktor Hauke erklärt 40 Millionen davon mit vorgezogen getätigten Investitionen, um - nach politischem Auftrag der SP-Regierung - "wirtschaftsbelebend" zu wirken. Finanzer Seyer erklärt die Zahl mit notwendigen finanztechnischen Rechnungen, die die Umstellung vom bisherigen Kameralistik-System auf die neu eingeführte Gewinn-Verlust-Rechnung notwendig gemacht hätten. Es bestünden weiterhin Rücklagen von 335 Millionen Euro, aber: "Zugegeben, von denen können wir nicht ewig zehren."

Spezialfall AKH

Einer der großen Brocken der Spitalsfinanzierung steht am Alsergrund. Einmal mehr soll zwischen Bund und Stadt der Streit um den klinischen Mehraufwand geschlichtet werden. Ein Gutachter rechnet bis Jahresende daran. (aw/DER STANDARD, Printausgabe, 25.6.2003)

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