Die Reise, die Ernesto Guevara zum Che machte

24. Juni 2003, 19:26
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Rechtzeitig zum 75. Geburtstag von Che Guevara ist dieses Buch herausgekommen. Die Autorin hat keine herkömmliche Biografie geschrieben, sie ist vielmehr seinen Spuren durch Lateinamerika gefolgt: Der damals 23-jährige Medizinstudent Ernesto Guevara de la Serna, der später zum "Che" wurde, ist mit seinem Freund Alberto Granado am 29. Dezember 1951 zu einer Reise aufgebrochen, die sie durch Argentinien, Chile, Peru, Kolumbien und Venezuela führte. Er schrieb später über diese Reise: "Dieses ziellose Streifen durch unser riesiges Amerika hat mich stärker verändert, als ich glaubte."

Die Autorin hat mit Weggefährten wie dem Jugendfreund Carlos gesprochen. Er beschreibt den Einfluss von dessen Mutter Celia, auf die Carlos auch die ausgeprägte soziale Sensibilität des Revolutionärs zurückführt. Bruder Roberto berichtet, dass sein Bruder vor Beginn der Reise vorgehabt habe, sich in Venezuela als Arzt niederzulassen. Der Beschluss, sein Leben dem Kampf zu widmen, sei "sicher ein Ergebnis seiner Reisen".

Die Autorin, 1972 in Frankfurt geboren, beschreibt, was sich entlang der historischen Route im Laufe eines halben Jahrhunderts verändert hat. Sie schildert die Demonstrationen der Mittelklasse in Argentinien, die Ausbeutung der Arbeiter in chilenischen Bergwerken, die Armut abseits der Touristenströme im peruanischen Cuzco, die Angst der Menschen vor Anschlägen in Kolumbien und den Verteidigungskampf von Präsident Hugo Chávez in Venezuela.

So ist ein lesenswertes Panoptikum eines Kontinents entstanden, der an die Peripherie der Wahrnehmung im Westen gerückten ist. Das Fazit der Autorin: Viel hat sich seit Ches Reise vor fünfzig Jahren nicht geändert. (Alexandra Föderl-Schmid/DER STANDARD, Printausgabe, 25.6.2003)

Karin Ceballos Betancur:
Auf Che Guevaras Spuren
Lateinamerikanische Reisenotizen
Picus Verlag 2003
191 Seiten, 14,90 Euro
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