Nur nicht zu viele Kleine

24. Juni 2003, 18:28
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Beim BA-CA-Börsegang haben die beteiligten Investmentbanken ihr Geschäft und ihre Margen gemacht - Kommentar von Karin Bauer

Die sonst so stille Wiener Börse geriet jetzt mit Europas größtem Börsengang (IPO) des Jahres in die Schlagzeilen. Und das in einem internationalen Umfeld, in dem Unternehmen seit zwei Jahren keine Börsengänge wagen, Investmentbanken ihre Mitarbeiter feuern und sich Institutionelle wie Privatanleger im Kummer um ihre Kursverluste verkriechen. Die Emission der Bank Austria Creditanstalt, besser: ihr Homecoming, ist also ein wirkliches Event, oder?

Merkwürdig, dass dieses IPO im Volumen einer Milliarde Euro so still, so begeisterungslos und ohne werbliches Feuerwerk für die in Österreich ja immer so flehend herbeigerufenen Privatanleger abläuft. Noch dazu, wo Tausende Privatanleger in Österreich gerade mit dem Tausch ihrer alten BA-Aktien in HypoVereins-Papiere einen Crash um 85 Prozent erlebt haben und nichts wichtiger wäre, als eine kleine Geste der Versöhnung an diejenigen zu senden, die im besten Vertrauen auf ihre Bank Millionen verloren haben. Ein solches übliches Signal könnte ein kleiner Abschlag oder ein Treuebonus à la Telekom Austria sein. Bei IPO-Kosten von zusammen rund acht Prozent vom Erlös ist das nur ein Fall für die Portokasse. Noch dazu, wo potenzielle Aktionäre ja vermutlich Bankkunden des Institutes sind.

Merkwürdig, dass die Chefs der HypoVereinsbank nicht einmal versuchen, die Emission ihrer Tochter zu einem Sympathieträger in der heimischen Aktionärslandschaft zu machen.

Daraus lässt sich nur schließen: Der Verkauf bei den Institutionellen ist bis jetzt passabel gelaufen, Fondsmanager sind bereit, die Aktie um 27, 28 Euro in einen ihrer Osteuropafonds zu stecken, die beteiligten Investmentbanken haben ihr Geschäft und ihre Margen gemacht. Allzu viele störende Privataktionäre dürften dabei gar nicht benötigt werden. (DER STANDARD Printausgabe, 25.6.2003)

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