Das Netz als neue Bühne der Politiker

25. Juni 2003, 10:37
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Nicht nur Karl-Heinz Grasser schätzt das Internet zur Selbstdarstellung

Wien - "Nur der ebenso medienbewusste Karl-Heinz Grasser kann auf einen ähnlich professionellen Internetauftritt verweisen", schwärmte das Magazin Format, als es die Homepage von Innenminister Ernst Strasser Ende 2002 zur "Homepage der Woche" kürte. Die Elektronik-Illustrierte e-Media setzte noch eins drauf: Strassers Homepage zähle "zum Besten, was das Austro-Internet zu bieten hat". Dass Strasser eine "Website der Luxusklasse" (Salzburger Nachrichten) unterhält, hänge mit dem letzten Wahlkampf zusammen, heißt es in der Volkspartei.

Strasser-Fans können hier im optisch üppig aufbereiteten Leben des Ministers surfen. Sie gelangen zu Ehrerbietungen von Promis - von Industriellenpräsident Peter Mitterbauer bis Hans Mahr - und erfahren dort, warum der Innenminister ein derart guter Mensch ist. Albert Fortell: "Der Vergleich macht mich sicher."

Strasser weiß zwar nicht genau, was die Homepage gekostet hat, meint aber: "Eine Bagatelle von den bei anderen genannten Beträgen." Finanziert habe die Homepage die niederösterreichische ÖVP während des Landtagswahlkampfes. Strasser im Gespräch mit dem STANDARD: "Ich war auch Spitzenkandidat. Dafür habe ich auf alle anderen Werbemittel verzichtet." Die Homepage sei jedenfalls so eingerichtet, dass er selbst und seine Sekretärin den Internetauftritt des Ministers jetzt alleine betreuen können.

Strasser und Grasser sind nicht die Einzigen, die auf gehobene Selbstdarstellung im Netz Wert legen. Auch Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll verfügte über ein ansprechendes und aufwändiges Bilderwerk. Zumindest während des Wahlkampfes. Nun springt www.proell.at sofort auf die offizielle, von der Partei bezahlte Homepage der niederösterreichischen ÖVP um.

Prölls steirische Amtskollegin Waltraud Klasnic hat sich eine eigene, in steirischem Grün gehaltene, sehr moderne Homepage bauen lassen. Sie erinnert an den offiziellen Internetauftritt des Landes Steiermark. Die aufwändige "Klasnic.at"-Seite werde von der ÖVP bezahlt und gestaltet, heißt es in der Parteizentrale.

Unspektakulär betritt der Wiener SPÖ-Bürgermeister den Bildschirm. Häupl wird gleich verbunden mit der Wiener SPÖ, wo sich auch andere Funktionäre vorstellen. Optisch sehr bescheiden. Sehr korrekt mit Impressum ausgeschildert ist schließlich der Netzauftritt von SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer. Rot, ein paar Infos ("Was mich beschäftigt"): eine nicht aufregende offizielle SPÖ-Site zur SPÖ.

Jedoch - der Politiker mit der höchsten Perfektion in Sachen Selbstdarstellung verzichtet auf die Internetbühne. Wer "Haider" eingibt, trifft auf den anderen, öffentlich bekannten Darsteller: Alfons. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.6.2003)

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