Neue Gerüchte um "Bilanz-Kunststücke"

24. Juni 2003, 16:23
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Nur eine millionenschwere "Rücklagenbewegung" soll die Bank Austria 2001 vor roten Zahlen bewahrt haben - BA-CA: "Falsche Mutmaßungen"

Wien - Neuerliches mediales Störfeuer vor dem unmittelbar bevorstehenden Börsengang der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA): Laut einem Bericht des deutschen Anlegermagazins "DMEuro" hat die Wiener Großbank im Geschäftsjahr 2001 nur durch 676 Mio. Euro "Rücklagenbewegung" bei einer Tochter einen Jahresverlust vermieden. Ohne dieses "Bilanz-Kunststück" hätte die BA-CA rein rechnerisch mit roten Zahlen abgeschlossen. In seiner Online-Ausgabe schreibt das Magazin vorab, es gebe vermutlich weiterhin Bilanzrisiken. BA-CA-Sprecher Martin Hehemann zu den Vorwürfen: "Die Mutmaßungen sind falsch."

"Spezialbank"

Wie "DMEuro" vorab berichtet, habe die Auflösung von Rücklagen bei der BA-CA-Tochter Bank Austria Creditanstalt Treuhand GmbH, einer "Spezialbank für Publikumsbeteiligungen", 2001 zu einem a.o. Gewinn von 676 Mio. Euro geführt. In der am Donnerstag erscheinenden Print-Ausgabe ist gar von einem Gewinn dieser Tochter von 718 Mio. Euro die Rede, die 2001 durch Rücklagenbewegungen abgeführt worden seien.

Die Gewinnzubuchung bei der BA-CA sei weder im Konzern- noch im AG-Abschluss erwähnt und erläutert worden. Bei Abzug dieses a.o. Buchgewinns hätte die BA-CA statt mit einem Jahresüberschuss von 384,8 Mio. Euro mit einem Fehlbetrag von über 100 Mio. Euro abgeschlossen, so das Magazin.

Nicht ausgewiesen

Und weiter: Der hohe Gewinn der BA-CA-Tochter sei in den beim Wiener Handelsgericht einsehbaren Abschlüssen nicht ausgewiesen worden. "DMEuro" zitiert den Geschäftsführer der Bank Austria Creditanstalt Treuhand, Alois Steiner, damit, er könne zum Sachverhalt nichts sagen, weil die "Bilanzen nicht archiviert werden".

Gegenüber der APA hielt BA-CA-Sprecher Hehemann dem Bericht entgegen, die Bank Austria Creditanstalt Treuhand werde als Tochtergesellschaft voll konsolidiert. "Der Sachverhalt selbst ist leicht zu erklären: Der in der Einzelbilanz aus der Rücklagenauflösung erzielte Gewinn ist in der Bilanz des Konzerns und der AG ergebnisneutral." Hehemann: "Die vermeintliche Gewinnzubuchung hat somit nicht stattgefunden."

Wie berichtet, hatte "DMEuro" - das Magazin gehört zur deutschen Handelsblatt-Verlagsgruppe - vor rund einem Monat die Stiftungslösungen der BA-CA ins Visier genommen und dabei über "fragwürdige Bilanztricks", mit denen die Bank ihre Gewinne in den vergangenen drei Jahren aufgebläht haben soll, spekuliert. Die BA-CA hatte diese Vorwürfe als haltlos zurück gewiesen und ihr Stiftungsmodell als "rechtlich einwandfrei" verteidigt. (APA)

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    montage: derstandard.at
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