Leon Uris 78-jährig gestorben

27. Juni 2003, 11:26
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Der US-Autor wurde mit "Exodus", dem Epos über die Geburt des Israels, weltberühmt

New York - Der amerikanische Schriftsteller Leon Uris ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Wie seine Exfrau Jill Uris am Dienstag mitteilte, starb Uris bereits am Samstag in seinem Haus auf Shelter Island, New York. Der am 3. August 1924 in Baltimore (Maryland) als Sohn eines polnischen Einwanderers geborene Autor wurde 1958 mit seinem Roman "Exodus" weltberühmt, einem Epos über die Geburt des Staates Israel. Zu Uris' größten Werken zählen außerdem "Mila 18" über den Aufstand im Warschauer Ghetto, der Geheimdienst-Thriller "Topas", den Alfred Hitchcock verfilmte, die Irland-Saga "Trinity" sowie "Haddsch", ein Roman über die Geschichte Palästinas.

Kritik

Die Leser haben Leon Uris bei vielen seiner Bücher zu Millionen-Auflagen verholfen, aber die Literatur-Kritiker und die Historiker haben ihn ständig bemäkelt: Seine Methode, erfundene Figuren in konkrete politische Situationen und Ereignisse hineinzubauen, stieß in beiden Bereichen der Fachwelt immer wieder auf Kritik. Der Erfolgs-Autor hat diese Kritik stets mit ironischen Bemerkungen abgeschüttelt: "Ich gehe eben auf die falschen Cocktail Partys". Er unterstrich im Vorwort seiner Bücher auch, dass "mit Ausnahme der erwähnten geschichtlichen Gestalten ... sämtliche Figuren dieses Romans Geschöpfe der Phantasie des Autors" seien.

Jedenfalls las sich das, was er ohne fachliche Vorbildung schrieb, spannend und wirkte weitgehend authentisch auf Leser, die auch keine fachliche Vorbildung hatten. "Exodus" (1957) ist sein bis heute berühmtestes Buch: Die Geschichte des Haganah-Schiffs "President Warfield", das 1947 mit 4.300 jüdischen Flüchtlingen an Bord das Gelobte Land zu erreichen versuchte und auf Anordnung der britischen Mandatsmacht nach Deutschland zurückkehren musste. Mit Paul Newman in der Hauptrolle wurde das Buch von Otto Preminger verfilmt. Bei "Mila 18" (1961) bemühten sich besonders in Deutschland viele Kritiker, denen das Buch eigentlich zu anti-deutsch war, um den Nachweis historischer Fehler. Ebenso ging es seinen anderen Romanen mit Nazi-Hintergrund: "Armageddon" (1964) und "QB VII - Ein Prozeß erregt die Welt" von 1970.

Das Sachbuch "Ireland: A Terrible Beauty", das er 1975 mit Fotos seiner Frau Jill veröffentlichte, ist auch nach dem Urteil anderer Autoren von Irland-Büchern das beste überhaupt. Im Jahr darauf eroberte "Trinity" die Spitze der Bestseller-Listen, ein Epos über drei irische Familien, das ein halbes Jahrhundert umfasst bis zum irischen Oster-Aufstand von 1916, der von den Briten blutig niedergeschlagen wurde. In "The Hadj" (1984) zeichnete er ein Panoramabild der Araber in Palästina vom Ersten Weltkrieg bis zum Suez-Krieg 1956, und in "Mitla Pass" (1988) ging es um die persönlich geprägte Geschichte eines US-Schriftstellers, der in einer schweren Krise in Israel sich selbst und die Ursprünge seines Volkes finden will.(APA)

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