Patrice Fuchs ist ein Jahr lang Chefin der rot-grünen Koalition im Studentenparlament

24. Juni 2003, 15:08
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Multikreative Jungfilmerin als ÖH-Chefin

Sie war wohl eine der jüngsten Teilnehmerinnen, die je auf der legendären Ledercouch im "Club 2" Platz genommen haben: Patrice Fuchs, die junge Frau mit dem "französischen Männernamen", wie sie schmunzelnd sagt, war mit 13 Jahren als Mitglied einer Theatergruppe Gast zum Thema "Kleine Erwachsene".

16 Jahre später wird die 29-jährige Spitzenkandidatin des Verbands Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) heute zur neuen Vorsitzenden der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) gewählt. Bevor Patrice Fuchs aber an der Uni - besser: an den Unis - landete (sie studiert Psychologie an der Uni Wien und Fotografie an der Akademie der bildenden Künste), durchschritt sie ein buntes Lebensspektrum.

Geboren 1973 im schwedischen Göteborg, zog Fuchs im Alter von sechs Jahren mit ihrer Familie nach Wien. Zunächst nur des Schwedischen mächtig. Kindergarten, Volksschule, Abbruch des Gymnasiums in der 7. Klasse. "Dann werde ich halt selbstständig, habe ich mir gedacht, bin ausgezogen und habe gejobbt - als Fahrradbotin und Kellnerin."

Ihre wahre Leidenschaft blühte neben dem Gelderwerb auf. Sie schnappte sich die Super-8-Kamera ihrer Eltern und drehte ohne viel Vorkenntnisse den "bewusst falsch geschriebenen" Film "Not coming home". In New York gefilmt, in Laibach bei einem Festival vorgeführt. Inhalt: "Wie es ist zu reisen - sehr weit weg, und doch sich selbst immer mit sich führend." Ihr Grundmotiv: "Ich will Gefühle propagieren." Das filmische Oeuvre der Jungregisseurin umfasst bis jetzt fünf Filme.

Daneben hat sie Kunstfestivals und ein Programmkino organisiert, ein Theaterstück geschrieben und es an Burgtheaterdirektor Claus Peymann geschickt, der es in einem Brief sogar zur Aufführung empfohlen hat. Mit 20 schrieb die Frau mit dem Kinderberufswunsch "Schriftstellerin" ein 100-Seiten-Buch. Titel des Erstlingswerks: "Das gerissene Mädchen".

Neben der kreativen Arbeit knüpfte sie früh Kontakte zur Sozialistischen Jugend und zur Gewerkschaft. 1997 machte sie die Studienberechtigungsprüfung, "weil ich etwas Strukturiertes auf den Punkt genau lernen wollte". Psychologie sollte es sein: "Ich mag politisch engagierte Psychologen." Erwin Ringel, Victor Adler - und Bruno Bettelheim, der mit ihr im "Club 2" saß. Trotz Desillusionierung ("zu naturwissenschaftlich, bürokratisch, zu wenig Tiefenpsychologie") will sie bald abschließen und Psychotherapeutin werden - "aber nicht vor 40". Vorher will die Mutter des vierjährigen Lenard Lars, die sich als ÖH-Sozialsprecherin für Studierende mit Kind engagiert hat, als Fotografin arbeiten. Als ÖH-Chefin will sie dafür kämpfen, dass "Bildung für alle erschwinglich und nicht nur dem Bildungsbürgertum vorbehalten ist". (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.6.2003)

Von Lisa Nimmervoll
  • Patrice Fuchs

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