Vergesslichkeit ist nicht normal

24. Juni 2003, 14:26
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Alzheimer-Ärzte warnen vor Unterschätzung der Krankheit - nur zehn Prozent der österreichischen Betroffenen in Behandlung

Linz - "Vergesslichkeit im Alter ist nicht normal" - diese Warnung richteten Neurologen und Psychiater am Dienstag bei einer Pressekonferenz der OÖ. Ärztekammer an die Bevölkerung. In zwei Drittel jener Fälle, wo jemand "vergesslich" wird, liegt eine Alzheimer-Erkrankung vor. Sie werde aber in vielen Fällen nicht oder zu spät erkannt, so die Fachärzte bei der Pressekonferenz.

Zahl alarmierend

Universitätsprofessor Gerhard Ransmayr von der Alzheimer-Gesellschaft nannte eine alarmierende Zahl. Es dürfte derzeit in Österreich rund 90.000 Alzheimer-Patienten geben, aber nur zehn Prozent von ihnen erhalten eine entsprechende spezifische Behandlung.

Zwar sei die Alzheimer-Demenz nach wie vor nicht heilbar, es gebe aber immer bessere Medikamente, die den Verlauf der Erkrankung hinauszögern und die Hirnleistung länger erhalten. Dazu sei aber die Früherkennung erforderlich, womit man wieder beim Problem sei, dass "Vergesslichkeit" häufig als "normal" angesehen und keine ärztliche Abklärung vorgenommen werde.

Scham spielt mit

Die Linzer Neurologin und Alzheimer-Spezialistin Claudia Zachhuber meint, dass "die Alzheimer-Diagnose im Schnitt um vier Jahre zu spät gestellt" werde. Vor allem, weil die Angehörigen wegen der "Vergesslichkeit" und anderer Symptome keinen Arzt konsultieren. "Häufig spielt auch eine gewisse Scham mit", berichtete Ransmayr.

Symptome

Die Symptome, die auf eine beginnende Alzheimer-Erkrankung hinweisen, können vielfältig sein. Neben der erwähnten "Vergesslichkeit" sind es "Fehler" bei alltäglichen Tätigkeiten, Veränderungen im Umgang mit Geld oder "Geschäften".

Die Ärzte berichteten beispielsweise von einer 75-jährigen Patientin, die - wie sich herausstellte - 15 verschiedene Lebensversicherungen abgeschlossen hatte. Hinweise auf Alzheimer können aber auch Verhaltensauffälligkeiten sein, etwa Angst, Wut, Aggression, Depression oder auch Wahnvorstellungen. Ebenso Probleme beim Sprechen, vor allem bei der Wortfindung.

Anhaltspunkte ab sechzig

Der Linzer Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Thomas Kreczi, verwies darauf, dass Alzheimer zwar als "Alterserkrankung" gelte, dass aber erste Symptome durchaus schon ab dem 60. Lebensjahr auftreten können.

Die Fachgruppe der Psychiater und Neurologen in der OÖ. Ärztekammer wird gemeinsam mit der Alzheimergesellschaft im September eine landesweise Schwerpunktaktion zur Aufklärung über diese Demenzerkrankung starten. Unter anderem werden auch in den Ordinationen der niedergelassenen Ärzte einfache erste "Tests" aufgelegt, mit denen jeder Patient selbst feststellen kann, ob bei ihm oder einem seiner Angehörigen ein Alzheimer-Verdacht bestehen könnte. (APA)

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