Human Rights Watch sieht Pressefreiheit in Afghanistan bedroht

24. Juni 2003, 14:08
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Karzai soll Festnahme von Journalisten wegen Beleidigung des Islam genehmigt haben

Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch die Festnahme von zwei Journalisten in Kabul genehmigt. Der Vorfall aus der vergangenen Woche zeige, wie bedroht die Pressefreiheit in Afghanistan sei, erklärte die Organisation am Dienstag in einer Stellungnahme. Die Zeitungsredakteure müssen sich wegen Beleidigung des Islams vor dem Obersten Gerichtshof des Landes verantworten. Ein Termin für den Prozess steht noch nicht fest.

"Journalisten sind nicht geschützt"

"Präsident Karzai hat einen wichtigen Test der Meinungsfreiheit nicht bestanden", erklärte Human Rights Watch. Er lasse zu, dass die Journalisten aus politischen Motiven weiter festgehalten würden. "Die Botschaft der Regierung an die Journalisten ist klar: Sie sind nicht geschützt", sagte der Afghanistan-Experte der Organisation, John Sifton. In Afghanistan könnten Regierungsmitglieder oder einflussreiche Geistliche die Festnahme von Journalisten anordnen, ohne vom Präsidenten daran gehindert zu werden.

"Heiliger Faschismus"

Der Chefredakteur der Wochenzeitung "Aftab", Saed Madaui, und sein Stellvertreter Ali Risa Pajam waren am vergangenen Dienstag festgenommen worden. Die beiden Journalisten werden beschuldigt, mit einem Artikel vom 11. Juni gegen ein Pressegesetz verstoßen zu haben, das Veröffentlichungen verbietet, die den Islam beleidigen. In dem umstrittenen Text kritisierten die beiden Redakteure afghanische Politiker. Unter dem Titel "Heiliger Faschismus" warfen sie mehreren Führern der Nordallianz vor, vom rechten Weg der Religion abzuweichen. Sie bauten sich Residenzen und Paläste mit "blutigen Händen".

Die Büros der "Aftab" wurden in der vergangenen Woche geschlossen, Agenten des Geheimdienstes "belästigten und bedrohten" die Teilnehmer einer Redaktionskonferenz, wie Human Rights Watch erklärte. Die Büros im Westen von Kabul sind inzwischen wieder geöffnet, allerdings darf die Zeitung immer noch nicht erscheinen. (APA/AP)

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