300 Kunstwerke verschwunden

24. Juni 2003, 14:03
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Unordnung im Salzburger Magistrat - Sammlung "versickert"

Salzburg - Das städtische Kontrollamt hat arge Mängel bei der Katalogisierung der Kunstwerke der Stadt Salzburg aufgedeckt, geht aus Salzburger Medienberichten hervor. Der Leiter des städtischen Kulturamtes, Alois Haslinger, bestätigte am Dienstag das Verschwinden von rund 300 Kunstwerken und räumt Versäumnisse ein. "Ich hätte mehr kontrollieren müssen. Ich wasche meine Hände jetzt nicht in Unschuld, obwohl die Probleme zum Teil Jahrzehnte alt sind." Haslinger hält den Schaden allerdings für relativ gering, auch wenn viele der rund 300 vermissten Kunstwerke "wahrscheinlich nicht mehr auftauchen werden".

10% Schwund

Nach dem spektakulären Diebstahl der Saliera aus dem Kunsthistorischen Museum am 11. Mai hat sich das Kontrollamt daran gemacht, die Sicherheit der stadteigenen Kunstwerke zu überprüfen. Das Fazit der Prüfer fiel alarmierend aus: Zehn Prozent der insgesamt 3.084 von der Stadt seit 1953 gekauften Kunstwerke sind einfach verschwunden, die Katalogisierung ist extrem lückenhaft und widersprüchlich, kein Mensch weiß, wann welche Bilder von wem ausgeliehen worden sind, und wo sich diese jetzt befinden.

Wertlos?

Kulturamtsleiter Haslinger sagte, in den 70er Jahren sei begonnen worden, die Kunstwerke zu inventarisieren. "Seit zwei Jahren arbeiten wir an einer digitalen Archivierung, aber wir haben erst ungefähr zehn Prozent der Bestände digitalisiert. Wir bräuchten zwei Arbeitskräfte zusätzlich, dann könnten wir in einem Jahr alles erledigt haben", erläutert der Kulturamtsleiter. Anzeigen gegen Unbekannt hält Haslinger für wenig sinnvoll: "Man sollte nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Abgesehen von wenigen Ausnahmen - wie etwa dem Ölbild von Wilhelm Kaufmann - haben die verschwundenen Bilder vermutlich keinen sehr großen Wert."

Haslinger will jetzt - nach dem wie er sagt "heilsamen Schock" des Prüfberichtes - alle Ämter durchforsten, die verliehenen Bilder zurückholen und die interessantesten zu einer eigenen Sammlung der Stadt zusammenfassen und präsentieren. Laut Kronenzeitung sind die Bilder unter anderem über die Mensa, die Polizei, den ORF, diverse Heime oder die Universität verstreut. Für "nicht optimal" hält Haslinger zudem das Lager im Kulturamt am Mozartplatz. Es könne aber keine Rede davon sein, dass die Bilder in unserem Lager kaputt gingen, so der Kulturamtsleiter. (APA)

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