EU-Vergleich: Österreich mit durchschnittlicher Pensionshöhe

24. Juni 2003, 12:34
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Allerdings gravierende Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Brüssel - Die Höhe der Pensionen in Österreich ist im EU-Vergleich durchschnittlich. Zwar ist die Ausgabensumme als Anteil am BIP nirgendwo sonst so hoch, bei der Pensionshöhe im Vergleich zum Erwerbseinkommen - der so genannten Nettoersatzrate - liegt Österreich allerdings nur auf Rang sieben, geht aus einem im März veröffentlichten mehr als 200 starken Papier der EU-Kommission hervor.

Nach der Studie erhält einE durchschnittlicheR PensionistIn in Österreich knapp 84 Prozent dessen, was einE aktiv im Berufsleben stehendeR ÖsterreicherIn verdient. Zwischen Männern und Frauen gibt es allerdings gravierende Unterschiede. Während Männer als Pension knapp 90 Prozent eines durchschnittlichen Einkommens erhalten, liegt die Quote bei Frauen nur bei 81 Prozent. Die niedrigsten Pensionen verglichen mit dem Erwerbseinkommen zahlt laut Studie Griechenland mit 74 Prozent des Gehalts, die höchste Luxemburg mit 99 Prozent.

Wenig Änderung

Die vorgelegten Daten stammen zwar von 1998, sind aber laut EU-Kommission und dem österreichischen Hauptverband der Sozialversicherungsträger die aktuellsten Daten für einen Europavergleich. An dem Verhältnis habe sich seither jedenfalls nicht viel geändert, so beide Einrichtungen.

In dem Durchschnittswert versteckt ist die unterschiedliche Pensionshöhe der einzelnen Berufsgruppen. So erhalten BeamtInnen in Österreich auf Grund der Berechnung nach dem Letztgehalt fast 100 Prozent ihres durchschnittlichen Aktivbezugs auch in der Pension. Die mittlere Beamtenpension liegt bei 2.525 Euro. Bei ArbeiterInnen und Angestellten liegt die Nettoersatzrate laut Hauptverband hingegen lediglich bei 75,7 Prozent, die durchschnittliche ASVG-Pension beträgt 984,55 Euro.

Stark unterschiedlich sind auch Zuschüsse des Bundes. Während ein Bauer/eine Bäurin rund 75 Prozent seiner/ihrer Pension vom Bund erhält, sind es bei BeamtInnen 57 Prozent und bei ASVG-PensionistInnen nur 21,5 Prozent. Insgesamt lag der österreichische Bundeszuschuss laut EU-Kommission im Schnitt bei 23 Prozent, umgekehrt der Beitragssatz von ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen bei 22,8 Prozent. Unter den gegenwärtigen Bedingungen, meint die EU-Kommission, würde der Beitragssatz bis 2050 auf 38 Prozent ansteigen.

Die Ausgaben des Bundes würden sich nach der Prognose bis 2050 von rund 14,5 (EU-Schnitt: 10,4) Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 17 Prozent erhöhen und damit nach wie vor weit über dem EU-Mittel von dann 13,3 Prozent liegen.

Andere Säulen

Den Grund für die hohen Staatsausgaben sieht die EU-Kommission vor allem in der "Dominanz" der staatlichen Pension. Betriebliche und private Vorsorge müssten daher künftig stärker ausgebaut werden, rät Brüssel.

Beides ist in Österreich verglichen mit anderen Ländern laut Studie noch stark unterentwickelt. Derzeit ist in Österreich ein Kapitalvolumen von 12 Prozent des BIP in der betrieblichen Vorsorge hinterlegt. Der EU-Schnitt liegt hingegen bei 29,2 Prozent. Spitzenreiter sind die Niederlande mit 111 Prozent des BIP in betrieblichen Vorsorgekassen und Großbritannien mit knapp 81 Prozent. Weniger als 10 Prozent der ÖsterreicherInnen beziehen eine private Pension. In Großbritannien hingegen haben 71 Prozent private Vorsorge getroffen und in den Niederlanden beziehen 83 Prozent eine Zusatzrente. (APA)

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