Offene Fernsehkanäle: Diskussion über Finanzierung

24. Juni 2003, 10:53
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Arbeitskreis Offene Kanäle Österreich lud zu Rundem Tisch

Fernseh-Projekte mit Bürgerbeteiligung, so genannte "Offene Kanäle", gibt es bereits in vielen Ländern. Auch in Wien wird derzeit - wenn auch nicht ohne Reibereien - an einem Konzept gebastelt. Was wie so oft fehlt, ist die Finanzierung: Diese stand im Mittelpunkt einer vom Arbeitskreis Offene Kanäle veranstalteten Podiumsdiskussion mit Vertretern der vier Parlamentsparteien und Medienexperten. Der Vertreter des Arbeitskreises, Johannes Schütz, betonte die wichtige Rolle für die Vermittlung von Medienkompetenz von offenen Kanälen.

Kulturschilling als Finanzierungsmöglichkeit

ÖVP-Abgeordneter Ferry Maier sah den Ball bei den Ländern und Kommunen. Er schlug vor, den so genannten Kulturschilling, der mit der ORF-Gebühr eingehoben und von den Ländern verwaltet werde, für die Finanzierung vorzusehen. Die gesetzlichen Grundlagen seien geschaffen worden, betonte Maier: "Das Kabelfernsehgesetz 2001 sieht die Möglichkeit des offenen Kanals vor." Hinsichtlich einer terrestrischen Frequenz verwies er auf die Einführung des digitalen Rundfunks: "Wenn die Digitalisierung kommt, ist das die offene Chance für offene Kanäle."

Auch SP-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos sah Finanzierungsmöglichkeiten über einen Teil der mit der ORF-Gebühr eingehobenen Mittel. "Zwei Prozent für offene Kanäle sind für uns denkbar." Die öffentliche Hand müsse jedenfalls bereit sein, den Bestand von solchen Projekten zu gewährleisten. Die Verfügbarkeit von solchen Medienprojekten sei zudem ein wichtiger Impuls für Minderheiten, sagte Darabos, der selbst burgenländischer Kroate ist. Diesen sei es "nur dann möglich, den Bestand zu sichern, wenn sie Zugang zu Medien haben".

Gefahr einer "Clique"

Skeptisch blieb der Mediensprecher der FPÖ, Hans Kronberger: Er sei ebenfalls der Meinung, die freien Kanäle müssten regional finanziert werden, sehe aber die Gefahr einer "Clique", die über Mittelverteilung zu bestimmen habe und "ihre Klüngel bedienen muss". Die Möglichkeit, eigene Sendungen zu gestalten, sei für die Bürger sicher eine Bereicherung, sagte Kronberger: Der "normale Mensch" komme im Fernsehen ja gar nicht mehr vor, "außer wenn er irgendeinen geistigen oder körperlichen Mangel hat".

Wichtigkeit für "Communities"

Schütz betonte die Wichtigkeit für "Communities", wie etwa für Zuwanderergruppen. Dies zeige sich am Beispiel Berlins, wo etwa 40 Prozent der Sendungen nicht mehr in deutsch produziert würden. An offenen Kanälen könne sich jeder beteiligen, die entsprechende Ausrüstung und technische Anweisungen würden den Interessierten zur Verfügung gestellt.

Medienjournalist Manfred Schmid von der "Wiener Zeitung" hofft auf eine weitere Quelle im Journalismus, ähnlich den "Warblogs", jenen Internettagebüchern, die während des Irakkriegs für Zusatzinformationen durch direkt Beteiligte gesorgt hatten. Eine Einführung von offenen Kanälen könne durchaus erfolgreich sein, so Schmid: "Ich glaube, das durch die Erfahrung mit Privatfernsehen eine große Sehnsucht entstehen wird." (APA)

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