Auch Grassers "Liebe" zur Côte d’Azur unter der Lupe

25. Juni 2003, 10:17
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Zwei Monaco-Reisen des Finanzministers als neue Vorwürfe der Opposition - Grasser weist Vorwurf der "Geschenkannahme" als "völlig lächerlich" zurück

Wien - Die scharfe Kritik der SPÖ an zwei Reisen von Finanzminister Karl-Heinz Grasser ins Fürstentum Monaco weist dieser im Standard-Gespräch ebenso scharf zurück. Nach der Finanzierung seiner privaten Homepage durch die Industriellenvereinigung (IV) stellt die SPÖ nun neuerlich den Verdacht der "verbotenen Geschenkannahme" in den Raum. Für Grasser sind die Vorwürfe "frei erfunden" bis "völlig lächerlich".

Worum geht es? Im Vorjahr flog Grasser dienstlich - also in seiner Funktion als Minister - zu einem Treffen mit dem monegassischen Ministerpräsidenten. Zur selben Zeit gastierte der Formel-1-Zirkus in der Stadt der Reichen und Schönen.

Grasser und König zum Treffen in Monaco

Das offizielle Treffen organisierte der österreichische Honorarkonsul in Monaco, Peter König, Chef des Unternehmens Alukönigstahl.

Er sei aber keineswegs, wie dies vom Falter in seiner neuen Ausgabe angedeutet wird, von König auf die Reise eingeladen worden. Der Minister sagte: "Peter König hat nur das offizielle Treffen organisiert und ein Mittagessen bezahlt, bei dem eine Reihe von Industriellen anwesend war. Nur den Flug habe ich verrechnet. Alles andere habe ich selber gezahlt."

Honorarkonsul König weist in einer Stellungnahme gegenüber derStandard.at ebenfalls zurück, dass er Kosten der Reise bzw. des Aufenthalts übernommen habe. Er habe Grasser im Mai 2002 zu einem Arbeitsgespräch in die Residenz des Ministerpräsidenten Patrick Leclercq begleitet.

Bei diesem Gespräch seien von monegassischer Seite der Ministerpräsident und der stellvertretende Leiter der Finanzdirektion anwesend gewesen. Themen der Besprechung: "Die Abstimmung der zukünftigen Behandlung der Quellensteuer in der EU, Österreich bzw. Monaco, sowie die gemeinsame Vorgangsweise gegen die Geldwäsche." Dieser Besuch von Grasser hat laut König "wesentlich dazu beigetragen, dass es in der Folge zu einem weiteren bilateralen Austausch von Delegationen beider Länder kam".

König habe den Besuch des Finanzministers vorbereitet und die Einladung seitens des monegassischen Ministerpräsidenten weitergeleitet. Weiters habe er ein Mittagessen organisiert, bei welchem "der Herr Minister sowie eine Reihe von für Österreich wichtige Persönlichkeiten teilnahmen." Er selbst habe Grasser an diesem Wochenende erst kennengelernt.

Nach Standard-Recherchen nächtigte Grasser bei seinem Aufenthalt in Monaco bei seinem Freund Gerhard Berger. Den Flug - dem Vernehmen nach ging es um einen Betrag von rund 580 Euro - bezahlte die Republik Österreich.

Aktueller ist eine zweite Reise Grassers nach Monaco - diesmal "zu hundert Prozent privat", wie sein Kabinettschef Matthias Winkler versichert. Bei dieser zweiten Reise Ende Mai - wieder zum Grandprix - ging es, wie Magna-Sprecher Andreas Rudas bestätigte, "um die Zukunft des A1-Ringes" in Zeltweg.

Mit Grasser in Monaco waren diesmal Siegfried Wolf - zweiter Mann hinter Belinda Stronach im Magna-Konzern -, ein Vertreter des Autokonzerns DaimlerChrysler (Hauptaktionär des Eurofighteranbieters EADS) sowie Dietrich Mateschitz, Chef von Red Bull. Der Hintergrund: Magna soll sich dem Vernehmen nach am A1-Ring-Projekt von Mateschitz beteiligen. Auch DaimlerChrysler, wichtigster Kunde von Magna, soll mit an Bord sein.

Rudas sagte: "Magna sind aus dieser Reise keinerlei Kosten entstanden. Ob das der Finanzminister selbst oder das Ministerium bezahlt hat, weiß ich nicht." Zur Motivation Grassers, an diesem Treffen über die Zukunft von Zeltweg teilzunehmen, sagte Rudas: "Es ist immer hilfreich wenn bei solchen Treffen ein Regierungsmitglied dabei ist. Wir passen aber peinlich genau auf, dass wir im Zusammenhang mit dem Finanzminister nicht ins Gerede kommen."

Grasser hat, wie mehrfach berichtet, ein Rückkehrrecht zum Magna-Konzern. (Michael Bachner/DER STANDARD, Printausgabe, 25.6.2003/red)

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