Polit-Wirbel um drohende "Zerstückelung"

24. Juni 2003, 09:48
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Gipfelgespräch mit Bundeskanzler Schüssel gefordert - Aufregung in Oberösterreich

Linz/Graz - Der drohende Abverkauf von Teilen des Linzer Stahlriesen durch die ÖIAG an den Magna-Konzern des Frank Stronach sorgte am Montag für heftige Reaktionen auf Politebene. Landespolitiker zeigten sich empört über die unter dem Decknamen "Minerva" laufenden angeblichen Pläne eines "mindestens 90-prozentigen Ausverkaufs".

ÖIAG-Sprecherin Viktoria Kickinger sagte, seitens Magna liege derzeit "kein Angebot" vor. Sollte eines kommen, werde es die ÖIAG "natürlich prüfen".

"Vereinbarungen"

Der Landeshauptmannstellvertreter von Oberösterreich, Erich Haider (SP), forderte einen Österreichgipfel zum drohenden Voest-Ausverkauf: "Ich verlange, dass es so rasch wie möglich zu einem Treffen mit Bundeskanzler Schüssel, Finanzminister Grasser sowie den ÖIAG-Vorständen Wieltsch und Michaelis und dem Land Oberösterreich kommt." Außerdem müsse die Rolle von OÖ-Landeshauptmann Josef Pühringer geklärt werden. "Offensichtlich hat Pühringer mit Schüssel bereits gewisse Vereinbarungen bezüglich des Voest-Ausverkaufes getroffen", so Haider.

"Es hat bis dato keine Geheimabsprachen gegeben - das ist ein Blödsinn der Sonderklasse", sagte Pühringer. Er habe dem Bundeskanzler bereits vor längerer Zeit gesagt, dass man den erfolgreichen Weg der Voest in bestehender Form weitergehen wolle. Pühringer: "Wenn die ÖIAG Anteile abgibt, bin ich davon überzeugt, dass es in Oberösterreich genügend potente Unternehmen gibt, die sich als Kernaktionäre zusammenschließen werden."

"Keine Zerstückelung"

Auch Rudi Anschober von den oberösterreichischen Grünen forderte einen "Voest-Gipfel", und zwar noch vor der Landtagssitzung am 3. Juli.

FP-Landesobmann Günther Steinkellner sprach sich gegen eine "Zerschlagung" der Voestalpine aus. "Es darf weder eine Zerstückelung noch einen nicht österreichischen Eigentümer geben", erklärte der FP-Politiker. Voestalpine-Zentralbetriebsrat Helmut Oberchristl sagte: "Im Fall einer Zerschlagung des Unternehmens werden wir nicht tatenlos zusehen, wir werden uns mit Sicherheit wehren."

In der Steiermark bezweifelte Wirtschaftslandesrat Herbert Paierl (VP), dass es Alternativen zum Verkauf an Magna gebe. Er sprach sich gegen eine Landesbeteiligung bei einer Privatisierung des ÖIAG-Anteils der Voestalpine aus. SP-Chef Franz Voves warnte vor allem vor "anonymen Investoren". Er will eine Beteiligungsholding rund um die Steiermärkische Bank und Sparkassen AG. (Markus Rohrhofer Colette M. Schmidt/DER STANDARD Print-Ausgabe, 25.6.2003)

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