Torlinien-Technologie: Ein Elfmeter für Sepp Blatter

Kommentar5. Juli 2012, 21:53
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Die Einführung der Torlinien-Technologie ist natürlich längst überfällig - Für die Sportler, die in den letzten 15 Jahren betrogen wurden, ist das kein Trost

Der Fußball hat seine Revolution. Dabei ist die Einführung einer Torlinien-Technologie freilich längst überfällig. Zu viele strittige Situationen gab es in der Vergangenheit, bereits nach dem Jammer von Südafrika (als Frank Lampard mit einem Schlenzer das zweite Wembley-Tor für England gegen Deutschland geschossen hatte) hätte das Theater ein Ende nehmen müssen. So wurden die Schiedsrichter noch weitere zwei Jahre regelmäßig am medialen Scheiterhaufen verbrannt. Sie konnten am wenigsten dafür.

In der Leichtathletik und beim Pferderennen fällt seit langem das Zielfoto ein klares Urteil über die Platzierungen. Und beim Tennis, Eishockey oder Basketball gibt es technische Hilfsmittel schon seit einer gefühlten Ewigkeit. Nur der von einer Altherren-Partie administrierte Weltfußball sträubte sich. UEFA-Präsident Michel Platini will es noch immer nicht wahrhaben: "Haben wir dann auch bald technische Hilfsmittel, um Abseits zu erkennen oder um zu sehen, ob der Ball im Toraus war?", fragte er vor der Abstimmung zynisch. Der rückwärtsgewandete Franzose hat die Wende jedenfalls nicht verhindern und Sepp Blatter mit seinem Ja nichts falsch machen können. Jetzt geht es nur noch ums Geld und die Durchführbarkeit.

Viel wichtiger als die Finanzierung der Systeme "GoalRef" und "Hawk Eye", wäre aber eher die Frage, wie man die englischen, ukrainischen und alle andere betroffenen Kickern für den sportlichen Ruhm und Erfolg entschädigen kann, der ihnen nach vielen Jahren harten Trainings auf der großen Bühne entgangen ist. Aufgrund böser Fehlentscheidungen. Nun ja, die Gerechtigkeit siegt über die Tradition. Davon können sich die Athleten, die in den letzten zehn oder 15 Jahren um Glorie gespielt haben, nichts kaufen. (Florian Vetter, derStandard.at, 5.7.2012)

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