21 Parteien kämpfen um 65 Parlamentssitze

5. Juli 2012, 20:53
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626.000 Menschen sind am Samstag aufgerufen, eine neue Volksvertretung zu wählen - Revolutionsbewegung FRETILIN hat beste Aussichten

Dili - Zehn Jahre nach der international anerkannten Unabhängigkeit wird am Samstag in der Demokratischen Republik Osttimor ein neues Parlament gewählt. Die rund 626.000 Wahlberechtigten haben die Qual der Wahl: Kandidaten von 21 verschiedenen Parteien bewerben sich um die 65 Sitze. Die Revolutionäre Front für ein unabhängiges Osttimor (FRETILIN) hofft auf ein ähnliches Ergebnis wie 2007. Bei den bisher letzten Parlamentswahlen konnte sie knapp ein Drittel der Stimmen (21 Sitze) für sich gewinnen. Bei der Vielzahl der konkurrierenden Parteien ist aber in diesem Jahr kein ähnlich klares Ergebnis zu erwarten.

Die 65 Abgeordneten werden für jeweils fünf Jahre gewählt. Jeder fünfte Kandidat muss weiblich sein. Bereits im April wurde in Osttimor, das etwas kleiner ist als die Steiermark, mit Taur Matan Ruak ein neuer Präsident gewählt. Ruak war lange Zeit in der FALINTIL, dem militärischen Arm der FRETILIN (Frente Revolucionaria de Timor-Leste Independente) aktiv und übernahm 1999 nach einem Referendum über die Unabhängigkeit Osttimors deren Führung. Die in den 70er Jahren entstandene Revolutionsbewegung und deren Vorsitzender Francisco "Lu Olo" Guterres rechnet deshalb auch bei der Parlamentswahl mit großem Zulauf.

Zweite Parlamentswahl

Zweitgrößte Partei des Landes im östlichen Indischen Ozean ist der Nationalkongress zum Wiederaufbau Osttimors (Congresso Nacional da Reconstrucao Timorense, CNRT), dem auch der derzeitige Regierungschef, Kay Rala Xanana Gusmao angehört. Gusmao, der im August 2007 vom damaligen Präsidenten Jose Ramos Horta zum Premier ernannt wurde, leitet die Koalition aus CNRT, Sozialdemokraten (Associacao Social-Democrata Timorense, ASDT) und Sozialisten (Partido Socialista de Timor, PST) sowie der Partei Nationale Einheit für Timoresischen Widerstand.

Der Urnengang in dem 1,2 Millionen-Einwohner-Land ist erst die zweite Parlamentswahl seit der Unabhängigkeit. Osttimor (auch Timor-Leste) war bis 1975 portugiesisch. Nach dem Rückzug der Kolonialmacht rief die Befreiungsbewegung FRETILIN die Unabhängigkeit aus, woraufhin Indonesien das Land besetzte. Nach einem blutigem Befreiungskampf wurde Osttimor schließlich 2002 unabhängig. Die schwersten Unruhen seit seiner Unabhängigkeit hatte der junge Inselstaat zwischen Ende April und Ende Mai 2006 erlebt. Auch wenn Osttimor noch nicht mit konstanter Stabilität überzeugen kann, so zeigten sich internatonale Beobachter zumindest mit dem friedlichen Verlauf der Präsidentenwahlen im April zufrieden.

Osttimor gehört jedoch noch immer zu den ärmsten Ländern der Welt. Der Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index, HDI) der Vereinten Nationen sieht das fast ausschließlich katholische Land auf Platz 147 von insgesamt 181. (APA, 5.7.2012)

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    Xanana Gusmao bei einem Wahlkampfauftritt.

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