Pro neun Wochen Ferien: Entschleunigung für alle

Kommentar | Andrea Schurian, 5. Juli 2012, 19:27

Pünktlich zu Ferienbeginn lauter originelle Vorschläge zur Ferienverkürzung. Der lustigste kam von einem glossenschreibenden Lehrer auf derStandard.at: Sommerferien sollten fünf Wochen dauern, Lehrer verbleibende Urlaubszeiten unterm Jahr konsumieren. Schön. Nur wo bitte bleiben in dieser Rechnung die Schüler? Die hackeln ab der vierten Volksschulklasse definitiv nicht nur vierzig Wochenstunden. Was übrigens viele europäische Staaten mit mehr als den österreichischen neun Sommerferienwochen honorieren. Nur Deutschland und die Niederlande knausern - und geben sechs Wochen frei.

Gern wird die Ferialdebatte mit Lehrerbashing ("faule Lehrer") neidkombiniert. Doch effizientes Lernen hängt nicht von möglichst viel in der Schule abgesessener Lebenszeit ab, sondern von engagierten, zufriedenen, entspannten Lehrkräften - die eine ordentliche Auszeit vom Schulalltag verdienen. Und die menschgewordenen Rohrstaberln? Sollten sowieso Ganzjahresurlaub erwägen.

Ja, Ferien sind für berufstätige Eltern arge Planspiele. Doch übel sind nicht lange Ferien, renovierungsbedürftig ist eine Gesellschaft, die für ihren Nachwuchs keine Zeit hat - in jeder Hinsicht. Die dessen Bedürfnisse straff Wirtschaftsinteressen unterordnet. Statt Ferienverkürzung wäre also eher allgemeine Urlaubsverlängerung anzudenken. Gerade in kriselnden Zeiten täte eine gesamtgesellschaftliche Entschleunigung (nicht nur) Familien gut. (Andrea Schurian, DER STANDARD, 5.7.2012)

 

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Neid? Pt.II

... weiß man nicht so genau. Ich kenne genug Lehrer, die schon einen Monat vor Schulschluss jammern, weil sie keine Motivation für die Arbeit mehr aufbringen können, und die tun dann auch 9 Wochen wirklich nichts - ich bezweifle, dass sie jemals auch nur an die Schule denken während der Ferien. Ja ja, ich weiß schon. Man soll sich nicht von der Arbeit versklaven lassen. Schade, dass die meisten Lehrer das nur für sich selbst so sehen. Ich habe noch nie einen dafür eintreten sehen, die Arbeitsverhältnisse generell auch für andere zu verbessern. Hauptsache sie selbst sind entspannt und ausgeruht...

Neid? Pt.I

Ich kenne viele Lehrer, aber es ist mir bisher noch keiner untergekommen, der während des Semesters so viel mehr arbeitet als andere Menschen, dass 9 Wochen Ferien gerechtfertigt wären. Ich neide niemandem seine wohlverdienten Ferien. Und ja, ich persönlich hätte auch gar nichts gegen eine 9wöchige Auszeit im Sommer, das gebe ich gerne zu. Ich finde es allerdings eine Frechheit, mir Neid vorwerfen lassen zu müssen, nur weil ich der Meinung bin, 9 Wochen sind verhältnismäßig einfach zu viel. Ich bin sicher, auch in vielen anderen Berufen würde die Effizienz und Qualität nicht von abgesessener Lebenszeit abhängen, sondern von zufriedenen, entspannten Arbeitnehmern. So spielt es sich aber leider nicht - außer eben für die Lehrer und warum weiß

Ferien sind ja nicht Urlaub. Unterrichtsfreie Zeit ist ja auch teils unbezahlt.
Warum also nicht? Nur weil jemand meint Schule wäre ganzjährig für die Betreuung und Beaufsichtigung des Nachwuchses zuständig? Dafür gibt es private Institutionen die auch nicht für den Unterricht zuständig sind.

woher nehmen sie eigentlich die gewissheit, dass lehrer während der ganzen 9 wochen nichts tun? und: selbst die tollen pisa-finnen haben in vielen schulsprengeln bis zu 10 wochen ferien; italien: 12 wochen. frankreich: 9 wochen im sommer und 2 wochen herbstferien. und wie weiter unten vorgerechnet wird (wusste ich auch nicht): die lehrer kriegen de facto den sommer nicht bezahlt. interessante rechnung

Die Finnen gehen übers Jahr aber ein paar Tage mehr zur Schule als in Österreich.
In Finnland gibt es Nachmittagsbetreuung, wenn gewünscht.
In Finnland gibt es Vorschulen und Spezialunterricht für Migranten.

In Italien gibt es wirklich 12 Wochen Sommerferien. Dort liegt aber auch PISA.

Diese Aufsicht muss natürlich auch bezahlt werden. In Finnland verdient das Lehrpersonal auch wesentlich besser.

Das finnische Lehrpersonal ist im Schnitt auch wesentlich besser qualifiziert als das österreichische.

Darum auch das höhere Gehalt.

Das Entschleunigen klingt gut und wäre kurzfristig recht angenehm. Die westlichen Staaten müssen jedoch ein Heer an Beamten, Sachverständigen und anderen Nichtproduktiven ernähren. Das funktioniert nur wenn diejenigen die ihre Arbeitskraft der Wertschöpfung widmen produktiver als die anderen sind. Mit Entschleunigen werden unsere Exporte rasch zulegen - zumindest die Exporte von Arbeitsplätzen und es wird recht rasch recht viel Entschleunigte geben.

Ohne die "Nichtproduktiven" würde es aber auch keine Produktion geben. Wo kommen den die "Produktiven" her?

Würde der Autor ...

...das bitte der Wirtschaft zu erklären versuchen? ... Ich würde sicherheitshalber auch gleich einen Leibwächter anheuern... die sind dort nämlich nicht so lustig wie die "Lehrer-Basher", wenn man solche Träume hat...

„Wer von seinem Tag nicht zwei Drittel für sich selbst hat, ist ein Sklave.“

Friedrich Nietzsche

Marx:

Der 8-Stunden-Arbeitstag... zwei Formulierungen, eine Rechnung

Nicht ganz

Georg Wilhelm Friedrich Hegel kritisiert den untätigen Müßiggang des Adels, der nichts mehr verändern kann zu Recht. Der große Denker verherrlicht aber geradezu die nun überall zur wichtigsten Sache werdende Lohnarbeit. Das "knechtische Bewusstsein", so nennt er es, die ehrliche, harte Arbeit also, würde die Welt verändern. Das glaubt auch der junge Trierer Philosoph Karl Marx. Der glaubt aber auch, anders als die Epigonen, die in seinem Namen seit Jahrzehnten die Arbeit beschwören, dass Automation, Technik und Fortschritt den Menschen ein besseres Leben bringen werden. Dieses Ideal teilt Marx mit den größten Utopisten und Vordenkern der Menschheit

Mehr Zeit für Kinder stimmt schon, aber...

... so wie es momentan aussieht, bedeutet das für meine Frau und mich, dass sich jeder von uns mindestens drei Wochen pro Sommer frei nehmen muss. Die übrigen drei Wochen gehen mit Sommerlager und dank der Schwiegereltern. Bleiben zwei Wochen pro Elternteil. Mit 10 Tagen Osterferien, 2 Wochen Weihnachtsferien, einer Woche Semesterferien weiß ich nicht, wie sich das ganz ausgehen soll. Gemeinsamen Urlaub gibt´s halt nach der Matura des jüngsten irgendwann im Jahre 2019. Ob das die richtige Lösung ist, weiß ich wirklich nicht...

Die Aufgabe der Schule ist eben nicht die ganzjährige Betreuung. Das sollte einem schon bewusst sein als Elternteil.
Wer kümmert sich um ihren Nachwuchs in den ersten Jahren? Ab dem 1. Lebensjahr geht natürlich Krippe von 7-18h...
Analog gibt es auch private Institutionen die sich um ältere Kinder kümmern.

Hauptsache die Lehrer brauchen sich keine Gedanken um die Kinderbetreuung während der Ferienzeit machen, oder?

Die 9 Wochen Sommerferien sind so zeitgemäß ...

... wie sie es zu der Zeit waren, als die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde und die Bauern ihre Kinder für die Zwangsverpflichtung nur hergaben, wenn sie dafür wenigstens im Sommer zur Gänze für die Feldarbeit zur Verfügung stehen.

Auch bei Wiederholung bleibt es falsch.

Natürlich mussten damals die Kinder bei der Ernte helfen, war sogar noch zu meiner Schulzeit teilweise so, aber im Sommer war Unterricht.

http://derstandard.at/plink/133... id26885852

..phu das haten' ma schon auf seite 2. für das gabs früher extra ernte ferien und weis der hugo was.

...sondern von engagierten, zufriedenen, entspannten Lehrkräften - die eine ordentliche Auszeit vom Schulalltag verdienen.

Das würde abgewandelt aber auch für Polizisten, Krankenschwestern, Ärzte, Altenpfleger, Kundendienstbetreuerinnen, usw. gelten. Aber die haben leider nur eine Auszeit von 5 bzw. 6 Wochen. Sind alle anderen außer Lehrerberufe nichts wert? Haben wirklich nur Lehrer diesen Stress? Oder doch nicht einfach nur dsie bessere Gewerkschaft?

Lehrer bekommen die unterrichtsfreie Zeit dafür nicht bezahlt.
Ärzte machen mehr Urlaub da sie immer viele Überstunden abzubauen haben. Zusätzlich können sie sich ihren Urlaub relativ frei einteilen.

Überall gibt es Vor- und Nachteile.
Arbeitslose haben auch viel "Freizeit".

würde Ihnen gerne 100mal "Grün" geben.
Ja, es ist mit nichts zu rechtfertigen, dass ein Lehrer dreimal so viel Urlaub hat als z.B. ein Altenpfleger.
Und wenn ich im Spital operiert werde, hätte ich auch lieber einen engagierten, entspannten Chirurgen als einen der sicherlich keine 13 Wochen Urlaub und stattdessen zusätzlich noch Nachtdienste hat.

was ist jetz unfair, dass die lehrer viele ferien haben, oder dass die ganzen von ihnen aufgezählten berufsgruppen zu wenig freizeit haben?

Ist glaube ich nicht schwer zu erraten

Da wir in Österreich mit 5 bzw. 6 Wochen Mindesturlaub weltweit eines der Länder mit den meisten Urlaubstagen repräsentieren, sind 9 Wochen + 1 Woche schulautonomer Tage eindeutig zuviel.

nur eben: viele länder haben noch viel längere ferien, frankreich zusätzlich 2 wochen herbst- und 2 wochen osterferien. das unglaublichste an dieser debatte ist: ERWACHSENE MENSCHEN NEIDEN KINDERN DIE FREIE ZEIT! blöd, dass die kinderarbeit abgeschafft wurde. das wäre ja erst produktiv!

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