Kontra neun Wochen Ferien: Nur für die Lehrer

Kommentar5. Juli 2012, 19:27
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Natürlich wäre es fein, wenn wir alle neun Wochen Urlaub im Jahr hätten, um die gesamten Ferien mit den Kindern zu verbringen. Oder noch besser wären 13 oder 14 Wochen, damit Vati und Mutti auch noch jeden Tag der Weihnachts- und Osterferien gemeinsam mit ihren Sprösslingen verplanen können. Von der Realität sind solche Wünsche freilich ebenso weit entfernt wie die Lehrergewerkschaft von einer modernen Arbeitnehmervertretung.

Die Lehrer sind auch der wahre Grund, warum zwar Jahr für Jahr über zu lange Sommerferien diskutiert wird, sich aber nie etwas ändert. Das hat nichts mit Neidkomplexen und Bashing zu tun. Die Argumente, die lange Pause werde für Fortbildung benötigt und trage zur Erholung der Kinder bei, sind schlicht und einfach vorgeschoben. Für Weiterbildung, so sie überhaupt passiert, bliebe auch bei sechs oder sieben Wochen Sommerpause noch genug Zeit.

Und auch wenn der Schulalltag für die Kinder und Jugendlichen zweifelsohne stressig sein kann: Neun Wochen braucht niemand, um sich zu erholen. Im Gegenteil: Solch lange Unterbrechungen lassen Langeweile aufkommen und machen es schwer, wieder in den Lernrhythmus zu kommen. Abgesehen davon, dass die Dauerbeschäftigung des Nachwuchses - Tennis-, Schwimm-, Kletter-, Bastelkurse - ein Vermögen kostet. Ein wenig Rücksicht auf die Welt der Normalbürger würde nicht schaden. (Günther Oswald, DER STANDARD, 6.7.2012)

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