Auch Studentenbewegung zweifelt Ergebnisse an

5. Juli 2012, 19:02
posten

"Yo soy 132" nimmt Sieg von Pena Nieto nicht zur Kenntnis - Wahlkommission schließt Änderung trotz Neuauszählung aber aus

Mexiko-Stadt - Nach dem Links-Kandidaten Andres Manuel Lopez Obrador hat nun auch die Studentenbewegung "Yo soy 132" ("Ich bin Nummer 132") Zweifel an der Richtigkeit der Ergebnisse der mexikanischen Präsidentenwahl vom vergangenen Sonntag angemeldet. Der Wahlprozess sei von Beginn an fragwürdig gewesen, stellten die Studenten in einer Stellungnahme fest. "Yo soy 132" erkenne den Sieg des Kandidaten der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI), Enrique Pena Nieto, jedenfalls nicht an.

Der 45-jährge Politiker der früheren Regierungspartei PRI (1929 bis 200) hatte nach vorläufigen Ergebnissen 38,2 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. Sein schärfster Rivale Lopez Obrador (Partei der Demokratischen Revolution/PRD) kam demnach auf 31,6 Prozent. Er hat das Ergebnis aber angefochten, wodurch nunmehr mehr als die Hälfte der Stimmzettel der Präsidenten- und Parlamentswahl noch einmal ausgezählt werden. Die Nachprüfung findet in den Stimmbezirken statt, in denen das Ergebnis besonders knapp ausgefallen war. Die Wahlkommission IFE schloss am Mittwoch eine Änderung des vorläufigen Endergebnisses aber aus. Der Kandidat mit den meisten Stimmen ist als Präsident gewählt, es gibt keine Stichwahl.

Eskalation

Die Studenten von "Yo soy 132" hatten schon vor der Wahl gegen Pena Nieto und seinen Einfluss auf diverse Medieninstitutionen protestiert. Auslöser war ein Auftritt des Politikers an der "Universidad Iberoamericana" in Mexiko-Stadt, wo ihm Menschenrechtsverletzungen in seiner Zeit als Gouverneur des Bundesstaates Mexiko vorgeworfen worden waren. Die Veranstaltung eskalierte und letztlich nahm Pena Nieto angesichts einer pfeifenden und "Mörder, Mörder" skandierenden Studentenmenge Reißaus, um für eine Weile sogar auf einem Klo Zuflucht zu suchen.

Der dem Kandidaten nahe stehende TV-Sender "Televisa" stellte den Eklat jedoch entgegen allen Tatsachen als einen gelungenen Galaauftritt des 45-Jährigen dar, der lediglich von "131 ultralinken Chaoten" etwas gestört worden sei. Die Studenten reagierten verärgert über die offensichtliche Medienmanipulation. "Televisa te idiotiza" ("Televisa verblödet Dich") war noch eines der harmlosesten Spruchbänder, das bei den folgenden Demonstrationen zu sehen war.

Über soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter wurde der Slogan "Yo soy 132" (sinngemäß "Ich bin Nummer 132") kreiert, der zeigen sollte, dass da nicht nur eine Handvoll unbedeutender Querulanten am Werk war. Der Protest schwappte von der Hauptstadt auch auf Guadalajara und andere Provinzmetropolen über. Letztlich gingen Zigtausende junge Menschen auf die Straße. Sie steckten auch den Rest der Gesellschaft an. Zuletzt zeigten immerhin 65 Prozent der Mexikaner zumindest Verständnis für die Demonstranten. In Anlehnung an die Umwälzungen im arabischen Raum wurde bereits das Schlagwort "Primavera Mexicana" ("Mexikanischer Frühling") geprägt. (APA, 5.7.2012)

Share if you care.