Fiktionen um ein separatistisches Konstrukt

5. Juli 2012, 19:02
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Der Kunstraum Innsbruck und das Artdepot zeigen die Ausstellung "Alpenrepublik"

Albtraumhaft steckt ein Mann in einer Kleidung aus Holzteilchen, die er verzweifelt versucht abzuschütteln. Diese schwarze, japanisch anmutende Zeichnung entpuppt sich als ein Druckstock auf einer Holzplatte (Hans Weigand). Das Unheimliche dieser Arbeit liegt genau an jener Nahtstelle von Gegensätzen: von Kunst und Natur, Natur und Mensch, innerem Zustand und äußerlicher Anpassung.

Diesen Gegensätzen widmen der Kunstraum Innsbruck und das Artdepot die Ausstellung Alpenrepublik, eröffnen doch genau diese ein Terrain für neue Spielformen rund um den Begriff von Heimat und alten und neuen Mythen. Von anarchischen, dramatischen, grotesken bis hin zu humorvollen Arbeiten entsteht so in der Ausstellung ein eigener Kosmos.

Tirol stehe im Mittelpunkt, aber es sind auch Arbeiten von Künstlern und Künstlerinnen aus Südtirol, Bayern, dem Allgäu und der Schweiz zu sehen, erklärt Veit Loers, Leiter des Kunstraums. So zeigt zum Beispiel der junge deutsche Künstler Felix Burger in seiner Installation Schliersee (2011/12) einen konzeptuellen Dialog zwischen dem Märchenkönig Ludwig II. und dem Künstler-Ich.

Martin Gostner thematisiert die grausame Dialektik von Grillparzers Alpenkönig und Menschenfeind. Er lässt den Begriff "König" verblassen und schreibt stattdessen "Feind" in roten Buchstaben auf die Wand.

Alexandra Vogt hat fotografisch den eigenartigen Kosmos eines Einsiedlers in einem Wald dokumentiert. Dazu zeigt sie die inszenierte Fotografie von einem Mädchen in einem Haus, das sein Ich ebenso in einer ganz eigenen "Natur" eingeschlossen hat.

Am Mythos Andreas Hofer regelrecht abgearbeitet hat sich hingegen Thomas Palme: In dämonischen Karikaturen setzt er Hofer Problemfeldern wie Gott, Tod, Politik, Kunst und Freundschaft aus. Am Ende bleibt Hofer jedoch nur als ein "Rebell gegen sich selbst" übrig. (koty, DER STANDARD, 6.7.2012)

Kunstraum Innsbruck, Maria-Theresien-Str. 34, Arkadenhof, bis 4. 8.

  • Interpretiert die Einsiedelei: Alexandra Vogt.
    foto: alexandra vogt

    Interpretiert die Einsiedelei: Alexandra Vogt.

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