Terrorfurcht in London: Kritische Bedrohung

Kommentar5. Juli 2012, 18:24
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Nichts ist für Terroristen aller Art verlockender als eine Großveranstaltung

Die Terrorwarnstufe der britischen Behörden ist bereits seit geraumer Zeit auf "substanzielle Bedrohung" gesetzt, Anschläge seien "eine realistische Möglichkeit". Ergeben sich nach den jüngsten Festnahmen auch gerichtsfeste Beweise gegen die eben ausgehobene Zelle mutmaßlicher Terroristen, dann dürfte die Sicherheitslage vor den Olympischen Spielen womöglich doch zu positiv eingeschätzt worden sein - auch wenn Scotland Yard behauptet, die Razzia in London und die Spiele stünden nicht in Zusammenhang.

Nichts ist für Terroristen aller Art verlockender als eine Großveranstaltung, die weltweit über alle Fernsehschirme flimmert. Schon 2005 machten Extremisten in London sich das zunutze: Islamistische Selbstmordattentäter sprengten die Freude über die tags zuvor gewonnene Ausrichtung der Olympischen Spiele mit Bomben in der "tube" und einem Bus einfach weg, die Furcht in Großbritanniens Hauptstadt war danach ebenso groß wie die Begeisterung zuvor.

Damals stellte sich heraus, dass zumindest einige der Täter in Großbritannien sozialisierte und bestens integrierte Muslime waren. Wenn die ersten Berichte zutreffen, soll das auch für die nun Festgenommenen in London gelten. Das Potenzial an radikalisierbaren Muslimen jedenfalls ist seit 2005 nicht kleiner geworden. Im Gegenteil: Die Krise hat es noch gestärkt. Womöglich muss Scotland Yard also sein Warnlevel vor den Spielen doch noch auf die Höchststufe "kritische Bedrohung" setzen. (Christoph Prantner, DER STANDARD, 6.7.2012)

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