AMS hat Probleme bei IT-Umstellung

Die IT-Umstellung bereitet dem Arbeitsmarktservice Kummer. Nicht abreißen wollen auch die Turbulenzen um die Postenvergabe beim Wiener AMS

Wien - Eigentlich sollte ein Großteil der Umstellungsarbeit schon über die Bühne sein: Am ersten Wochenende im Juni hätte die Computerfirma IBM beginnen sollen, einen Teil der 5500 Computer des Arbeitsmarktservice (AMS) auf ein schnelleres, effizienteres Betriebssystem umzustellen. Diese Etappe des "Transitionsprozesses" ging schief - und wird am Wochenende 5. und 6. Juli, mit zwei Schließtagen, wiederholt. Beim ersten Mal wäre, durch Ungenauigkeiten und Fehler in der Software, nicht gewährleistet gewesen, dass Arbeitslose ihre monatlichen Vorauszahlungen bekommen. Dem Vernehmen nach soll sogar die Auszahlung der Mitarbeitergehälter kurzfristig gefährdet gewesen sein.

AMS-Chef Herbert Buchinger beruhigt im Standard-Gespräch: "Zu keinem Zeitpunkt hätte etwas passieren können. Wir haben rechtzeitig Stopp gesagt." Probleme bei einer Umstellung seien normal und "auch in der Privatwirtschaft an der Tagesordnung". Pönalezahlungen würden nicht fällig, dies sei, im Falle des Falles, erst nach erfolgter Systemumstellung möglich, "wenn IBM nicht in der Lage ist, den vereinbarten Service-Level zu halten".

Das klingt freilich anders als im Rechnungshof-Bericht vom Oktober 2011. Dort wird, obwohl der gesamte IT-Umstellungsplan eher kritisch bewertet wird, dezidiert auf die verschiedenen Umstellungsphasen eingegangen. In der Projektbeschreibung gibt es "Meilensteine", die mit zeitlichen Fristen versehen wurden. Demnach musste der erste Meilenstein "Change of Control", spätestens vier Monate nach Zuschlagserteilung erfolgen, der zweite nach acht Monaten. Das wäre am 1. April gewesen - doch zu diesem Zeitpunkt war IBM noch weit entfernt, "die Gesamtverantwortung für den Service-Desk, die Bereitstellung und Betriebsführung des Rechenzentrums und des Netzwerks sowie für das Monitoring der Arbeitsplatzausstattung und -betreuung" zu übernehmen, wie es im Vertrag hieß.

Ausdrücklich lobte der Rechnungshof, er erachte die "Gliederung der zeitlichen Durchführung der Transition mit Meilensteinen und die zugehörigen Pönaleforderungen als zweckmäßig". Ob die nächste Etappe der Umstellung am nächsten Wochenende klappt, ist die Frage: "Wir müssen ganz sicher sein, dass das neue System ohne Ausfälle läuft, wir gehen hier null Risiko ein", beteuert AMS-Chef Buchinger.

Wirbel beim Wiener AMS

Weiter für Wirbel sorgt auch die umstrittene Neubesetzung der Wiener AMS-Führung. Am Mittwoch hätte sich das Landesdirektorium konstituieren sollen. Dies ist jedoch gescheitert, weil die Arbeitgeberkurie nicht erschien - ein Protest gegen die Bestellung von Geschäftsführerin Petra Draxl, die von Sozialminister Rudolf Hundstorfer der Erstgereihten Inge Friehs vorgezogen wurde. (Petra Stuiber, DER STANDARD, 6.7.2012)

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