Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
vergrößern 800x551Von der päpstlichen Kopf- bedeckung zum Narrenhut: Dem britischen Maler Francis Bacon zufolge ist es nur ein kleiner Schritt vom einen zum anderen, und der Choreograf Johann Kresnik macht deutlich, wie das zu verstehen sein könnte. Im Bild Ismael Ivo als schreiender Kardinal, eines der berühmtesten Motive bei Bacon.
vergrößern 544x800Die Narrenhüte der Liebe: Angela Schubot und Jared Gradinger haben sich eines alten Themas angenommen und stellen es so bewegend dar wie kaum jemand zuvor.
Ab dem 12. Juli prägt das Festival Impulstanz einen Monat lang die Stadt Wien.
Tanzen da Gespenster aus der Vergangenheit an? Zum Beispiel in Gestalt zweier Frühwerke aus den Achtzigern von Jan Fabre. Oder als Johann Kresniks Francis Bacon von 1993 und als Anne Teresa De Keersmaekers 1998 bei Impuls uraufgeführtes Drumming. Oder beschwört das französische Choreografen-Duo Cecilia Bengolea & François Chaignaud mit François Malkovskys Danses Libres aus den Roaring Twenties einen künstlerischen Wiedergänger?
Nein. Wir brauchen hier keine Ghostbusters. Denn diese Arbeiten bei Impulstanz stehen bloß für einen positiven Paradigmenwechsel im Umgang mit historischen Choreografien. Initiiert wurde die Wende schon vor fast zwanzig Jahren, als sich das französische Kollektiv Le Quatuor Albrecht Knust kritisch mit dem Thema der Wiedererarbeitung ikonischer Tanzstücke der Moderne befasste. Zum Beispiel unter dem Aspekt, dass es im Tanz keine "originalgetreuen" Rekonstruktionen geben kann.
In der Folge wurde etwa die große amerikanische Postmoderne Yvonne Rainer neu entdeckt. Der französische Choreograf Xavier Le Roy arbeitete 1996 mit Le Quatuor Albrecht Knust an der Neuaufnahme von Rainers Continuous Project - Altered Daily und von Steve Paxtons Satisfying Lover (Paxton war übrigens schon zwei Jahre zuvor mit Trisha Brown bei Impulstanz aufgetreten). Oder: Jérôme Bel holte 1998 Susanne Linkes Solo Wandlung nach 20 Jahren wieder in die - damalige - Gegenwart. Und: Die Gruppe Inpex publiziert seit 2009 The Swedish Dance History. Ein weiterer Band (Nummer drei) wird im Festival am 26. Juli präsentiert.
Verrückte Herausforderung
Ein frischer Wind weht also durch die Tanzgeschichte. Es geht nicht mehr um die Autorität historischer Größen, sondern um lebendige Arbeit an der Vergangenheit. Ein Markierungspunkt für diesen Umbruch war die Kuratierung wieder und wider 2006 im Tanzquartier Wien und Mumok. Konsequenzen aus dieser Entwicklung sind dieses Jahr sowohl die Ausstellung Moments im ZKM Karlsruhe als auch die große Yvonne-Rainer-Schau, die noch bis Ende Juli in Köln zu sehen ist.
Wenn Fabre jetzt also This is theatre like it was to be expected and foreseen von 1982 und das zwei Jahre danach entstandene Stück The Power of Theatrical Madness (siehe auch S. I 4) wieder zeigt, dann ist das als Herausforderung zu verstehen: Wie passen diese Stücke nach 30 Jahren in eine Zeit mit Internet, Wirtschaftskrise, der EU und den jüngeren Diskursen in den Künsten? Und was heißt es, wenn junge Tanzschaffende Tänze aus den 1920ern ihrer heutigen Ästhetik entsprechend bearbeiten?
Die Frage nach dem Neuen und Alten kann heute anders gestellt werden. Nicht nur, weil in der Livekunst Tanz ohnehin alles zur Gegenwart wird, sondern auch, weil das alte, strikt chronologische Geschichtsdenken nicht mehr funktioniert. Und weil das sentimentale Verhältnis zur Vergangenheit im Sinn von "Früher war alles besser" genauso wie die Ansicht, alles von früher wäre "ein alter Hut", obsolet geworden ist. In der Kunst ist das Vergangene Material für Neues. Und dieses Material muss erst einmal verfügbar gemacht werden.
In seinen Programmfeldern [8:tension], der Choreografischen Plattform Austria, den Wild Walks und mit anderen Produktionen zeigt das Festival dann auch, wie viel Neues die Choreografen und Tänzer immer noch entdecken.
Dieses Neue wird aber nicht aus diversen Ärmeln geschüttelt. Sondern es ist immer wieder Ergebnis von viel Lust am Experiment und an neuen Erfahrungen, Mut und Widerspruchsgeist, von Flexibilität und Zähigkeit. (Helmut Ploebst, Sonderthema/Beilage, DER STANDARD, 6.7.2012)
Arbeiten von William Kentridge, Jerome Bel, Marie Chouinard und Meg Stuart ab 11. Juli
Impulstanz mit Benoît Lachambre, Thomas Hauert, Angela Schubot / Jared Gradinger
Jury teilte Nachwuchs-Preis
Ivo Dimchevs "P Project" und ein relativ spontaner dreistündiger Abschied von Franz West bei Impulstanz
Queerness im Tanz reicht über die reine Geschlechterpolitik hinaus. Beispiele für das Verwischen von Grenzen sind etwa Koffi Kôkô, Chris Haring, Bengolea & Chaignaud und Mark Tompkins
Ko Murobushi, Jennifer Lacey und François Chaignaud bei Impulstanz
Im Burgtheater zeigt Impulstanz eine Ballettgala zum Thema Liebe und Leidenschaft
"Le Cargo" des kongolesischen Tänzers und Choreografen Faustin Linyekula und Philipp Gehmachers "Solo with Jack" bei Impulstanz
Die aktuelle Ausgabe der Choreographic Platform Austria (CPA* 2012) ist mit Arbeiten von mehr als 30 österreichischen Tanzschaffenden bei Impulstanz zu Gast
Am 25., 27. und 29. Juli öffnet der "Österreich-Pavillon" im ehemaligen Grand Etablissement Gschwandner in Hernals seine Tore
Jennifer Lacey wagt in "Gattica" einen Blick in die Zukunft des Tanzes
Fragen über den Körper stehen im Mittelpunkt der Kunstform Tanz
Der Franzose François Chaignaud pflegt mit wechselnden Partnerinnen idealisierte Natürlichkeit
Ko Murobushi ist einer der bedeutendsten Butô-Künstler der Welt
Olivier Dubois zeigt mit "Rouge" den zweiten Teil seiner Revolutionstrilogie
Von der Nacktheit zum Varieté, und zwar hardcore
Wie gemacht für unsere Gegenwart: Jan Fabres vor drei Jahrzehnten uraufgeführtes Stück "This is theatre like it was to be expected and foreseen"
Jan Fabre hat mit seiner Compagnie Troubleyn "The Power of Theatrical Madness" neu inszeniert
Impulstanz startet mit choreografischen Konzerten von Benoît Lachambre / Clara Furey und Ivo Dimchev
Die Impulstanz-Nachwuchsreihe [8:tension] präsentiert 14 internationale Newcomer
Die Choreographic Platform Austria ist dieses Jahr bei Impulstanz in Wien zu Gast
Genderdiskurse in den Stücken von Olivier Dubois, Trajal Harrell und anderen
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.