Das Wetter im Kunstklima

  • Aus Salzburg lieh man sich den Pavillon White Noise, in dem elf Künstler Arbeiten zum Klimawandel zeigen. Mitte Juli kommen die Wissenschafter.
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    foto: nikola milatovic

    Aus Salzburg lieh man sich den Pavillon White Noise, in dem elf Künstler Arbeiten zum Klimawandel zeigen. Mitte Juli kommen die Wissenschafter.

Im Krakautal, einer der schönsten Landschaften der Steiermark, denken Künstler und Forscher über den Klimaschutz nach

Murau - Wenn man den weißen Igel betritt, merkt man, dass hier keine gewöhnliche Ausstellung wartet. Beim Eingang bekommt man weiße Plastikpatscherln, die man sich über das Schuhwerk, das zuvor durch die wirklich ungewöhnliche schöne Landschaft des Krakautals stapfte, ziehen muss.

Kühllabor heißt das zwischen Kunst und Wissenschaft korrespondierende Projekt Klaus Schaflers, das unweit von grasenden Kühen und alten Holzbauernhäusern stationiert wurde (www.kuehllabor.net). Es ist gleichzeitig eines von drei Festivalzentren der Regionale, die heuer den obersteirischen Bezirk Murau mit zeitgenössischer Kunst und Kultur bespielt - der Standard berichtete.

Der multifunktionale Kunstpavillon wurde vom Land Salzburg geliehen, wo er zuletzt in einem Lager verräumt war.

Schafler nutzt den Igel für eine spannende Schau, die sich mit Phänomenen wie Wettermanipulation auf lokaler und globaler Ebene beschäftigt. Dabei werden reale Projekte vorgestellt, wie künstliche CO2-Bäume, die, wenn man bis zu 60 Millionen von ihnen aufstellte, den Klimawandel aufhalten könnten.

Im Kühllabor gibt es auch Ausflüge in die Literatur- und Filmgeschichte. Was in Filmen wie Der Regenmacher mit Burt Lancaster in den 1950er-Jahren utopisch schien, ist es längst nicht mehr. In China oder Russland werden Regenwolken für die Dauer bestimmter Events weggeschossen oder Schneewolken umgeleitet, damit sie sich nicht über einer teuer zu räumenden Innenstadt entladen. "Wer Geld hat, kann auch Wetter kaufen", konstatiert Schafler.

In der von ihm und Christina Nägele koordinierten Schau Weltumspannendes Geoengineering und lokales Wettermachen präsentieren unter anderem Laura Bruce, Nin Brudermann, Peter Fend, Christoph Keller, Ralo Mayer, Josh Müller und die Gruppe Weather Permitting ihre Positionen. Die sind zum Teil auch ziemlich witzig.

Von 12. bis 15. Juli werden beim Forum für erweiterte Energie-, Klima- und Wetterfragen vor Ort internationale Experten bei freiem Eintritt verschiedene Aspekte des Klimawandels erörtern. Neben einem Symposium steht auch eine gemeinsame Wanderung auf dem Programm.

Am 13. Juli laden die beiden Berlinerinnen Eva Meyer-Keller und Sybille Müller zur performativen Kochschow mit Zukunftsvisionen in die Mehrzweckhalle in Krakauhintermühlen. Am Ende darf das Publikum die Suppe aus Waldbränden, Meteoriteneinschlägen und Bohrinselexplosionen tatsächlich auslöffeln.    (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 6.7.2012)

Ausstellung bis 21. 7.

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