Tunesien beantragt Sitzung der Arabischen Liga zu Arafats Tod

5. Juli 2012, 15:20
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Tunis fordert auch internationale Untersuchung - Forscher: Untersuchung des Leichnams muss schnell erfolgen

Kairo - Der angebliche Giftmord am früheren palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat könnte auch ein politisches Nachspiel haben. Tunesien hat am heutigen Donnerstag eine Sondersitzung der Arabischen Liga zu den neuen Vorwürfen beantragt. Schweizer Forscher hatten erhöhte Werte des radioaktiven Elements Polonium 210 in Arafats Unterhose festgestellt. Mit dem radioaktiven Stoff wurde im Jahr 2006 der frühere russische Spion Alexander Litwinenko in London vergiftet.

"Das Generalsekretariat hat heute einen Antrag des tunesischen Vertreters erhalten, ein Ministertreffen einzuberufen, um die Umstände des Todes von Palästinenserführer Yasser Arafat zu untersuchen", sagte der stellvertretende Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Ben Helli, am heutigen Donnerstag vor Journalisten in Kairo.

Der tunesische Außenminister Rafik Abdessalem forderte in einem Radiointerview zudem eine internationale Untersuchung der Todesumstände Arafats. "Wir stehen diesem großen Mann gegenüber in der Schuld", betonte Abdessalem. Tunesien hatte Arafat und seine "Palästinensische Befreiungsorganisation" (PLO) in den 1980er Jahren beherbergt, als diese international als Terrororganisation galt.

Drängen auf rasche Untersuchung

Der Schweizer Forscher Francois Bochud drängte indes auf eine rasche Untersuchung von Arafats Leichnam. Der radioaktive Stoff Polonium, von dem erhöhte Werte unter anderem auf Arafats Unterhose gefunden wurden, zersetze sich schnell, sagte Bochud dem Schweizer "Tagesanzeiger". Da Arafat sich in einem Mausoleum befinde, sei anzunehmen, "dass sein Körper in einem vergleichsweise guten Zustand ist", sagte der Experte des Lausanner "Institut de radiophysique". Das Polonium habe sich aber seit Arafats Tod 2004 schon zu einem großen Teil zersetzt. "Diese Tatsache erschwert eine weitere Untersuchung, auch wenn sie bald erfolgt."

Die palästinensische Autonomiebehörde hatte einer Exhumierung Arafats am Mittwoch grundsätzlich zugestimmt. Es ist allerdings noch unklar, ob und wann dies geschehen soll. Die Palästinenserbehörde hat Israel schon mehrfach beschuldigt, Arafat vergiftet zu haben. Israel weist jede Verantwortung für den Tod entschieden zurück. Die israelische Regierung versicherte, die Untersuchung von Arafats Leichnam nicht behindern zu wollen. Der Palästinenserführer war im November 2004 in einem Militärkrankenhaus bei Paris gestorben. Die Todesursache konnte damals nicht eindeutig geklärt werden.

Ein Sprecher des Instituts in Lausanne sagte am Mittwoch: "Wir sagen nicht, dass er (Arafat) mit Polonium vergiftet wurde. Das können wir nicht sagen. Wir sagen nur, dass die Ergebnisse bedeutend genug sind, um eine weitere Untersuchung zu rechtfertigen." Die in Arafats Krankenakt beschriebenen Symptome passten nicht zu einer Polonium-Vergiftung. Nur eine Untersuchung der Gebeine Arafats könne Gewissheit bringen. (APA/Reuters, 5.7.2012)

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