Gegen Gott, Rassismus und Sklaverei

5. Juli 2012, 18:00
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William Faulkner, Chronist der US-Südstaaten und Literaturnobelpreisträger, gehört zu den wichtigsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts

Wien - Der Niedergang der amerikanischen Südstaaten mit ihrer traditionell-aristokratischen Lebensform bildete in William Faulkners Romanen den Hintergrund für zahlreiche Familien- und Einzelschicksale. Die Sklaverei sah der Sohn einer prominenten Südstaatenfamilie als eine Art Urschuld an, die in Inzest und Wahnsinn, in Mord und im Ruin der großen Gutsbesitzer ihren Ausdruck finden.

Geboren wurde der Chronist der Südstaaten im September 1897 als William Cuthbert Falkner in New Albany, Mississippi. Als er fünf war, übersiedelte die Familie nach Oxford, Mississippi, wo er bis zu seinem Tod am 6. Juli 1962 lebte. Das "u" kam übrigens durch Zufall in seinen Namen. An einer seiner Arbeitsstellen wurde sein Name falsch geschrieben. Mit 25 veröffentlichte der Schulabbrecher sein erstes Buch, den Gedichtband Der Marmorfaun.

Der Humanist Faulkner war zwar von der Bibel fasziniert, aber kein gläubiger Mensch. Immer wieder haderte er mit einem Gott, der all die Ungerechtigkeiten wie Rassenschranken und Sklaverei aus der Perspektive der Weißen offenbar toleriert. Faulkner rührte gnadenlos an Tabus, nicht zuletzt deshalb musste er auf die literarische Anerkennung lange warten. Außerdem stießen sich die Leser an seinem modernen Stil.

Zwar äußerte er nach dem Erscheinen seines ersten Romans Soldatenlohn, er habe nun den Spaß am Schreiben entdeckt. Doch die Geschichte des verwundeten Soldaten, der aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrte und im Provinzmilieu die Beziehungsgeflechte durcheinanderbrachte, stieß weitgehend auf Ablehnung.

Auch vom Erlös seiner späteren Bücher konnte der begeisterte Jäger sein Anwesen Rowan Oak in Oxford nicht finanzieren. Selbst die zeitweise Zusammenarbeit mit Howard Hawks, für den er an den Drehbüchern von Raymond Chandlers Tote schlafen fest oder Ernest Hemingways Haben und Nichthaben mitwirkte, änderte nichts an seinem chronischen Geldmangel. Der verschwand erst 1950 mit dem Literaturnobelpreis.

Schon 1949 hatte er als Anwärter auf diese Auszeichnung gegolten, doch einige Juroren stimmten gegen Faulkner; im Jahr darauf wurde er dann einstimmig gekürt.

Inspirieren ließ sich Faulkner, der schon als kleiner Bub Shakespeare, Conrad oder Balzac las, von der europäischen Moderne; von James Joyce, dem er in Paris persönlich begegnet war, oder auch von Virginia Woolf.

Die mehrfache Personenperspektive, der innere Monolog, die Technik des Bewusstseinsstroms sind kennzeichnend für Romane wie Schall und Wahn oder Licht im August. Sie alle erzählen vom Verfall stolzer Familien, von den Zwängen der Konvention und einer schuldhaften Vergangenheit. Sie zeigen aber auch die mühsame Suche nach einer neuen Identität nach verlorenem Bürgerkrieg und Abschaffung der Sklaverei.

Faulkner begriff den "Fluch, der auf dem Süden lastet", nicht als historisches Fatum, sondern als sichtbares Zeichen der menschlichen Schuld. Damit öffnete sein Werk eine metaphysische Dimension, das Gute und das Böse existieren als gleichwertige absolute Prinzipien.   (Wolf Scheller, DER STANDARD, 6.7.2012)

Siehe dazu:
Addies abschüssige Reise in die Unterwelt
Zur Neuübersetzung von William Faulkners frühem Meisterwerk "Als ich im Sterben lag"

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    William Faulkner schrieb gegen Rassismus und Sklaverei an.

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