Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Fledermäuse werden von Windrädern nicht etwa "zerhäckselt". Sie sterben vielmehr an einem sogenannten Barrotrauma. Viele der Opfer stammen aus dem Nordosten Europas.
Windkraftanlagen können nicht nur lokal Auswirkungen haben; bisweilen zeigen sie auch Folgen für weit entfernte Ökosysteme. Forscher des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin konnten nachweisen, dass Fledermäuse, die an Windrädern in Deutschland zu Tode kommen, vor allem aus dem osteuropäischen Raum stammen.
Die Forscher untersuchten vier Fledermausarten, die regelmäßig an Windkraftanlagen in Deutschland verunglücken. Sie führten ihre Untersuchung an Standorten in vier Bundesländern durch. Fledermäuse sind von besonderem Interesse, weil sie eine wichtige regulierende Funktion für Ökosysteme haben und Populationen von Schadinsekten in Schach halten. Außerdem ziehen viele Arten im Frühjahr und Herbst zwischen Fortpflanzungs- und Überwinterungsgebieten durch ganz Europa.
Wasserstoffisotope verraten die Herkunft
Die Forscher analysierten das Verhältnis der Wasserstoffisotope im Fellkeratin der Tiere. Vom Wasserstoff gibt es zwei stabile Varianten (Isotopen), die zwar annähernd dieselben chemischen Eigenschaften haben, sich aber im Atomgewicht unterscheiden. Die Verteilung der Wasserstoffisotope ist in Europa regional unterschiedlich, der Anteil des "leichten" Wasserstoffisotops steigt von Süd nach Nord stetig an. Da Säugetiere die lokalen Wasserstoffisotope in ihr Keratin einbauen, hat jedes Tier eine Art Isotopen-Fingerabdruck in seinem Fell. Deshalb können Forscher über das Verhältnis der Isotope im Fell die Region ermitteln, in der sich die Tiere die letzten Monate aufgehalten haben.
Dabei fanden sie heraus, dass beispielsweise die in Deutschland verunglückten Rauhautfledermäuse fast ausschließlich aus dem Baltikum und Weißrussland kamen. Auch Exemplare des Großen und des Kleinen Abendsegler mussten ihre Reisefreudigkeit mit dem Leben bezahlen, sie kamen ebenfalls aus dem Norden und Osten, also aus Skandinavien oder dem Baltikum. Hingegen stammten die gefundenen Zwergfledermäuse aus den Regionen rund um die Anlagen.
Problematische Fortpflanzungsrate
Studien besagen, dass jährlich mehr als 200.000 Fledermäuse an deutschen Windkraftanlagen verunglücken. Wildtierbiologen warnen, dass diese Verluste empfindliche Lücken in die fernen Populationen reißen. "Fledermäuse haben eine geringe Fortpflanzungsrate, sie bekommen nur ein bis zwei Jungtiere pro Jahr", sagt Christian Voigt vom IZW. Von zusätzlichen Unglücksfällen kann sich eine Fledermauspopulation daher nur langsam, wenn überhaupt, erholen.
Voigt hält deshalb mehr Absprachen zwischen der EU und den östlichen europäischen Ländern für dringend nötig. Die internationalen Regularien zum Schutz von ziehenden Arten kämen in diesen Fällen noch nicht genügend zum Tragen. Deutschland sieht Voigt zudem in einer besonderen Pflicht, da die sogenannte grüne Energiewende durch den vorangetriebenen Ausbau von Windkraftanlagen negative Konsequenzen auf weit entfernte Ökosysteme in Nordosteuropa haben könnte.
Insgesamt verzeichnen Umweltschützer und Wissenschafter eine steigende Zahl von Fledermaus-Todesfällen an Windkrafträdern. Das liegt unter anderem daran, dass die Anlagen zunehmend in Wäldern "versteckt" werden, weil sie in der offenen Feldflur ungern gesehen werden. Die Rotorblätter befinden sich dann näher an den Baumkronen, so dass Fledermäuse bei der nächtlichen Jagd leichter in deren Einzugsbereich geraten können.
Druckschwankungen töten die Fledermäuse
Seit kurzem wissen Forscher auch, wie Fledermäuse an den Anlagen zu Tode kommen: Die Tiere werden nicht wie allgemein angenommen durch die Rotorblätter "zerhäckselt". Sie sterben vielmehr an einem sogenannten Barotrauma. Dabei platzen ihre Lungen und inneren Organen, weil durch Verwirbelungen hinter den Rotorblättern starke Druckschwankungen entstehen.
Das Problem der Fledermausunfälle ließe sich eigentlich einfach lösen, so Voigt. Die Anlagen müssten in der Abenddämmerung, wenn der Wind sowieso meist abflaut, für ein bis zwei Stunden ausgeschaltet werden; vornehmlich während der Zugzeit der Fledermäuse. Dies würde die Zahl der Todesfälle vermutlich drastisch senken und nur geringe Gewinneinbußen bei den Betreibern zur Folge haben. Voigt ist überzeugt: "Wir benötigen eine intelligente Energiewende, mit möglichst wenig Schaden für Mensch und Wildtier." (red, derstandard.at, 8.7.2012)
Abstract
Biological Conservation: The catchment area of wind farms for European bats: A plea for international regulations
US-Forscher untersuchten Fossilien auf Muskelansätze und schlossen aus diesen auf die bevorzugten Bewegungen der Tiere
Maßnahme Spaniens zeigt offenbar Wirkung
Boku-Studie: Würmer im Boden und Artenvielfalt senken Schäden durch Schnecken um bis zu 60 Prozent
Zum Tauchen optimierte Flügel verursachen in der Luft hohen Energieaufwand
Während sie anderswo gefährdet sind, gibt es in den Reservaten Südafrikas zu viele Elefanten - Mittlerweile hat man den Kühen bereits die Verhütung verordnet
US-Forscher entdecken neue Prinzipien der Fortbewegung in Tunnelsystemen
Sender hat keinen Empfang, vermutlich bewegt sich "Herwig" derzeit in einem Funkloch
Aktuelle Daten zeigen: Worst-Case-Szenarien bei der Erderwärmung in diesem Jahrhundert eher unwahrscheinlich
Knochen waren ein Jahrhundert lang verkannt worden - nun als neue Art identifziert
Mit dem schnelleren Verfahren lässt sich der genaue Familienstammbaum der Zellen auf einfache Weise rekonstruieren
Forscher wollten feststellen, ob Regionen mit bedrohten und besonders schützenswerten Populationen auch ausreichend unter Schutz stehen
500 Millionen Jahre alter Gliederfüßer nach Hollywoodstar benannt
Moskitos, die keine Plasmodien in sich tragen, lässt der Geruch von Menschen dagegen eher kalt
Die acht eigentlichen Mitgliedsländer nehmen sich der Ölverschmutzungen im Norden an
Indirekter Effekt: Grizzlybären verschmähen neue Fischart und konzentrieren sich verstärkt auf junge Wapitis - Dies könnte gesamtes Nahrungsnetz verändern
Maßnahme soll Regenwäldern zugute kommen
Pumpende Bewegungen verschaffen den Straußenkorallen entscheidenden Vorteil gegenüber den gefährdeten Steinkorallen
Freiburger Forscher untersuchten Proteine, die in einer Bakterienzelle die Struktur des Erbguts sichern
Der Soufrière Hills auf Montserrat brach 1995 nach 300-jähriger Ruhephase aus und kommt seitdem nicht mehr zur Ruhe
Vorträge, Filmvorführungen, Labor- und Gartenbesichtigungen schon ab Mittwoch in Österreich
Wiener Verhaltensforscher untersuchten Untreue und Vaterschaft beim Teichrohrsänger
Symposium über "Synthetische Biologie" am Dienstag in Wien
Forscher holten aus 2,4 Kilometern Tiefe Wasser aus dem Präkambrium - Nun hoffen sie auf Nachkommen von Mikroben aus der Anfangszeit des Lebens
Tiere wachsen auch dann , wenn CO2-Konzentrationen jenen entsprechen, die wir für das Jahr 2100 erwartet werden
"Apothekerfrösche", die einst für Schwangerschaftstests verwendet wurden, verbreiteten den tödlichen Chytridpilz global
es gibt schon windräder, die man in städte, auf wohnhäusern integrieren kann. Das wäre jedenfalls sinnvoller, als die Windräder in Wälder und in die Natur zu verpflanzen.
Auch Wasserkraftwerke zerstören Umwelt und Fischbestand. Es ist immer eine Frage, wie die Technik mit der Umwelt umgeht. Und vielen Menschen fehlt das Feingefühl bzw. ist es vielen egal. Man kann Technik so gestalten, dass es der Umwelt nicht bzw. fast gar nicht schadet, aber das erfordert auch viel Aufwand.
und ökologisch entbehrliche Tiger.
die haben keine Lobby gegen die ökologischen Naturschützer.
Aber den Segen für die Menschen, dass sie so viele Insekten vernichten, zählt da nicht, denn das alles spielt sich im Dunkeln ab.
Die britische Royal Society for the Protection of Birds hat sich mit dem Problem (gut, nicht Fledermäuse sondern Vögel, wahrscheinlich sind die Auswirkungen, wenn auch nicht 1:1 vergleichbar, doch ähnlich) auseinandergesetzt und sie sehen die Sache weniger dramatisch:
http://www.treehugger.com/renewable... rbine.html
Konkret zu Fledermäusen gibt es hier eine sehr gute Broschüre, die sich objektiv und mit Zahlen mit dem Problem auseinandersetzt, allerdings nur für einzelne Standorte.
http://www.rp.baden-wuerttemberg.de/servlet/P... dkraft.pdf
Man kann dabei übrigens herauslesen, dass wir über eine Beeinträchtigung der Mortalitätsrate um unter 0,5% sprechen...
dachte schon ich muss wieder was hinschreiben, dass das maßlos übertrieben wird mit den angeblich für Flugtiere so gefährlichen Windräder. Gegenüber dem was wir täglich mit Glaspalästen (bei Fledermäusen natürlich nicht relevant), Autos. Leitungen und Haustierhaltung (Katzen) an Flugtieren töten sind Windräder so ziemlich das harmloseste. Von indirekten Auswirkungen wie durch Öl-, Gas und Kohleabbau zerstörte Lebensräume, Luftverschmutzung (Quecksilber bei Kohle) und Wasserverschmutzung die die Tiere dahinrafft ganz abgesehen.
hm...sicher nicht optimal, das dies passiert.... ABER man sollt emal nachdenken, was z.b. bei einem Gaskraftwerk so alles gekillt wird.... in Holland wurde vor kurzem ein Kraftwerk eröffnet wo tausende Fische tag für tag mit dem kühlwasser angesaugt, abgesondert und dabei getötet und wieder "rückgeführt" werden.... auch der eine oder andere seevogel (Reiher etc..) wird mit eingesaugt....
Da du extra auf ein holländisches Beispiel zurückgreifen mußtest, ist das aber sicher nicht der Regelfall. Und würde sich vermutlich auch dort abstellen lassen.
Was bei dem Thema oft zu wenig berücksichtigt wird ist die Relation: Ein großes kalorisches Kraftwerk (1 GW) erzeugt im Jahr etwa so viel Strom wie 2000 große Windräder á 2 MW.
Auch wenn Bedenken wie Vogel- und Fledermausschutz bei einem einzelnen Windrad oder sogar bei einem einzigen Windpark noch lächerlich klingen mögen: Wenn es in die Tausende und Zigtausende geht, sieht die Sache schnell mal anders aus.
Allfällige Schäden sollten natürlich auf die erzeugte kWh bezogen werden.
Was zählt ist die gelieferte Energie in MWh. Und diese soll wennmöglich auch dann geliefert werden wenn man sie braucht und nicht wenn Gott so will. Und der Wille Gottes ist halt mal sehr unterschiedlich zu dem des Menschen.
Windkrafträder liefern statistisch gesehen in D nur zwischen 17% und 20% der Zeit ihre Nennleistung, bei kalorischen Kraftwerken sind es zwischen 80% und 90%.
Damit Windkraft im Jahr so viel Strom erzeugt wie ein 1GW thermisches Kraftwerk müssen sie also 4* so viel Leistung installieren.
Ich habe diese Gleichungen kommentarlos hingeschrieben. Ich denke nicht, dass diese Gleichungen falsch sind. Vielleicht tun Sie sich mit SI-Präfixen schwer.
2.000.000 * 2.000 = 4.000.000.000
1.000.000.000 / 2.000 = 500.000
Die Rechnung von WBR ist selbstverständlich richtig.
Ich habe nie das Gegenteil behauptet.
Meine Rechungen sollten lediglich die Relevanz des Auslastungsfaktors verdeutlichen, welcher ganz nebenbei, kein Geheimnis ist.
Ich gebe gigngogn recht: wenn das wirklich deine Absicht war, dann ist sie danebengegangen.
Die Relevanz des Auslastungsfaktors (Volllaststunden) mag kein "Geheimnis" sein, sie wird aber in Postings und sogar Artikeln immer wieder unterschlagen. Entweder aus Unwissenheit oder für Propagandazwecke.
"PV erzeugt so viel Strom (GW) wie 20 Atomkraftwerke" klingt natürlich z.B. wesentlich imposanter als "PV erzeugt so viel Strom (TWh) wie das Kernkraftwerk Grundremmingen".
Aber wenn doch am Abend kaum Wind herrscht, dann bewegt sich ein Windrad doch kaum. Und dann gibt es auch kaum "Verwirbelungen" hinter dem Windrad, die den Fledermäusen schaden könnte.
Die Logik stimmt hier nicht.
Windrad im Wald ist auch nicht logisch, denn der Wald bremst doch den Wind ab.
Nix logisch hier.
Aber ich möchte nicht wissen, wie viele Tiere durch nicht-ökologische Stromgewinnung verenden - einschließlich des Menschen.
Verbesserungen wie beschrieben ließen sich sicherlich einfacher durchführen, als AKWs und Kohlekraftwerke unschädlich zu machen.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.