Lock-out: Das Grauen für jeden Sportfan

In der Vergangenheit kam es bereits mehrmals vor, dass eine Liga ihren Betrieb für eine längere Zeit aussetzte

Geld regiert die Welt. Auch den Profisport hat der Mammon fest im Griff. Jahr für Jahr wechseln etliche Millionen Euro am Fußballtransfermarkt ihre Besitzer. Allein die Top-Ten-Transfers der vergangenen zehn Jahre brachten rund 625 Millionen Euro zusammen, wovon 94 Millionen allein für den Wechsel von Cristiano Ronaldo aufgewendet wurden. Doch nicht nur im Fußball werden Geldmengen umgesetzt, bei denen jedem Ottonormalverbraucher schwindlig wird, sondern mittlerweile auch in etlichen anderen Sportarten.

In den hochdotierten amerikanischen Ligen ist man sich schon seit geraumer Zeit dieses Problems bewusst. So wurde in der National Basketball League bereits 1984 ein "Salary Cap" eingeführt. Diese Gehaltsobergrenze sollte dazu führen, dass die finanzstärkeren Clubs sich nicht alle Top-Spieler sichern und den Teams mit weniger Budget den günstigeren Rest überlassen. Neben der Draft-Lotterie, bei der die Mannschaften, die in der vergangenen Saison schlecht abschnitten eine höhere Chance auf den „besten“ Nachwuchsspieler haben, eine Anstrengung für mehr Ausgeglichenheit im US-Sport. Während die Major League Baseball mit einer eigenen "luxury tax" aus der Reihe tanzt, setzten auch die NFL, sowie die NHL auf besagtes Salary Cap. Für den europäischen Fußball gab es bereits Überlegungen eine solche Regelung länderübergreifend einzuführen. Befürworter sprechen von mehr Abwechslung und Vorteilen für kleinere Clubs, Kritiker hingegen von einer Ungerechtigkeit.

Bereits mehrere Lock-outs im US-Profisport

Doch auch die beste Idee kann an der Umsetzung scheitern. Im vergangenen Jahr konnten sich NFL-Club-Besitzer mit der Spielergewerkschaft (NFLPA) vor der Saison 2011/12 nicht auf ein neues "collective bargaining agreement" (CBA) einigen. Die Ecksteine dieses Vertrages sind Regelungen bezüglich der Spielergehälter (Salary Cap) und der Gewinnausschüttung. Nachdem die Verhandlungen um ein neues CBA gescheitert waren, wurde der Lock-out ausgerufen. Die Teams "sperrten" deren Spieler vom Ligabetrieb aus.  Die Football-Fans reagierten geschockt. Schnell wurden Petitionen aus dem Boden gestampft und Lock-out-Homepages eingerichtet. Nach zähen Verhandlungen und einer fünfmonatigen Liga-Pause einigten sich die zwei Streitparteien auf ein neues CBA, das einige Veränderungen vorsah. Die Fans atmeten auf, die NFL-Saison 2011/12 konnte stattfinden.

Auch die NBA fiel bereits mehrmals einem Lock-out zum Opfer. So startete die Saison 98/99 erst im Februar und umfasste statt 82 nur 50 Grunddurchgang-Spiele. Auch die Spielzeit, die im vergangenen Jahr startete, konnte erst nach einiger Verzögerung beginnen. Vorangegangen waren zum erneuten Mal Streitigkeiten um das NBA-CBA. Erst nach 161 Tagen, an denen die Spieler von den Spiel- und Trainingsstätten der Teams buchstäblich ausgesperrt wurden und auch einige Profis bereits den Weg ins Ausland angetreten hatten, kam es zu einer Einigung über ein neues CBA. Die (verkürzte) Saison 2011/12 konnte starten.

Dass es auch anders ausgehen kann, bewies die NHL. Bereits in der Saison 94/95 hatte es in der besten Eishockey-Liga der Welt ein Lock-out gegeben, das den Grunddurchgang enorm verkürzt hatte. Auch damals gab es Differenzen um das CBA. Die New Jersey Devils holten sich in der damaligen Saison den Stanley-Cup. Keinen Gewinner des begehrten Eishockey-Titels gab es in der Saison 2004/05. Bereits einige Zeit zuvor hatte es sich bereits abgezeichnet, dass es massive Schwierigkeiten bei den CBA-Verhandlungen vor besagter Saison geben würde. Die Vorstellungen der Liga und der Spielergewerkschaft (NHLPA) waren zu konträr und so setzte ein Lock-out ein, der die komplette Saison überdauerte. Die europäischen Clubs profitierten von den "günstigen" NHL-Profis und auch in der EBEL liefen so manche Spieler auf, die in der vergangenen Saison noch in der höchsten Spielklasse den Puck hinterherjagten. Erst am 22. Juli 2005 kam es zu einer Einigung über ein neues CBA, das die Spielergehälter direkt an die Liga-Gewinne knüpfte.

Derzeit CBA-Verhandlungen für die kommende NHL-Saison

Das CBA, das nach dem Lock-out im Jahr 2005 beschlossen wurde, läuft am 15. September 2012 aus. Die ersten Gespräche fanden bereits statt. Die NHL-Verantwortlichen werden versuchen den Gehalts-Prozentsatz für Spieler, der sich aus den Liga-Einnahmen zusammensetzt zu mindern, während die Vertreter der NHLPA ein reformiertes Salary Cap anstreben, das die kleineren Clubs begünstigen soll. Der Liga geht es im Moment prächtig, jedes Jahr veröffentlicht die beste Eishockey-Liga der Welt Rekordgewinne. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Fronten nicht derart verhärtet sind wie vor 2005. Auch wenn es um Finanzen geht, bei einem Lock-out gehören die Sportfans zu den größten Verlierern. (Daniel Koller, derStandard.at, 5.7.2012)

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