Nächste Station einer verrückten Saison

5. Juli 2012, 19:02
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Am Sonntag wird in Silverstone der Grand Prix von Großbritannien gegeben. Es handelt sich um das neunte von heuer 20 Rennen um die Formel-1-WM. Die Kundigen favorisieren Red Bull

Silverstone - Der spanische Ferrari-Pilot Fernando Alonso beendete zuletzt in Valencia mit seinem zweiten Saisonsieg eine seltsame Serie und übernahm die WM-Führung. Zuvor hatte es in sieben Rennen sieben verschiedene Sieger gegeben. Alonso, im Vorjahr in Silverstone erfolgreich, sammelte in den vergangenen 20 Rennen stets Punkte. Den diesbezüglichen Rekord hält Großmeister Michael Schumacher. Der siebenfache Weltmeister punktete einst in 24 Rennen en suite.

Mit 111 Zählern führt der zweifache Weltmeister Alonso die Gesamtwertung vor Mark Webber (91), Lewis Hamilton (88) und Sebastian Vettel (85) an. " Es gibt nichts, worauf wir schon stolz sein können", sagt Alonso. Und Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo ist ebenfalls fern von Euphorie: " Ich bin beunruhigt und das sollten wir alle sein. Um auch in Zukunft zu gewinnen, müssen wir mehr tun." Die einem neuen Unterboden zugeschriebene Überlegenheit von Vettel in Valencia hat die Konkurrenz ziemlich erschreckt. Das neue Technikpaket von Design-Guru Adrian Newey machte den RB8 auf Anhieb viel schneller.

Vettel und der Juli

Die Kundigen rechnen in Silverstone mit der neuerlichen Dominanz von Red Bull. Zu überlegen war Vettel in Spanien gewesen, ehe ihn eine kaputte Lichtmaschine stoppte. Zudem will der Weltmeister endlich der Saison seinen Stempel aufdrücken und auch den Juli-Fluch brechen.

Auch das ist seltsam: Noch nie in seiner beeindruckenden Formel-1-Karriere hat der amtierende Doppelweltmeister aus Deutschland ein Rennen im Juli gewonnen. Fünf Tage nach seinem 25. Geburtstag soll diese Serie in der britischen Heimat des Motorsports, die für acht der zwölf Formel-1-Rennställe ein Heimspiel ist, enden. Danach gibt es im Juli noch Gelegenheiten in Hockenheim und Budapest.

"Diese Saison ist so verrückt, das wird jetzt nicht aufhören", glaubt der Red-Bull-Pilot vor dem Klassiker in Mittelengland, mit dem nach drei Straßenrennen in Folge ein Kurs mit vielen schnellen Kurven wartet. Nirgendwo sind die Fliehkräfte so hoch wie auf dem seit dem Umbau 5,891 Kilometer langen Kurs, Copse Corner wird mit 290 km/h bei 5 g genommen.

Auf dem ehemaligen Militärflughafen hat am 13. Mai 1950 (Sieger Giuseppe Farina) die Geschichte der Formel-1-WM begonnen. Der britische Grand Prix ist neben Italien das einzige Rennen, das immer im Kalender aufschien. Er fand auch in Aintree und Brands Hatch statt, Silverstone ist heuer zum 46. Mal Austragungsort. "Diese Strecke ist eine der besten und die Fans sind allesamt Experten", sagt Vettel. "Alles hier ist anspruchsvoll. Sogar das Wetter, das selbst im Juli einfach unvorhersagbar ist."

Unvorhersehbar ist auch die Zukunft von Michael Schumacher bei Mercedes. Sein Vertrag läuft nach dieser Saison aus, sein Team würde mit dem Rekordchampion offenbar gern und bald verlängern. Sein Teamchef und langjähriger Wegbegleiter Ross Brawn forderte kürzlich Schumacher öffentlich zu einer raschen Entscheidung auf. "Ich glaube nicht, dass ich jemals über die Zeit gesprochen habe", sagte Schumacher, der zuletzt in Valencia als Dritter zum ersten Mal in seiner zweiten Karriere aufs Podium gefahren war. (dpa, Reuters, bez, DER STANDARD, 5.7.2012)

  • Der Spanier Fernando Alonso gewann in der bisher so abwechslungsreichen Saison als Einziger zwei Rennen. Dennoch sagt der Ferrari- Pilot: "Es gibt nichts, worauf wir schon stolz sein können."
    foto: epa/srdjan suki

    Der Spanier Fernando Alonso gewann in der bisher so abwechslungsreichen Saison als Einziger zwei Rennen. Dennoch sagt der Ferrari- Pilot: "Es gibt nichts, worauf wir schon stolz sein können."

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