Substanzen für Medikamentenresistenz bei Krebs identifiziert

5. Juli 2012, 13:07
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Wenn bestimmte Krebsmedikamente nicht wirken, kann das an körpereigenen Substanzen aus dem Umfeld von Tumoren liegen

Washington - Körpereigene Substanzen aus dem Umfeld von Tumoren könnten die Ursache dafür sein, dass bestimmte Krebsmedikamente nicht mehr oder nicht so gut wirken.

Im Fachjournal Nature veröffentlichten jetzt US-Forscher ihre Erkenntnisse dazu. Die Gruppe um Todd Golub vom Broad Institute in Cambridge (US-Staat Massachusetts) identifizierte beispielsweise Wachstumsfaktoren als Resistenz-Kandidaten. Bei bestimmten Formen von Melanomen hat dies womöglich Auswirkungen auf die Therapieempfehlungen: Das Team rät, dann eine Kombinatioinstherapie anzuwenden.

Konkret befassten sich die Wissenschafter mit Tumoren mit einer Mutation im BRAF-Gen. Die von diesem Gen codierten Eiweiße spielen eine Rolle beim Zellwachstum, sie werden mit verschiedenen Krebsarten in Verbindung gebracht. In den vergangenen Jahren wurden Therapien dagegen entwickelt und beispielsweise bei Schwarzem Hautkrebs eingesetzt. Laut Studienautoren sind die Präparate zwar wirksam, der Tumor komme aber oft nach sechs Monaten Behandlung zurück. 

Wahrscheinlichster Kandidat: Wachstumsfaktor HGF

"Wir können Krebszellen von einem Hautkrebspatienten nehmen, sie in ein Behältnis geben, und meistens stellt sich heraus, dass sie extrem empfindlich gegen die zielgerichteten Substanzen sind, aber das ist nicht das, was wir bei Patienten beobachten", wird Autor Ravid Straussman in einer Mitteilung zur Studie zitiert. Dass die meisten Patienten nur teilweise auf das Präparat reagierten, müsse an Stoffen liegen, die im Umfeld der Tumoren produziert würden.

Das Team untersuchte mehr als 500 Proteine, die für eine solche Medikamentenresistenz infrage kommen. Als wahrscheinlichster Kandidat erwies sich der Wachstumsfaktor HGF (englisch, abgekürzt für Hepatocyte Growth Factor). Daraufhin untersuchten die Wissenschaftler 34 Gewebeproben von Patienten und stellten fest: Tumoren von Patienten mit hohen HGF-Werten waren bei der Therapie nicht so stark geschrumpft wie die Tumoren von Patienten mit wenig HGF.

Von der Substanz werde eine Kaskade in Gang gesetzt, die zu Krebswachstum führe, schreiben die Forscher. Dagegen wurden bereits Therapien entwickelt - die aber teils noch erprobt oder noch nicht bei Hautkrebs eingesetzt werden. Künftig sei eine Kombination mehrerer Medikamente ein denkbarer Lösungsweg. (APA, 5.7.2012)

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