Jeder Körper hat seinen Kopf

  • Ist denn das nicht zu schön, um wahr zu sein? Florentina Holzinger spielt 
in "Silk" mit Schein, Sein und deren Austauschbarkeit.
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    foto: anna van kooij

    Ist denn das nicht zu schön, um wahr zu sein? Florentina Holzinger spielt in "Silk" mit Schein, Sein und deren Austauschbarkeit.

Die Impulstanz-Nachwuchsreihe [8:tension] präsentiert 14 internationale Newcomer

Wien - Wahrheiten sind oft banal. Etwa die, dass mit dem Körper alles steht und fällt - ist doch ohne ihn weder Sein noch Handeln möglich. Oder die: Jeder Körper hat seinen eigenen Kopf.

Dieser körperliche Eigenwille beschäftigt Christine Borch in the body that comes, mit dem sie am 13. und 15. Juli die diesjährige [8: tension]-Reihe eröffnet.

Zum zweiten Mal zeichnet das Nachwuchsformat junge Choreografen mit dem Prix Jardin d'Europe aus. Borch ist mit ihrer Bewegungsstudie nur eine von 14 Bewerberinnen um den bestdotierten Nachwuchstanzpreis Europas.

Ebenfalls am 13. und 15. Juli fordert das skandinavische Trio Jefta Van Dinther, Minna Tiikkainen und David Kiers seine Zuschauer mit der Synästhesie aus Sound, Tanz und Licht, Grind, heraus. Weniger Licht braucht Naoko Tanaka. Sie ist Die Scheinwerferin, leuchtet dem Publikum mit Taschenlampe und kleiner Puppe den Weg durch ihre Welt. An denselben Tagen wie Tanaka, nämlich am 17. und 19. Juli, ist der Beitrag von Raul Maia und Thomas Steyaert zu sehen: The Ballet of Sam Hogue and Augustus Benjamin. Sprechen ohne Worte - mit dem Körper eben.

Auch in der Folge ist (Körper-) Kommunikation in all ihren Schattierungen ein Thema: Azra Ibrahimovic, Aleksandar Georgiev und Jovana Rakic Kiselcic geben ein Concerto for three bodies. Die finnischen Choreografinnen Eeva Muilu und Milja Sarkola beschäftigen sich in In Human Disguise mit dem nackten Körper als Hülle und (Ab-)Bild des Menschen, ja, der Conditio humana selbst.

Florentina Holzingers Silk setzt nicht beim Darunter, sondern beim Darüber, der Hülle, an - oder vielmehr bei der Frage, was eigentlich Schein ist, was eine Täuschung und was echt. Und ob nicht am Ende das eine zum anderen werden kann? Hardcore ist zu erwarten bei Holzinger, das hat sie schon in früheren Performances bewiesen.

Was bei ihr provokativen und bisweilen Körperflüssigkeiten beinhaltenden Reiz hat, ist bei Georgia Vardarous Hardcore Research On Dance eine wissenschaftlich-konzentrierte Angelegenheit. An Kaler forscht nicht nur am eigenen Körper, zusammen mit zwei weiteren Tänzern zeigt Insignificant Others (learning to look sideways) Narzissmus, Solipsismus und andere Spielarten verhinderten Miteinanders.

Erschöpft hat sich das Angebot damit noch nicht: Fabian Barba studiert Geschichte, Sebastian Matthias den Körper. The Bandaloop spielen Superstar, für The Loose Collective muss es gleich ein ganzes Musical sein. Und Ula Sickle choreografiert das Licht. Manchmal ist der Körper dann eben einfach nicht genug. (Andrea Heinz, Sonderthema/Beilage, DER STANDARD, 6.7.2012)

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