Terrorverdächtige in London festgenommen

5. Juli 2012, 17:48
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Polizei: Razzia nicht in Zusammenhang mit Olympia - Reisebus wegen Verdachts auf Anschlag gestoppt

Drei Wochen vor den Olympischen Spielen hat Scotland Yard sechs Personen festgenommen, die Angriffe geplant haben sollen. Einen Link zu den Spielen gebe es nicht, hieß es. Doch die Lage in London ist angespannt.

 

London - Drei Verdächtige machte Scotland Yard im East End, drei weitere im Westen der Stadt dingfest. Die fünf Männer und eine Frau sollen Terroranschläge geplant haben. Der Vorfall nur drei Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele zeigt, wie groß die Nervosität in London ist - auch wenn die Razzia, bei der die Verdächtigen aufgespürt wurden, der Polizei zufolge nicht im Zusammenhang mit den Spielen steht, sondern Teil einer seit längerem geplanten Operation der Geheimdienste war.

Die Bedrohung ist den Ermittlern zufolge nicht akut gewesen, dennoch schlugen sie - angeleitet vom Inlandsgeheimdienst MI5 - zu. Donnerstagfrüh durchsuchten sie acht Wohnungen und ein Geschäftslokal in London. Ein 24-jähriger Verdächtiger wurde mit einem Elektroschocker leicht verletzt, hieß es.

Britische Staatsbürger

Die verdächtigten Personen sind zwischen 18 und 30 Jahre alt. Britische Medien berichteten ohne Nennung von Quellen über einen islamistischen Hintergrund. Bei den Verdächtigen handle es sich teilweise um britische Staatsangehörige. Bereits vergangene Woche wurden zwei Männer wegen einer ähnlichen Verdachtslage in London festgenommen.

Die Olympischen Spiele in der britischen Hauptstadt beginnen am 27. Juli (siehe Wissen). Die Sicherheitskräfte sind daher in erhöhter Alarmbereitschaft. Die ohnehin schon scharf kontrollierte Stadt wird noch strenger überwacht. In einigen Vierteln positionierten die Sicherheitskräfte so- gar Boden-Luft-Abwehr-Raketen. Diese Maßnahme soll der Gefahr von terroristischen Flugzeugangriffen auf die Spielstätten entgegenwirken. Zur Sicherung der Sommerspiele lässt die britische Regierung bereits ein Kriegsschiff auf der Themse kreuzen und hat zudem Eurofighter bereitgestellt. Insgesamt 40.000 Sicherheitskräfte werden den Verlauf der Spiele überwachen.

"Dies ist das größte Sportevent der Welt. Damit kommt automatisch eine große Verantwortung, die Sicherheit aller Beteiligten zu garantieren", sagte Innenministerin Theresa May zuletzt bei der Vorstellung der Maßnahmen. Die Anrainer der betroffenen Gebiete haben bereits gegen die Pläne der Regierung protestiert. Eine Raketenabwehr und ein möglicher Abschuss eines Flugzeugs über der britischen Metropole werden die Einwohner eher gefährden als schützen.

Im Juli 2005, einen Tag nach Bekanntgabe der Vergabe der Spiele an London, wurden in der britischen Hauptstadt bei Selbstmordanschlägen von Islamisten auf U-Bahnen und einen Bus 52 Menschen getötet.

Ebenfalls am Donnerstag wurde ein Reisebus mit 48 Fahrgästen an Bord auf dem Weg von Preston nach London von der Polizei gestoppt und geräumt. Einer der Fahrgäste habe sich verdächtig verhalten. Nach Medienberichten hatte der Mann im Bus eine Flüssigkeit in eine Tasche gefüllt, aus der Rauch aufstieg. Die Polizei stoppte den Bus an einer Mautstation und evakuierte das Fahrzeug.

Die Autobahn, eine der meist befahrenen Straßen Großbritanniens, wurde weiträumig abgesperrt. Der Überlandbus wurde in sicherem Abstand zu der Mautstation auf dem Seitenstreifen abgestellt. Ein Zusammenhang zwischen dem Zwischenfall und der Festnahme von sechs Terrorverdächtigen in London besteht nach Auskunft der Polizei nicht. (red/DER STANDARD, 6.7.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Polizei vor einem Haus in Ostlondon, das am Donnerstag untersucht wurde. 

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