Gefahren beim Sandspielen am Strand

6. Juli 2012, 06:06
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An Sandstränden sollten Kinder höchstens knietief graben, rät Hans-Georg Krenmayr von der Geologischen Bundesanstalt

Der tragische Tod des zehnjährigen Sebastian auf der Insel Amrum ist geklärt: Die Polizei hat nach der Obduktion bestätigt, dass der Bub beim Spielen im Sand in ein Loch gefallen ist, verschüttet wurde und erstickt ist. Dass es immer wieder zu tödlichen Unfällen im Sand kommen kann und worauf zu achten ist, erklärt Hans-Georg Krenmayr von der Geologischen Bundesanstalt.

Vorsicht bei feuchtem Sand

Vor allem Kleinkinder sollten beim Spielen im natürlichen Sand immer beaufsichtigt werden, rät Krenmayr. Besondere Vorsicht ist beim Graben von Löchern geboten. Durch die lockere Lagerung und unterschiedliches Materialgemisch könnten sich am Rand von Löchern und Gruben mehrere Kubikmeter Sand lösen. Wer in eine solche Lawine gerät, wird schnell verschüttet und kann sich selbst meist nicht mehr befreien.

"Grundsätzlich ist etwa das Begehen von Sanddünen weitgehend ungefährlich, wenn diese nicht durch Abgrabungen oder natürliche Erosion stark abfallen", so Krenmayr. "Gut sortierte, also sehr gleichkörnige Sande, wie diese typischerweise an Sandstränden vorkommen, haben in trockenem Zustand eine sehr geringe Standfestigkeit. Das heißt, dass beim Graben in trockenem Sand nur sehr flache, also ungefährliche Böschungswinkel erzeugt werden können."

Gefährlich könne es hingegen werden, im feuchten Sand zu graben. Es könnten steilere Winkel entstehen, unter denen der Sand ganz plötzlich nachgeben kann. "Kinder sollten also in feuchtem Sand nicht tiefer als knietief graben, denn an Sandstränden ist der Sand in der Regel bereits ab einer sehr geringen Tiefe durchfeuchtet", so Krenmayr. Sandflächen, die leicht nachgeben oder an der Oberfläche feucht aussehen, sollte man auf jeden Fall meiden.

Gefahr von Treibsand

Prinzipiell gilt: Treibsand kann überall entstehen, wo Wasser und feiner Sand vorkommen - an Sand- und Kiesgruben, an Flussläufen, an Seeufern und Stränden. Wie auf Planet Wissen berichtet wird, verfügt Sand über ein großes Porenvolumen, wodurch viel Wasser aufgenommen werden kann. Ist der Sand mit Wasser gesättigt, stützen sich die locker gelagerten Sandkörner gegenseitig ab. Wenn solche Sandschichten aber durch Erschütterungen in Schwingung geraten, tritt das Waser aus den Porenräumen aus, der Sand verliert den Zusammenhalt und kann sich regelrecht verflüssigen.

Wer eine solche Sandfläche betritt, sinkt unweigerlich ein. Die Sandkörner verbinden sich nicht mehr mit dem Wasser, sinken blitzschnell wieder ab und wirken wie ein Schraubstock. Selbst wenn man nur knietief feststeckt, ist es fast unmöglich, sich aus eigener Kraft zu befreien. Ein vollständiges Versinken von Erwachsenen ist zwar so gut wie unmöglich, ohne professionelle Hilfe ist eine Rettung aber ausgesprochen schwierig. Wer feststeckt, sollte sich so wenig wie möglich bewegen, da der Sand nach einiger Zeit zur Ruhe kommt und der Körper leicht aufgetrieben wird. (dare, derStandard.at, 5.7.2012)

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    An Meeresstränden ist der Sand oft schon knapp unterhalb der Oberfläche durchfeuchtet.

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