E-Control-Vorstand für Verpflichtung zur Effizienz

5. Juli 2012, 09:35

Für die Energiewende spielen nach Ansicht von Martin Graf mehr Energieeffizienz und ein neues Marktdesign eine zentrale Rolle

Wien - Für die Energiewende in Europa spielen nach Ansicht von E-Control-Vorstand Martin Graf mehr Energieeffizienz und ein neues Marktdesign, das derzeit in Diskussion ist, eine zentrale Rolle. Energieeffizienz sei der Schlüssel zum Erreichen der europäischen Energie- und Klimaziele bis 2020, sagte E-Control-Vorstand Martin Graf. Die Energiewende in Europa werde es aber nicht zum Nulltarif geben.

Klar sei, dass Kosten verursacht werden. Auf konkrete Zahlen, um wie viel der Strom teurer werden könnte, wollte sich Graf nicht festlegen. Im Netzbereich könne man mit Erhöhungen rechnen, die Energiepreise hingen von sehr vielen Parametern ab. Wichtig seien daher die Koordinierung auf europäischer Ebene und welches Marktdesign in Europa letztendlich zur Anwendung komme. Von großer Bedeutung sei eine Energiewende "in einem Guss".

Neue Dimension

Der künftige Energiemarkt in Europa werde eine neue Dimension haben, mit geänderten Lastflüssen und geänderten Standorten. Und auch der Verbraucher werde stärker eingebunden, etwa über "intelligente" Stromzähler (Smart Meter). Mehr Kommunikation werde nötig sein. Graf erwartet angesichts höherer Datenvolumina auch eine stärkere Verzahnung von Energie und Telekom.

Gerade am Beginn müsse aber Geld für Investitionen in die Hand genommen werden. In Österreich würden bis 2020 allein in die Stromnetze in Summe 8 Mrd. Euro investiert. Davon entfielen rund 2 Mrd. Euro auf die Übertragungsnetze, 1 Milliarde auf die Integration erneuerbarer Energien, 1 Milliarde Euro auf die Smart-Meter-Einführung sowie jährlich rund 500 Mio. Euro auf die - auch bisher getätigten - Erweiterungen und Revitalisierungen im Verteilnetz.

Die Energienetze unterliegen dem regulierten Bereich: Die Netztarife, die die Stromkunden zahlen müssen, werden von der Regulierungsbehörde E-Control nach Prüfung der Angaben der Netzgesellschaften festgesetzt. In den vergangenen Jahren waren die Netztarife, die bei den Haushaltskunden durchschnittlich rund 30 Prozent der Stromrechnung ausmachen, relativ stabil.

Für Verpflichtung zur Energieeffizienz

Bei der Umsetzung der EU-Vorgaben zur Energieeffizienz sieht Graf hierzulande ein heterogenes Bild. Die Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz müssten in Österreich verpflichtend und bundesweit einheitlich sein und Sanktionsmechanismen eingeführt werden, betonte E-Control-Vorstand Martin Graf.

Der neuen EU-Energieeffizienz-Richtlinie zufolge müssen die Energieversorger sicherstellen, dass pro Jahr 1,5 Prozent des Energieabsatzes ihrer Kunden eingespart werden müssen. Bis zum Jahr 2020 soll es somit zu einer Erhöhung der Energieeffizienz um 20 Prozent kommen.

Der Energieverbrauch in Österreich lag laut Statistik Austria 2010 bei dem bis dato höchsten Wert von 1.119 Petajoule (PJ), ein Plus von 5,6 Prozent gegenüber 2009. Rückgänge beim Energieverbrauch gab es in den Krisenjahren 2008 und 2009. Dem Arbeitsentwurf zum Energieeffizienzgesetz zufolge, der Anfang März von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V) präsentiert worden war, soll der heimische Verbrauch bis 2020 nicht mehr als 1.100 PJ betragen - das ist der Energieverbrauch des Jahres 2005. Wichtig sei eine Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch.

Berücksichtigung des Verkehrs

Nicht einbezogen in die Energieeffizienzmaßnahmen ist der Verkehr, obwohl er rund ein Drittel des energetischen Endverbrauchs ausmacht. Graf spricht sich für eine Berücksichtigung des Verkehrs bei der Energieeffizienzverbesserung aus. Dies sei aber ein politisches Thema. Beim dänischen Modell, das von der E-Control durchaus als Vorbild angesehen wird, gebe es entsprechende Vorgaben auch für den Verkehr. Derzeit gebe es in Österreich eine intensive Diskussion über die Beteiligung der Länder.

Für Graf ist wichtig, dass nicht nur Bundesgebäude thermisch saniert werden müssen. Ab 2014 sollten laut EU-Vorgaben 3 Prozent der gesamten Fläche von beheizten und/oder gekühlten Bundesgebäuden jährlich renoviert werden. Einiges Potenzial sieht Graf auch im mehrgeschoßigen Wohnbau. Die E-Control ist für eine verpflichtende Quote bei Wohnbausanierungen. Angerechnet werden sollen allerdings laut EU-Vorgaben Vorleistungen.

Österreich habe hier mit freiwilligen Maßnahmen bereits einige Fortschritte erzielt. Einsparpotenzial gebe es vor allem bei Klein- und Mittelbetrieben (KMU) und auch bei den Haushalten.

Verantwortlich für die 1,5-prozentige Einsparung könnten sowohl der Energielieferant als auch der Netzbetreiber sein. Die E-Control präferiert den Netzbetreiber. Der Vorteil sei, dass die Einsparungen allen Kundengruppen zuteil würden, die Verteilung fair und die Finanzierung transparent sei. Für den Lieferanten, der anders als der Netzbetreiber dem Wettbewerb ausgesetzt ist, stelle die Umsetzung der Energieeffizienz einen Geschäftsfall dar, und er könnte vorrangig auf die großen Verbraucher mit hohem Einsparpotenzial abzielen. Der Netzbetreiber soll nach den Vorstellungen der E-Control auch selber Energieberatung anbieten oder auch Dritte heranziehen.

Effizienzpotenzial bei Erzeugung

Auch bei der Erzeugung sei noch Effizienzpotenzial vorhanden, so Graf. In Österreich etwa im Bereich der Kleinwasserkraft. Die E-Control spricht sich auch für die Forcierung effizienter Kraft-Wärme-Kopplungs(KWK)-Technologien aus. In der EU-Richtlinie, auf die sich Europas Energieminister Mitte Juni geeinigt haben, wird auch eine verstärkte Verbrauchsinformation für Endkunden genannt. Vorgesehen ist unter anderem auch die Ausweitung von Smart Metering auf Fernwärme und Warmwasser vorgesehen, wenn dies technisch möglich, finanziell vertretbar und proportional zum Einsparpotenzial ist. Eingeführt werden sollen schließlich auch Energieaudits und Energiemanagementsysteme, davon sollen in Österreich Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern ausgenommen sein. (APA, 5.7.2012)

 

 

Share if you care
20 Postings
Wenn man Wirtschaftlern, die offenbar nichtmal was

von Kostenrechnung verstehen, geschweige denn von der Technologie mit der ihr Geschäft zu tun hat, so einen Posten und die Erstellung von EU-Richtlinien überlässt kommt offenbar SOWAS(!) raus: "..unter anderem auch die Ausweitung von Smart Metering auf Fernwärme und Warmwasser vorgesehen, wenn dies technisch möglich, finanziell vertretbar und proportional zum Einsparpotenzial ist."
Äh, bitte wie??
"Proportionalität besteht zwischen zwei veränderlichen Größen, wenn sie immer im gleichen Verhältnis zueinander stehen."(Wikipedia)
Also WAS soll an smartMetering PROPORTIONAL zum Einsparpotential sein? Sie smartnes der Geräte? Und heißt Potential, dass man eh nix einspart, aber man hätte das "Potential" dazu?

Oder ist vielleicht nur der Lobbyingaufwand der Smartmeter

Hersteller Proportional zu deren Gewinn? Was soll bitteschön ein Smartmeter bei Fernwärme(!) bringen? Dass die Leute nichtmehr dann heizen wenn es kalt ist, aber dafür dann wenn die Heizwärme billig ist? Oder sollen sich die Leute dann wieder selbst große Wärme pufferspeicher einbauen?(Was wohl wenn das überhaupt technisch Sinn macht wohl aufgabe des VERSORGERS wäre, der Kunde hat ja meist garkeinen Heizraum weil eben Fernwärme/große Speicher haben weniger Verluste als kleine usw.)
Von den Smartmetern beim Strom weis heute schon keiner was diese bringen sollen(ausser 1MIa€! Kosten und den totalen Überwachungstaat). Ofenbar hat da wer den Hals noch nicht voll gekriegt aber dafür das Hirn voller Sch...

Auch die "vorgeschriebenen" Einsparungen von 1,5%/Jahr sind abstrus:

Einerseits phantasiert der Herr vom GANZEN Energiemarkt(Verkehr, Heizung) gleichzeitig wirkt diese Regelung soweit ich weiss ISOLIERT auf den Strommarkt. -Was zur Folge hat, dass effiziente Wärmepumpenheizungen und leise/emissionsfreie E-Autos eher bestraft werden als gefördert.
Aber gut, der Man hat ja sowieso keine Ahnung was der "Spaß" kosten soll: "Klar sei, dass Kosten verursacht werden. Auf konkrete Zahlen, um wie viel der Strom teurer werden könnte, wollte sich Graf nicht festlegen."Er ist Betriebswirt!
Und WAS will man damit nochmal erreichen? Klima schützen? Abgase(NOx, Feinstaub einsparen). Beides bis jetzt Fehlanzeige, und wir haben die letzten Jahre schon EINIGES in Alternative Energie und "Energiesparen" investiert!

Ich wusste gar nicht dass der jetzt von den Rechtsextremen zu den Ökos gewechselt ist...

Bei den Smartmeter gibt es grosses Einsparungspotential

Nichts gegen Smartmeter in Neubauten, denn die kosten nicht viel mehr als die konventionellen.
Aber ein Nachrüsten ist nur in den seltensten Fällen sinnvoll. Über 90% der Bevölkerung wird das Konsumverhalten nicht ändern, daher ist das hinausgeschmissenes Geld.
Und es gibt auch keine Tarife wo Smartmeters Sinn machen. Erst einmal bitte die Tarife schaffen und dann dort nachrüsten wo diese Tarife auch in Anspruch genommen werden. Alles andere ist verbrennen von Geld.

Das Geld wird nicht verbrannt. Es wechselt nur den Besitzer. In diesem Fall von den Verbrauchern die die Umrüstung zahlen müssen hin zu den Smartmeter-Produzenten.

Ich fände unabhängig davon bei entsprechenden Tarifen wo man Strom zu manchen Zeiten teurer und zu anderen günstiger erhält so einen Smartmeter schon sexy.

Der Bock zum Gärtner

Das schlagt die E-Control vor, wenn sie den Netzbetreiber, der mit den Netzgebühren zum Konzerngewinn beiträgt, zum Energieberater machen will.

jaja der Smart meter die Mi´tzitant wird dann das Schnitzerl

um 3Uhr in der Früh essen und anschließend Wäsch wasche ... zwegen der Netzintegrität ...

mit dem Smart meter kost dann die Suppen mehr als das Fleisch

na das brauchen wir gerade noch,

einen e-control-chef der lauter dinge fordert, die zu preissteigerungen führen.
dem unsinn mit dem smartmeter ist er auch auf den leim gegangen.

Was der künftige Verbund-Vorstand da von sich gibt.....

Progressive Energiepreise

würden die Energieverschwendung reduzieren.

Energieeffizienz ließe sich ganz einfach erreichen: durch hohe Preise für Verschwender

Dummerweise ist das die politisch machtvolle Industrie und der Verkehr, für die der Steuerzahler ihre Bevorzugung blecht. Sogar die co²-Zertifikate kriegen die größten Verschwender dank ihrer Lobbies geschenkt, was den Sinn völlig konterkariert.

Definieren sie 'Veschwendung'. GEnau da liegt nämlich das Problem, was für den einen Verschwendung ist, ist für den anderen Komfortgewinn

Solange jeder seinen Strom selber zahlt ist alles so, wie es sein soll

Zu lange in der Sonne gewesen oder?

Naja, gegen derartig ausgefeilte Argumentation...

...ist natürlich jeder Widerspruch chancen- und sinnlos :-)

Von der Vöst zu verlangen, dass diese nicht nur

für neue Produktionsanlagen CO2 Zertifikate zahlt(nicht durch Gratis-Zuweisungen gedeckt!) sondern auch für die bestehenden würde heißen, dass man nicht nur neue Arbeitsplätze wie am Erzberg verhindert(bis zu 200(!) Arbeitsplätze) sondern auch die jetzt bestehenden ~10.000Arbeitsplätze an den Standorten Linz u. Donawitz vernichtet. -Was die Arbeiter dann machen sollen? Wahrscheinlich mit den Ökobobos "singen und tanzen"? Wäre nur nett wenn die Leute die sowas vorschlagen dann auch Name und Adresse dazuschreiben, damit die Leute wissen wo sie sich für derartige "Beschäftigung" melden sollen.

Woher nehmen Sie bitte Ihre Informationen?

Wieso zahlt der Steuerzahler bevorzugt für die Energie der Indsutrie? Warum zahlt bitte der Steuerzahler mehr für CO2-Zertifikate als Industriebetriebe? Weshalb sind Industriebetriebe die großten Verschwender von Energie? Haben Sie da bitte belastbare Fakten und Zahlen oder entspringt dieses Wissen nur Ihrer Vermutung?

Zertifikatehandelsbestimmungen:

Energieproduzenten müssen nur für wenige Prozente des emittierten Co2 Zertifikate kaufen; für den Rest (über 85 %) der Emissionen bekommen sie sie gratis!!

Wenn Sie tatsächlich die Diskussion verfolgt hätten, dann wüssten Sie allerdings,

dass die Schwerindustrie bereits sehr viel in Effizenz investiert hat und deshalb auch fast kein Potential für weitere Einsparungen hat. Das haben auch schon diverse Grünpolitiker und der "allerheiligste" Mittermayer eingeräumt. Jede weitere Verschärfung der Bestimmungen in diesem Bereich würde damit allenfalls dazu führen, dass diese Betriebe ins Ausland absiedeln um dort mit niedrigeren Umweltauflagen/größeren Emissionen dasselbe zu produzieren. Da diese Firmen aber diejenigen sind die im Aussenhandel unseres Landes Überschüsse erwirtschaften und über das Einkommen der Arbeiter und deren Lohnsteuern wesentlich zu unserem Wohlstand beitragen, würden wir uns ohne dieser Firmen erstrecht keinen Umweltschutz leisten können.

Stichwort Energieeffizients

Ich bitte die EnergieControl einmal an einem heißen Samstag auf die Mariahilferstrasse zu gehen. Man wird dort Geschäfte finden die auf 19°C gehühlt werden und auf der anderen Seite Ihre riesigen Eingangsportale den ganzen Tag offen halten.

Wenn man zum Beispiel vorm Peek&Clopenburg Eingang steht ist es draußen genau so kalt wie drinnen.

Das ist Energievernichtung die unnötig ist und verboten gehört!

Jeder kauft sich A++ Kühlschränke und C&P schmeist mit Energie um sich um ein paar Kunden mehr anzulocken.

Kein spass das

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.