E-Control-Vorstand für Verpflichtung zur Effizienz

Für die Energiewende spielen nach Ansicht von Martin Graf mehr Energieeffizienz und ein neues Marktdesign eine zentrale Rolle

Wien - Für die Energiewende in Europa spielen nach Ansicht von E-Control-Vorstand Martin Graf mehr Energieeffizienz und ein neues Marktdesign, das derzeit in Diskussion ist, eine zentrale Rolle. Energieeffizienz sei der Schlüssel zum Erreichen der europäischen Energie- und Klimaziele bis 2020, sagte E-Control-Vorstand Martin Graf. Die Energiewende in Europa werde es aber nicht zum Nulltarif geben.

Klar sei, dass Kosten verursacht werden. Auf konkrete Zahlen, um wie viel der Strom teurer werden könnte, wollte sich Graf nicht festlegen. Im Netzbereich könne man mit Erhöhungen rechnen, die Energiepreise hingen von sehr vielen Parametern ab. Wichtig seien daher die Koordinierung auf europäischer Ebene und welches Marktdesign in Europa letztendlich zur Anwendung komme. Von großer Bedeutung sei eine Energiewende "in einem Guss".

Neue Dimension

Der künftige Energiemarkt in Europa werde eine neue Dimension haben, mit geänderten Lastflüssen und geänderten Standorten. Und auch der Verbraucher werde stärker eingebunden, etwa über "intelligente" Stromzähler (Smart Meter). Mehr Kommunikation werde nötig sein. Graf erwartet angesichts höherer Datenvolumina auch eine stärkere Verzahnung von Energie und Telekom.

Gerade am Beginn müsse aber Geld für Investitionen in die Hand genommen werden. In Österreich würden bis 2020 allein in die Stromnetze in Summe 8 Mrd. Euro investiert. Davon entfielen rund 2 Mrd. Euro auf die Übertragungsnetze, 1 Milliarde auf die Integration erneuerbarer Energien, 1 Milliarde Euro auf die Smart-Meter-Einführung sowie jährlich rund 500 Mio. Euro auf die - auch bisher getätigten - Erweiterungen und Revitalisierungen im Verteilnetz.

Die Energienetze unterliegen dem regulierten Bereich: Die Netztarife, die die Stromkunden zahlen müssen, werden von der Regulierungsbehörde E-Control nach Prüfung der Angaben der Netzgesellschaften festgesetzt. In den vergangenen Jahren waren die Netztarife, die bei den Haushaltskunden durchschnittlich rund 30 Prozent der Stromrechnung ausmachen, relativ stabil.

Für Verpflichtung zur Energieeffizienz

Bei der Umsetzung der EU-Vorgaben zur Energieeffizienz sieht Graf hierzulande ein heterogenes Bild. Die Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz müssten in Österreich verpflichtend und bundesweit einheitlich sein und Sanktionsmechanismen eingeführt werden, betonte E-Control-Vorstand Martin Graf.

Der neuen EU-Energieeffizienz-Richtlinie zufolge müssen die Energieversorger sicherstellen, dass pro Jahr 1,5 Prozent des Energieabsatzes ihrer Kunden eingespart werden müssen. Bis zum Jahr 2020 soll es somit zu einer Erhöhung der Energieeffizienz um 20 Prozent kommen.

Der Energieverbrauch in Österreich lag laut Statistik Austria 2010 bei dem bis dato höchsten Wert von 1.119 Petajoule (PJ), ein Plus von 5,6 Prozent gegenüber 2009. Rückgänge beim Energieverbrauch gab es in den Krisenjahren 2008 und 2009. Dem Arbeitsentwurf zum Energieeffizienzgesetz zufolge, der Anfang März von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V) präsentiert worden war, soll der heimische Verbrauch bis 2020 nicht mehr als 1.100 PJ betragen - das ist der Energieverbrauch des Jahres 2005. Wichtig sei eine Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch.

Berücksichtigung des Verkehrs

Nicht einbezogen in die Energieeffizienzmaßnahmen ist der Verkehr, obwohl er rund ein Drittel des energetischen Endverbrauchs ausmacht. Graf spricht sich für eine Berücksichtigung des Verkehrs bei der Energieeffizienzverbesserung aus. Dies sei aber ein politisches Thema. Beim dänischen Modell, das von der E-Control durchaus als Vorbild angesehen wird, gebe es entsprechende Vorgaben auch für den Verkehr. Derzeit gebe es in Österreich eine intensive Diskussion über die Beteiligung der Länder.

Für Graf ist wichtig, dass nicht nur Bundesgebäude thermisch saniert werden müssen. Ab 2014 sollten laut EU-Vorgaben 3 Prozent der gesamten Fläche von beheizten und/oder gekühlten Bundesgebäuden jährlich renoviert werden. Einiges Potenzial sieht Graf auch im mehrgeschoßigen Wohnbau. Die E-Control ist für eine verpflichtende Quote bei Wohnbausanierungen. Angerechnet werden sollen allerdings laut EU-Vorgaben Vorleistungen.

Österreich habe hier mit freiwilligen Maßnahmen bereits einige Fortschritte erzielt. Einsparpotenzial gebe es vor allem bei Klein- und Mittelbetrieben (KMU) und auch bei den Haushalten.

Verantwortlich für die 1,5-prozentige Einsparung könnten sowohl der Energielieferant als auch der Netzbetreiber sein. Die E-Control präferiert den Netzbetreiber. Der Vorteil sei, dass die Einsparungen allen Kundengruppen zuteil würden, die Verteilung fair und die Finanzierung transparent sei. Für den Lieferanten, der anders als der Netzbetreiber dem Wettbewerb ausgesetzt ist, stelle die Umsetzung der Energieeffizienz einen Geschäftsfall dar, und er könnte vorrangig auf die großen Verbraucher mit hohem Einsparpotenzial abzielen. Der Netzbetreiber soll nach den Vorstellungen der E-Control auch selber Energieberatung anbieten oder auch Dritte heranziehen.

Effizienzpotenzial bei Erzeugung

Auch bei der Erzeugung sei noch Effizienzpotenzial vorhanden, so Graf. In Österreich etwa im Bereich der Kleinwasserkraft. Die E-Control spricht sich auch für die Forcierung effizienter Kraft-Wärme-Kopplungs(KWK)-Technologien aus. In der EU-Richtlinie, auf die sich Europas Energieminister Mitte Juni geeinigt haben, wird auch eine verstärkte Verbrauchsinformation für Endkunden genannt. Vorgesehen ist unter anderem auch die Ausweitung von Smart Metering auf Fernwärme und Warmwasser vorgesehen, wenn dies technisch möglich, finanziell vertretbar und proportional zum Einsparpotenzial ist. Eingeführt werden sollen schließlich auch Energieaudits und Energiemanagementsysteme, davon sollen in Österreich Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern ausgenommen sein. (APA, 5.7.2012)

 

 

Share if you care