Strandwächter rettete Ertrinkenden und verlor dafür den Job

5. Juli 2012, 15:56
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Rettungsschwimmer entfernte sich aus Zuständigkeitsbereich

Washington - Ein Strandwächter im US-Bundesstaat Florida hat die Rettung eines Ertrinkenden teuer bezahlt: Zwar konnte er den in Lebensgefahr befindlichen Schwimmer retten, weil er sich dafür aber 500 Meter aus seinem Zuständigkeitsbereich entfernte, verlor der 21-Jährige seinen Job, wie örtliche Medien am Mittwoch berichteten.

Rettungsschwimmer Tomas Lopez befand sich demnach auf seinem Posten am Strand von Hallandale nördlich von Miami, als ein Strandbesucher ihn auf den Ertrinkenden in einem "nicht kontrollierten Bereich" des Strands aufmerksam machte. "Es war ein langer Weg, aber jemand brauchte meine Hilfe, also sagte ich nicht nein", berichtete Lopez der Zeitung "South Florida Sun-Sentinel" und dem Fernsehsender WFOR.

Geretteter auf Intensivstation

Als der Rettungsschwimmer an der Stelle ankam, hatten Badegäste den Ertrinkenden bereits aus dem Wasser gezogen. Zusammen mit einer Krankenschwester, die sich zufällig am Strand aufgehalten hatte, habe er Erste Hilfe geleistet, sagte Lopez. Der Mann, ein 21-jähriger aus Estland, wurde auf die Intensivstation gebracht. Mittlerweile befindet er sich auf dem Weg der Besserung, wie der "Sun Sentinel" berichtete.

Lopez' Arbeitgeber begründete die Kündigung damit, dass sich die Rettungsschwimmer aus Haftungsgründen nicht aus ihrem Zuständigkeitsbereich entfernen dürften. "Was er tat, war seine Entscheidung, er kannte die Firmenregeln und tat, was er für richtig hielt", sagte ein Unternehmenssprecher. Lopez hielt dagegen, er habe seine Moral über seine Arbeitsregeln gestellt.

Weitere Mitarbeiter entlassen

Mehrere Kollegen des Rettungsschwimmers wurden offenbar ebenfalls gefeuert, weil sie sich hinter Lopez stellten. "Was wir im Prinzip machen sollen, ist, beim Sterben zuzusehen", sagte der 16-jährige Zoard Janko dem TV-Sender ABC. Der 19-jährige Brian Ritchie erklärte, er hätte genauso gehandelt wie Lopez. "Ich könnte mich an die Regeln halten und sagen, dass ich jemanden in einer Notsituation nicht helfen würde, aber ich weiß, dass ich bei so einem Vorfall losrennen würde", sagte Ritchie.

Unterdessen scheinen bei Lopez' Arbeitgeber Zweifel an den Entlassungen aufzukommen. Der "Sun Sentinel" und WFOR berichteten am Donnerstag, dass die Firma die Entscheidung überdenke. Unternehmenschef Jeff Ellis erklärte, dass der Vorfall untersucht werde. "Sobald diese Untersuchung beendet ist, werden wir uns korrigieren, wenn wir etwas falsch gemacht haben", wurde Ellis zitiert. Wenn Lopez gute Absichten gehabt habe, "bin ich mir nicht sicher, dass die Beendigung des Arbeitsverhältnisses die richtige Sache war". (APA, 5.7.2012)

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    Ein Rettungsschwimmer in Florida bezahlte ein gerettetes Leben mit seinem Job.

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