Südkorea will wieder Walfang für die Forschung betreiben

5. Juli 2012, 21:02
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Walschutzorganisationen reagierten entsetzt - Keine höhere Walfangquote für Grönland

Panama-Stadt - Japan macht es vor, Südkorea will nun nachziehen: Das Südostasiatische Land plant die Wiederaufnahme der Waljagd für "wissenschaftliche Zwecke". Dies kündigte die Delegation des Landes am Mittwoch bei der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Panama-Stadt an. Bereits in seinem Eröffnungsstatement betonte Korea seine Enttäuschung, dass das kommerzielle Moratorium noch immer gilt. Der Leiter der Delegation, Joon-Suk Kang, sagte, die Population der Minkwale vor der Küste Südkoreas habe sich erholt und stelle ein Problem für die Fischer dar, da die Meeressäuger die Fischbestände vernichteten. Deshalb habe man die Hoffnung, dass die Walfangkommission die Waljagd wieder erlaube.

Hintergrund der für Wiederaufnahme der Waljagd dürfte freilich nicht wissenschaftliches Interesse sein: Ein einzelner Zwergwal kann bei Auktionen in Korea 30.000 US- Dollar erzielen, die Fischer nennen einen Beifang laut Pro Wildlife daher "Meereslotteriegewinn". Seit den 1990er Jahren steigt die Zahl von Restaurants stark an, in denen Walfleisch angeboten wird: In der früheren Walfänger-Stadt Ulsan waren es 1996 nur 12, 2005 bereits 25 und 2010 sogar 100 Restaurants und Snackbars, auch in der Hauptstadt Seoul wächst ihre Zahl.

"Absolut inakzeptabel"

Walschutzorganisationen reagierten entsetzt. Patrick Ramage, Chef des Walprogramms des Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW), forderte Südkorea auf, den Plan aufzugeben. Ralf Sonntag, IFAW-Leiter in Deutschland, bezeichnete die Absicht der Koreaner als eine durchsichtige Verschleierung für kommerziellen Walfang. "Dies ist absolut inakzeptabel und letztendlich ein Schlag ins Gesicht für jeden seriösen Meeresforscher", sagte er. "Damit zeigt Korea ganz unverfroren, dass es mit diesen Plänen dem Beispiel Japans folgen will", erklärte Sandra Altherr, Biologin von Pro Wildlife.

Japan rechtfertigt seinen Walfang seit Jahren mit wissenschaftlichen Zwecken. Zu Beginn der Tagung in Panama hatte Japan gemeinsam mit anderen Fangnationen die Einrichtung eines Walschutzgebietes im Südatlantik durch die IWC verhindert.

Keine höhere Walfangquote für Grönland

Unterdessen darf Grönland die Jagd auf Wale nicht ausweiten. Ein Antrag Dänemarks für höhere Fangquoten zur Selbstversorgung der Ureinwohner Grönlands ist am Donnerstag abgelehnt worden. Für den Antrag Dänemarks stimmten 25 Länder, 35 waren dagegen und drei enthielten sich der Stimme.

Walschützer zeigten sich zufrieden mit dem Ergebnis. "Alles andere als eine Absage an höhere Quoten für Grönland wäre ein Skandal gewesen," sagte die Biologin Sandra Altherr von Pro Wildlife. Dänemark habe hoch gepokert, aber verloren. "Es ist schockierend, dass Walfleisch in grönländischen Restaurants als Sushi, Carpaccio oder mit Tagliatelle in Tomatensoße gezielt an Touristen verkauft wird." Dies widerspreche einer Selbstversorgung von Ureinwohnern. "Es ist klare Geschäftemacherei mit streng geschützten Tieren." (APA/red, derstandard.at, 5.7.2012)

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