König-Abdullah-Zentrum in Wien "eine Farce"

Teresa Eder
9. Juli 2012, 15:12
  • Unterschriftenzeremonie mit den Außenministern Saudi-Arabiens, Österreichs und Spaniens anlässlich der Gründung des König-Abdullah-Zentrums.
    foto: standard/cremer

    Unterschriftenzeremonie mit den Außenministern Saudi-Arabiens, Österreichs und Spaniens anlässlich der Gründung des König-Abdullah-Zentrums.

  • Die Intiative liberaler Muslime in Österreich protestiert gegen das Zentrum für interreligiösen Dialog.
    foto: standard/cremer

    Die Intiative liberaler Muslime in Österreich protestiert gegen das Zentrum für interreligiösen Dialog.

Mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und BZÖ ebnete das Parlament am Freitag den Weg für das Zentrum in Wien - Bedenken von Kritikern sind groß

Jetzt ist es fix: Wien wird ab Ende November Standort des König-Abdullah-Zentrums für interreligiösen und interkulturellen Dialog. Vielerorts herrscht Unverständnis darüber, dass ein Land, das Menschenrechte und Religionsfreiheit grob verletzt, plötzlich im Ausland an einem interreligiösen Dialog interessiert sein soll. SPÖ, ÖVP und BZÖ hatten anders als viele Kritiker trotzdem keine Vorbehalte und ebneten am vergangenen Freitag im Parlament endgültig den Weg für das Dialogzentrum, das vom saudischen König initiiert und finanziert wird.

Schwenk in der FPÖ

Als einzige Partei stellten sich die Grünen von Anfang an gegen das Zentrum. Deren Menschenrechtssprecherin Alev Korun kritisiert, dass dem saudischen Regime mit dem Zentrum "ein Persilschein ausgestellt" werde. Wenn es Saudi-Arabien ernst sei mit dem Zentrum, hätten im Vorfeld die riesigen Diskrepanzen zwischen den Lebenswirklichkeiten in Saudi-Arabien und dem Ansinnen, einen Dialog stiften zu wollen, aus dem Weg geräumt werden müssen, so Korun. Dass SPÖ und ÖVP dem Projekt zustimmten, sei "einer Mischung aus Naivität, Desinteresse und wirtschaftlichem Interesse" geschuldet.

Obwohl im Ausschuss noch für die Errichtung des Zentrums, stimmte die FPÖ im Plenum des Nationalrats anschließend dagegen. Die Wiener FPÖ hatte im Vorfeld schon gegen das Projekt mobilgemacht, obwohl man auf Bundesebene die "mittelgroße Investition am Standort Wien" noch befürwortete. Den Sinneswandel begründete der Abgeordnete Johannes Hübner (FPÖ) mit Vorbehalten gegen den Namen des Zentrums, da es immer automatisch mit dem saudischen Regime in Verbindung gebracht würde. Außerdem befürchtet die FPÖ, dass die Finanzierung nicht langfristig gesichert sei.

Hearing im Herbst

Korun glaubt nicht, dass sich das Regime nach all der lauten Kritik noch trauen wird, uneingeschränkt Einfluss auf die Agenda des Zentrums zu nehmen. Es sei allerdings schlimm genug, wenn der Wahhabismus, die saudische Spielart des Islam, durch das öffentliche Auftreten des Zentrums mit "dem" Islam gleichgesetzt werde. Die wahhabitische Sekte ist innerhalb des Islam eine Minderheit, allerdings in Saudi-Arabien Staatsdoktrin. Anhänger anderer islamischer Strömungen werden als "Ungläubige" gesehen, die Ausübung anderer Religionen im Land ist gänzlich verboten.

Im Herbst wird es auf Bestreben der Grünen ein Hearing im Parlament geben, bei dem es um die Arbeit des Zentrums gehen soll. "Die Bundesregierung war leider nicht bereit, das Hearing vor der Beschlussfassung anzusetzen", kritisiert Korun. Sie fordert, dass das Zentrum auch konstruktive Ergebnisse liefert, die über symbolische Bekenntnisse hinausgehen: "Das Verständnis für andere Religionen muss hinausgetragen werden. Es reicht nicht, wenn sich die Mitglieder des Zentrums anlächeln."

Dass das Zentrum vom Parlament als Organisation mit Völkerrechtspersönlichkeit eingerichtet wurde, ist den Kritikern ebenfalls ein Dorn im Auge. "Damit ist es um einiges einfacher, Visa für ausländische Gäste zu besorgen", erklärt die Völkerrechtlerin Irmgard Marboe. Mitarbeiter sind außerdem vor innerstaatlichen Gerichten nicht klagbar und die Polizei hat keinen Zugang zum Amtssitz, der wie eine Botschaft behandelt wird.

Mahnwache geplant

Einer der schärfsten Kritiker des Zentrums ist Amer Albayati, Gründer der Initiative liberaler Muslime in Österreich. Er sieht das Zentrum als "Farce". ÖVP-Politiker in Österreich würden sich zu Marionetten der Wahhabiten machen und Fundamentalisten Tür und Tor öffnen. "Frau Bandion-Ortner hat sich offensichtlich in eine Burka gehüllt, weil sie nicht sehen will, was hier passiert", sagt Albayati. "Keiner in Österreich will wahrnehmen, dass radikale Elemente des Islam am Wachsen sind."

Damit das Zentrum als legitime Organisation anerkannt werde, müsste Saudi-Arabien zuerst seine "Hausaufgaben" machen, meint Albayati. Er fordert, dass ein interrreligiöses Treffen auch an den heiligen Städten von Mekka und Medina, zu denen Nichtmuslime derzeit keinen Zutritt haben, möglich sein müsse. Außerdem solle Saudi-Arabien den Antrag auf Errichtung von Kirchen im Land genehmigen und den saudischen Großmufti verurteilen, der Ende März dazu aufrief, alle existierenden Kirchen auf der Arabischen Halbinsel abzureißen. Das Problem dabei laut Abayati: Der saudische König und seine Familie seien selbst "Geiseln des Wahhabismus". "Es ist die Religion, die Saudi-Arabien regiert", sagt Albayati. Für die Eröffnung des Zentrums kündigt er an, dass die Initiative liberaler Muslime eine Mahnwache mit symbolischem Hungerstreik abhalten werde. (Teresa Eder, derStandard.at, 9.7.2012)


Wissen

Saudi-Arabien wird vom US-amerikanischen Forschungsinstitut Freedom House als eine der repressivsten Diktaturen der Welt eingestuft. Alle Saudis sind per Gesetz verpflichtet, Muslime zu sein. Der Wahhabismus ist Staatsreligion. Die Ausübung anderer Religionen ist deshalb verboten, aber auch schiitische Praktiken sind teilweise nicht erlaubt. Juden dürfen nicht nach Saudi-Arabien einreisen. Im Frühjahr 2011 erließ König Abdullah ein Dekret, das Kritik am Großmufti und anderen religiösen Gelehrten sowie Regierungsbeamten unter Strafe stellt.

Frauen sind Männern nicht gleichgestellt. Derzeit dürfen sie nicht wählen und keine Autos fahren. Viele Tätigkeiten dürfen sie nur in männlicher Begleitung ausüben. Vor Gericht zählt die Aussage eines Mannes so viel wie die Aussage zweier Frauen. Bisher durften Frauen nicht an Olympischen Spielen teilnehmen, auf Druck des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wurde dieses Verbot heuer jedoch aufgehoben. Ob tatsächlich eine saudische Frau an den Olympischen Spielen in London teilnehmen wird, steht noch nicht fest.

Interview mit Claudia Bandion-Ortner: "Bin nicht die oberste Religionslehrerin der Nation"

Plenarsitzung im Nationalrat zum König-Abdullah-Zentrum

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 185
1 2 3 4 5
Warum wurden wir Österreicher nicht gefragt

ob wir das überhaupt wollen. ICH will diese Zentrum nicht und König-Abdullah kann gerne in SA bleiben.

Komplettes Video der Veranstaltung !!!

http://www.youtube.com/watch?v=b... ature=plcp

Messen wir doch den Wert dieses Zentrums am Grad der Religionsfreiheit

in den arabischen Ländern. Und dann überlegen wir uns, ob dieses Zentrum nicht nur ein Feigenblatt für den Westen ist. Und dann überlegen wir noch, ob da wirklich Steuergelder fließen sollen.

frage,

Warum soll der "dialog" auch in mekka und medina gehalten werden ???

Warum sollen in saudi arabien KIRCHEN gebaut werden ???

MfG

Abdullah-Zentrum = islam zentrum!

also fangt dan gleich oben an...

sure 9:30
Die Juden sagen, Esra sei Allahs Sohn, und die Christen sagen, der Messias sei llahs Sohn. Das ist das Wort ihres Mundes. Sie ahmen die Rede derer nach, die vordem ungläubig waren. Allahs Fluch über sie! Wie sind sie irregeleitet!

sure 3:28
Die Gläubigen sollen sich nicht Ungläubige zu Freunden nehmen vor den Gläubigen - und wer das tut, hat nichts mit Allah -, es sei denn, daß ihr euch vorsichtig vor ihnen hütet. Allah warnt euch vor Seiner Strafe, und zu Allah ist die Heimkehr.

sure 9:123
O die ihr glaubt, kämpfet wider jene der Ungläubigen, die euch benachbart sind, und laßt sie in euch Härte finden;...

was irritiert den ihre kleine welt ???

9:36 - die muslime glauben eben dass diese burschen NICHT die söhne Gottes wahren, dürfen die das den nicht glauben ?

3:28 - ist eine vertrauenssache. Würden sie dem mehr glauben schenken, wenn es vom schmuddelwerk eines anerkannten soziologen kommen würde ?, dürfen muslime denn nicht so denken und handeln ?, können sie eigentlich BESSERE beispielhafte referenzen vorweisen, vielleicht aus der benachbarten Schweiz ?, vielleicht findet sich in der ruhmreichen europäischen geschichte was, ich erlaube es ihnen auch in den letzten 50 jahren dannach zu suchen.

9:123 - auch muslime haben das recht im dschungel der gier, des neides, der herrschsucht usw. sich einen platz an der sonne zu SICHERN, wer macht allen voran diesen einem streitig ???

Was soll das denn?

Saudi ist nicht am Dialog interessiert, sondern ausschließlich daran, seine Salafisten zu installieren wie in Deutschland.

In Österreich ist mit ein wenig Geld alles möglich ;-)

In Saudi-Arabien werden manche Straftäter doch nach der Hinrichtung bis zum heutigen Tage noch gekreuzigt, oder?

Na, die werden staunen, wenn ihnen die Bandion-Ortner erzählt, was für einen Eindruck Europa von solchen Ländern hat ...

Ois Lügen

"http://religion.orf.at/projekt03... llah.html"

" News 20. 06. 2012Grünes Licht für „König Abdullah Dialogzentrum“
Mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP, FPÖ und BZÖ hat der Außenpolitische Ausschuss des Nationalrates am Dienstag die völkerrechtlichen Weichen für die Errichtung des sogenannten „König Abdullah Zentrums für interreligiösen und interkulturellen Dialog“ in Wien gestellt. Kritik "

Alle bis auf die Grünen waren dafür.

es ist toll das wir einer religiösen sekte die in rihad jeden freitag öffentlich menschen den kopf abschlägt in österreich ein zentrum bieten.

aha, FPÖ und Grüne im Rahmen des "Migrationsthemas" (dazu gehört das jedenfalls) erstmals auf einer Linie!

Sehr gut von den Grünen, das Ganze mal differenziert zu sehen:

Multikulti: Ja

aber Förderung von Extremismus/ Fanatismus: Nein!

LG,

Ri

Der saudische König hat bestimmt nicht nur das Dialogzentrum finanziert - vermutlich brauchen einige marode Parteikassen wieder einen Finanzier der Wahlkämpfe unterstützt.
Natürlich ganz legal über 50 verschiedene Gmbh`s, Offshore Konten und Werbefirmen in Österreich....

Es ist extrem traurig wie dekadent unsere politische Gesellschaft geworden ist.

"Es ist extrem traurig wie dekadent unsere politische Gesellschaft geworden ist."

Wann soll das anders gewesen sein?

Auch Chamberlain hätte damals einem "Adolf-H.-Zentrum zugestimmt, nicht?

Sekte oder Religion

jedenfalls ziemlich komisch, dass die einen diplomatischen Status bekommen

Bekommen jetzt auch die Piusbrüder ein Zentrum in Mekka ?

warum

sollten die in mekka ein zentrum bekommen ???, dort ist nichtmuslimen der zutritt verboten, folglich gibt es dotr auch keine nichtmuslime (christen in diesem fall).

In Dr.Dr Sheldon manier muss ich feststellen, dass ich ihre forderung "nicht verstehe". Könnten sie diese "präzisieren" ???

grüsse

Das in Tibmuktu sind doch auch Wahhabiten, oder?

Tolles Verständnis von "interreligiösen und interkulturellen Dialog" die die haben.

In Riad kreuzigens ja auch noch.

da sind offfensichtlich die parteien fürstlich bedient worden

wieviele menschen werden jedes jahr in saudi arabien umgebracht?

du, die meisten sind eh nur christen... !!

Ein derartiges Zentrum ist meiner Meinung nach erst dann ernst zu nehmen, wenn es in Saudi Arabien installiert ist!

Na super. Ein Zentrum für religiösen Fanatismus in Wien.

Posting 1 bis 25 von 185
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.