Prinz Prefab und der Schatz der Blauen Lagune

Kolumne4. Juli 2012, 19:17
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Mit ehrlichen Antworten könnte Mensdorff-Pouilly seine verlorene Glaubwürdigkeit wiederherstellen

"Alfons Mensdorff-Pouilly soll Schmiergelder verteilt haben." Dieser Satz ist am vergangenen Wochenende von praktisch allen heimischen Medien verbreitet worden und lässt - angesichts seiner Ähnlichkeit zu Mutmaßungen wie "Die Zeitschrift 'Playboy' soll von Männern auch wegen der darin enthaltenen Fotografien gekauft worden sein" - den Rezipienten über die Definition des Begriffs "Neuigkeit" sinnieren. Dass Mensdorff über seinen Anwalt sogleich dementieren lässt, zeugt von trotziger Bereitschaft zur Umdeutung der Realität, die jedoch nicht einmal mehr bei Maria Rauch-Kallat fruchten dürfte, erklärte diese doch bei ihrem Gespräch mit Armin Wolf in einem Moment entwaffnender Ehrlichkeit: "Glauben Sie, dass meinem Mann irgendjemand noch irgendwas glaubt?"

Woran liegt das? Vielleicht an einer zu perfekten Tarnung? An sich müsste Mensdorff der klügste, beste und kompetenteste Berater sein, den unser Land je hervorgebracht hat. Denn egal ob British Aerospace, Motorola, Telekom, OMV, Dräger, Eurocopter oder diverse andere: Sie allen waren bereit, für seine Beratertätigkeit viele Millionen Euro zu bezahlen. Einem Mann, dessen berufliche Qualifikation darin besteht, beim Aufbau einer Straußenzucht ebenso heillos überfordert gewesen zu sein wie bei einem gescheiterten Versuch, Dosensuppen zu verkaufen. Einem Mann, dessen optische Wirkung an der Schnittstelle zwischen Humpty Dumpty und Charlie Rivel liegt und dessen gesellschaftliches Auftreten die Aura eines unbeleidigbaren, degenerationsverwitterten Aristo-Meischbergers verbreitet.

Das ist nahezu unglaublich, aber noch geheimnisvoller scheint die Antwort auf die Frage: Was hat der Superberater mit dem verdienten Geld gemacht? Für seinen Lebenswandel kann er es nicht ausgegeben haben. Sein von ihm selbst gern als "Schloss Luising" bezeichnetes Heim sieht in Wirklichkeit aus wie eine in der Vösendorfer Fertigteilhaushölle Blaue Lagune zusammengeschraubte Spezialanfertigung für einen mäßig erfolgreichen moldawischen Gebrauchtwagenhändler. Das kann nicht so teuer gewesen sein. Also, wo ist das Geld? Vielleicht unter Graf Alis Prefab-Windsor-Castle vergraben? Hat Maria Rauch-Kallat davon etwas gewittert, als sie 1993 erstmals nach Luising kam, um "regionale Feuchtgebiete zu inspizieren" und dabei Gefallen am Hausherren und unterirdischen Sümpfen gefunden hat?

Oder ist es denkbar, dass der laut Eigendefinition "einfache Bauer" die vielen Millionen gar nicht für seine geniale Beratertätigkeit bekommen hat und behalten durfte, sondern sie an andere hat weitergeben müssen? Aber an wen?

Mit ehrlichen Antworten auf diese Frage könnte Mensdorff tatsächlich seine verlorene Glaubwürdigkeit wiederherstellen. Da er sich immer wieder seiner Verwandtschaft mit "gekrönten Häuptern" rühmt, sollte er an der ihm dann zustehenden neuen Rollenbezeichnung "Kronzeuge" eigentlich Gefallen finden.

Nur auf sein geliebtes Hobby müsste er wohl bis auf weiteres verzichten. Das Risiko, Opfer eines Jagdunfalls zu werden, war ihm schon zuvor bekannt und würde daher unter diesen neuen Umständen erst recht nicht von ihm unterschätzt werden. (Florian Scheuba, DER STANDARD, 5.7.2012)

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