Obsorge für ledige Kinder: Konservatives Überholen

Kommentar4. Juli 2012, 18:59
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Wenn die Lebenswirklichkeit nicht mehr mit den eigenen Überzeugungen zusammenpasst, sollte man Letztere überdenken

Väter, die die Kindesmutter nicht geheiratet haben, sind verdächtig. Und müssen sich bewähren. Zumindest in Österreich. Zumindest aus der Sicht von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Seltsam nur, dass die Sozialdemokratin in dieser Frage nun von der konservativ-liberalen deutschen Regierung überholt wird. Dort haben bald auch ledige Väter gute Chancen auf gemeinsame Obsorge, selbst wenn die Mutter dagegen ist.

Diese Entscheidung fußt jetzt aber nicht darauf, dass man in schmutzigen Trennungsschlachten den Frauen gehässig eines auswischen will, sondern auf einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte sowie auf einem des Bundesverfassungsgerichtes.

In Österreich will das Justizministerium noch weiter gehen und will bei ledigen wie schon bei ehelichen Kindern automatisch die gemeinsame Obsorge ab der Geburt. Klingt logisch, denn warum sollen die Eltern der 31.522 im Vorjahr unehelich geborenen Kinder für diese Vereinbarung noch extra zum Gericht gehen?

Warum sie das nicht will, kann Heinisch-Hosek nur diffus beantworten. So befürchtet sie die Überrumpelung der im Wochenbett liegenden ledigen Mütter. Auch wie sich ledige Väter "bewähren" sollen, lässt sie offen. Sie sollte sich an Deutschland ein Beispiel nehmen: Wenn die Lebenswirklichkeit nicht mehr mit den eigenen Überzeugungen zusammenpasst, sollte man Letztere überdenken. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 4.7.2012)

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