Frankie goes to Parliament

Kommentar4. Juli 2012, 18:55
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Frank Stronach will sich in die Politik einkaufen - Parteien sollten gewarnt sein

Psychologisch betrachtet, ergibt das alles durchaus einen Sinn: Frank Stronach, der Handwerker aus dem Dorf Kleinsemmering bei Weiz, zog in den 1950er-Jahren in die weite Welt, legte in einer Garagenautowerkstatt in Kanada den Grundstein für seinen späteren Weltkonzern Magna und kehrte dann auf seine alten Tage zurück in seine Heimat - um hier allen zu zeigen, was aus dem kleinen steirischen Buam geworden ist und welch große Dinge zu schaffen er in der Lage ist. Wenn er will, kann er mit seinem vielen Geld heute sogar eine eigene Partei gründen und einen Bundeskanzler machen.

Hinter diesen großspurigen Plänen, die der Milliardär in der Tat wälzt, mag auch ein Motiv der Gekränktheit liegen. Stronach hat sich in Österreich von der führenden Elite nie wirklich akzeptiert gefühlt. Man wollte zwar sein Geld für Betriebsansiedelungen, nicht aber seinen Rat. Er wähnt sich bis heute nicht so geschätzt, wie er es als großer Arbeitgeber verdient hätte.

Stronach probierte es mit Freizeitinvestitionen, mit Fußballklubs, aber alles blieb überschaubar erfolgreich, niemand klopfte ihm auf die Schulter. Zuletzt versuchte er es mit wissenschaftlichem Sponsoring, mit der Finanzierung eigener Uni-Institute. Die Resonanz, so wie er sich es wünschte, brachte ihm aber auch das nicht ein.

Seit Monaten werkt er jetzt an der Gründung seiner eigenen Partei, andere Projekte werden dafür heruntergefahren. Geld ist abgeschafft, es ist das letzte große Investment des 80 Jahre alten Milliardärs. Er werde weit mehr Finanzmittel in einen Wahlkampf stecken als SPÖ, ÖVP und FPÖ zusammen, heißt es. Ob seine Rechnung, sein Wunsch in Österreich endlich ein Faktor zu werden, aufgeht, ist aber ungewiss. Politikwissenschafter und Meinungsforscher geben Stronach gegenwärtig kaum eine Chance, da der Partei das Notwendigste fehle: ein zugkräftiges, eigenständiges Thema und eine Persönlichkeit, die die Partei führe. Der ins Spiel gebrachte Ex-Magna-Chef und jetzt in Diensten des Oligarchen Deripaska stehende Siegfried Wolf mag als Manager erfolgreich sein, dies sei aber nicht automatisch auf die Politik, die ihre eigenen Regeln hat, umlegbar.

Momentan braucht sich noch keine Partei wirklich zu fürchten. Er hat noch kein Zielpublikum. Mit seinen EU-kritischen Ansagen, seiner Ablehnung des ESM-Schutzschirmes begibt sich Stronach auf FPÖ-Terrain, die FPÖ besetzt dieses Thema aber erfolgreich. Damit vergrämt er wiederum genau jene Klientel, die er mit seinen in den Anfängen wirtschaftsliberalen Tönen geködert hatte. Stronach macht mit seinen wirtschaftspolitischen Bocksprüngen, einmal liberal, dann wieder rechts-chauvinistisch - einen politisch noch konfusen Eindruck. Entsprechend gibt ihm Politikwissenschafter Fritz Plasser momentan nicht einmal vier Prozent.

Das kann sich alles ändern.

Frank Stronach hat die finanzielle Potenz, sich den Erfolg zu erkaufen und kann eine für österreichische Verhältnisse mächtige PR-Maschinerie anlaufen lassen. Und es ist nicht auszuschließen, dass Boulvardmedien wie die "Kronen Zeitung" und "Österreich" - neben den millionenschweren Insertionen - auch Gefallen an Stronach finden. Bei Hans-Peter Martin hat es immerhin funktioniert.

Auch wenn sich Stronach jetzt noch ein politisches Chaos de luxe leistet und allerhand politisch Wirres ausprobiert: Die Parteien sollten gewarnt sein und sich strategisch wappnen. (Walter Müller, DER STANDARD, 5.7.2012)

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