UniCredit verschreibt sich eine Diät

4. Juli 2012, 18:38
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Der Konzern will dezentralisieren - Auch die Bank Austria erwartet weniger Einmischung

Wien - Fünf Jahre nach der Übernahme der Bank Austria (BA) durch die italienische UniCredit steht der oft umstrukturierten Bank nun wieder einmal eine kleine Organisationsreform bevor. Allerdings nicht nur der Österreichtochter - die Italiener werden demnächst beschließen, den organisatorischen Aufbau der gesamten Gruppe umzubauen.

Auf die zentrale Phase, in der die Italiener all ihre Banktöchter und Manager fest an die Kandare gelegt haben, folgt nun die dezentrale Phase. Bisher waren die Bank-Gesellschaften per Divisionalisierung (Firmenkundengeschäft, Privatkundengeschäft etc.) gleichsam an die Mutter in Mailand gebunden. Die jeweils zuständigen Ressort-Vorstände berichten derzeit bis hinauf nach Mailand.

Genau das soll sich nun ändern, Zentralisierung und Divisionalisierung weichen der sanften Dezentralisierung. Schon in der Hauptversammlung hat UniCredit-Chef Federico Ghizzoni angekündigt, die Bank "näher an den Kunden" bringen zu wollen, von nicht rentablen Geschäftszweigen verabschiedet man sich.

Interne Prozesse

Mitte Juni hat er die Änderung dann so angekündigt: "Wir überdenken die Organisation der Gruppe", vor allem wolle man die "internen Prozesse" vereinfachen. Weitere Filialschließungen (UniCredit hat zuletzt rund 800 Filialen zugesperrt, die meisten davon in Italien) seien dagegen eher " nicht das, was die Leute wollen". Auch zusätzliche Kündigungen seien " unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen schwierig".

Also wird die Gruppe inwendig abgespeckt, Abläufe sollen vereinfacht, Strukturen schlanker, die Manager an etwas längere Zügel gelegt werden. Die Töchter, heißt es, sollen wieder mehr "übers Ergebnis gesteuert werden".

Die organisatorische Entschlackung soll laut Bankinsidern allerdings weniger die Auslandstöchter betreffen als die italienischen, die allein auf zwölf Regionen aufgeteilt sind. Die Auslandsbanken wie die BA, auch für einen Teil des Ostgeschäfts verantwortlich, hätten "sowieso schon recht viel Autonomie". Trotzdem erwarte man sich in Wien künftig " weniger Einmischung". Erste Entscheidungen könnten am 10. Juli fallen, da tagt in Mailand der Verwaltungsrat. (Renate Graber, Thesy Kness-Bastaroli , DER STANDARD, 5.7.2012)

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