Gib acht, Heimat!

  • Frank Stronach in der "ZiB 2".
    foto: screenshot/orf-tvthek

    Frank Stronach in der "ZiB 2".

Er war jederzeit bereit, in die "ZiB 2" zurückzukehren, um Fragen zu beantworten

Als er mit nur 200 Dollar in die Welt zog, um sie automobil zu machen, hätte Frank nie gedacht, einige Milliarden später in die "ZiB 2" herabsteigen zu müssen, um der Heimat die Euroaugen zu öffnen. Die Lage jedoch war ernst. Schuldenmacher trafen Schuldenmacher, um mehr Schulden zu machen. Was sie Rettungsschirm nannten, würde Steuerzahlerkinder zu Melkkühen einer Weltfinanz degradieren, die alle Politik unterjocht hatte.

Und Frank kannte seine Pappenheimer. Hatte er nicht selbst ein paar der edelsten Politexemplare über Jahre durchgefüttert? Also: Wer, wenn nicht er, Frank, der über den Kunstgriff wöchentlich wechselnder Trainer auch einen Fußballclub vor dem Aufstieg bewahrte, wäre berufener, den Bürgern aufklärend zu dienen? Klar. Er war jederzeit bereit, in die "ZiB 2" zurückzukehren, um Fragen zu beantworten. Nun galt es jedoch die alte Heimat zu warnen; eine Heimat, zu der auch diese "ZiB 2"-Blondine gehörte, die ihn ständig fragend unterbrach, obwohl die Kernschmelze der Zukunft drohte.

Dass es auch für Frank so schwer würde, den gordischen Knoten der Politlüge zu durchtrennen, hätte er natürlich nie gedacht. War nicht auch er ein einfacher Steuerzahler im Land des freien Wortes? Die Blondine aber wollte nur wissen, wann er die Gründung oder den Erwerb einer Partei verkünden würde. Natürlich konnte Frank auch ihr Leben kaufen, aber das hatte jetzt keinerlei Priorität.

Wichtiger war, alle Frust- und Durstbürger aufzurütteln. Was heißt hier schrulliger Populismus, ungehobelte Manieren? Man soll Frank nicht mit Knigge kommen! Immerhin fühlte er: Mit diesem Auftritt wäre er Legende geworden. Wenn er nicht schon eine wär. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 5.7.2012)

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